Immobilienhandel
Der Schwung auf dem Freiämter Wohnmarkt hält an

Im Freiamt entstanden letztes Jahr überdurchschnittlich viele neue Wohneinheiten. Die Preise für Bauland und Wohneigentum stiegen minim. Die Immobilienfachleute Bernhard Tobler und Andreas Burlet gaben anlässlich der Gewerbeausstellung Mega Auskunft.

Lukas Schumacher
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Der Schwung auf dem Freiämter Wohnmarkt hält an

Der Schwung auf dem Freiämter Wohnmarkt hält an

Lukas Schumacher

Wie entwickelt sich der Immobilienmarkt in unserer Region? Wie bewegen sich die Preise für Bauland und Wohneigentum ? Bernhard Tobler und Andreas Burlet beantworteten Fragen und teilten Einschätzungen zu Trends der Immobilienbranche mit.

Bernhard Tobler ist Geschäftsleiter und Inhaber von Bento Investment in Widen sowie Besitzer des Tochterunternehmens Bento Immobilien in Dietikon. Der Bremgarter Andreas Burlet arbeitet als Immobilienvermittler beim Remax-Konzern auf der Geschäftsstelle Mutschellen in Berikon.

Mehr Eigentümer als Mieter

Rund 60 % der Schweizer sind Mieter, rund 40 % Eigentümer. Aufs Freiamt und den Mutschellen trifft das Gegenteil zu: Die aktuelle Wohneigentumsquote der Region Freiamt liegt bei stattlichen 59,5 %, jene der Region Mutschellen sogar bei 59,8 %.

Diese Zahlen überraschen die Fachleute nicht. «In fast allen ländlichen oder ländlich geprägten Regionen wie dem Freiamt sind die Eigentümer in der Mehrheit», sagen Bernhard Tobler und Andreas Burlet unisono. Auch wenn der Mutschellen seit einigen Jahren der Agglomeration von Zürich zugeschlagen werde, dominiere hier nach wie vor eine zünftige Portion ländlicher Charme. In unseren Gefilden sei die Verstädterung noch nicht sehr weit fortgeschritten. Der Trend gehe aber eindeutig in Richtung Verdichtung und weniger Landverbrauch.

Grosses Wohnangebot

Blick auf den Wohnungsbestand: Gemäss Statistik wurden 2013 im Freiamt und auf dem Mutschellen überdurchschnittlich viele neue Wohneinheiten gebaut. Im Mutschellengebiet waren es 1,5 %, im ganzen Freiamt 1,9 %. Diese Werte liegen über den Wachstumszahlen 2012. Folglich müsste das aktuelle Wohnangebot in unserer Region beachtlich hoch sein. «Ja, es sind zahlreiche Kauf- und Mietangebote auf dem Markt», bestätigt Andreas Burlet. «Das Angebot war schon im letzten Jahr hoch», erläutert Bernhard Tobler, «es ist bis heute hoch geblieben.»

Bei der Nachfrage der Käuferschaft macht Tobler, dessen Firma Bento Investment Wohnbauprojekte entwickelt, «einen leichten Rückgang» aus. Burlet spricht von einer «nach wie vor regen Nachfrage». Sie sei wohl nicht mehr ganz so komfortabel wie vor zwei Jahren, aber nach wie vor gut. Eigentumswohnungen stünden derzeit höher im Kurs als Einfamilienhäuser.

Hohe Mutscheller Landpreise

Auf dem Mutschellen sind die Landpreise teils deutlich höher als in andern Gegenden des Freiamts. Laut Bernhard Tobler kostet erschlossenes Bauland auf dem Mutschellen bei einer mittleren Wohnlage rund 1200 bis 1300 Franken pro m. Bei ausgezeichneten Lagen betrage der Preis auf dem Mutschellen ab 1500 Franken/m. «Unter 1000 Franken je m ist auf dem Mutschellen praktisch nichts zu haben», merkt Andreas Burlet an. Gute Lagen würden für 1250 bis 1500 Franken feilgeboten.

Die Baulandreserven im Freiamt sind nicht üppig bemessen, und viel neues Bauland wird wegen der strikten Vorgaben des neuen Raumplanungsgesetzes nicht hinzukommen. «Halb so schlimm», findet Tobler, «an Baulücken mangelt es den meisten Gemeinden nicht, auch der Mutschellengemeinde Widen nicht.» Im Übrigen hätten diverse Freiämter Gemeinden insbesondere in ihren Dorfzentren Erneuerungsbedarf.

Andreas Burlet verweist auf die Gemeindefusion Bremgarten/Hermetschwil: «Bremgarten verfügt jetzt wieder über reichlich Bauland und die Leute in Hermetschwil-Staffeln profitieren von den guten Dienstleistungen und Infrastrukturen des Städtchens. Eine Win-Win-Situation für alle.»

Die Immobilienbranche dürfte noch längere Zeit von den tiefen Zinsen profitieren. Allerdings heben beide Experten den Mahnfinger: «Wenn die Finanzmarktaufsicht Finma bei der Finanzierung mehr Eigenkapital von den Käufern verlangt als heute sowie eine raschere Amortisation der Hypothekarschulden, schrumpft die Nachfrage nach Eigentum deutlich.»

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