Die Gesundheits- und Pflegekosten steigen jedes Jahr weiter an. Das Pflege- und Betreuungszentrum Reusspark in Niederwil gibt im ganzen Kostenbereich etwas Gegensteuer. Es reduzierte auf den 1. Januar 2016 die Betreuungstaxe um 5 Franken pro Tag. Möglich machte es das gute Ergebnis im letzten Geschäftsjahr, stellte Reusspark-Direktor Thomas Peterhans im Jahresbericht 2015 fest.

Einmalig im Aargau

Mit dieser kleinen Taxreduktion, die in der aargauischen Heimlandschaft wahrscheinlich einmalig sei, beweise der Reusspark, dass er eine schlanke und effiziente Organisation habe und die Preise wenn möglich nach unten korrigiere, so Peterhans.

Der Reusspark sei im Vergleich zu den übrigen grossen Pflegezentren mit gleichen oder ähnlichen Leistungsangeboten das wirtschaftlichste Unternehmen im Kanton Aargau. Ob auch in Zukunft eine weitere Taxreduktion möglich sei, prüfe der Reusspark in diesem Jahr.

Peterhans ging im Jahresbericht des Pflege- und Betreuungszentrums Reusspark auch auf die abgeschlossene energetische Sanierung des Hauptgebäudes ein. Jedes Zimmer sei in einem einzigen Tag umgebaut und wieder bezogen worden. Als Dank für die tolerante Haltung der Bewohner senkte der Reusspark in der Umbauphase die Taxen um 300 Franken pro Tag.

Kritik an den Krankenkassen

Als wichtigen Schritt in die Zukunft bezeichnete Peterhans die Einführung der elektronischen Pflegedokumentation Easydok. Die Pflegeleistungen zeichne der Reusspark nun nicht mehr handschriftlich auf. Auf die elektronische Erfassung der Leistungen umsteigen musste der Reusspark aber nicht zuletzt auf Druck der Krankenkassen. Sie kontrollieren die korrekte Verrechnung der erbrachten Pflegeleistungen, was Peterhans per se nicht bemängelt. Aber die Controllings nähmen laufend zu und liefen aber unter den Krankenkassen «unkoordiniert» ab. Den steigenden administrativen Aufwand müssten die Bewohnerinnen und Bewohner tragen. Korrekturen aufgrund der Controllings gebe es höchst selten. Der Aufwand widerspreche «jedem gesunden Menschenverstand», hielt Direktor Peterhans weiter fest.

«Aber wer bezahlt, befiehlt – die Kassen haben anscheinend dafür die personellen Ressourcen und wir Leistungserbringer sind ihnen machtlos ausgeliefert.» Die Politik interessiere diese Entwicklung kaum. «Denn die Krankenkassen verstehen das Lobbyieren zum Beispiel durch die Vergabe von lukrativen Verwaltungsratsmandaten an National- und Ständeräte wie keine andere Branche. Früher musste Schlange stehen, wer ein Pflegebett ergattern wollte. Das habe sich geändert, teilte Peterhans im Jahresbericht weiter mit.

Überangebot an Pflegebetten

Er habe seit Jahren vorausgesagt, dass es einmal leere Pflegebetten geben werde, weil auch in dieser Region einige Gemeinden vor allem gewinnorientierten Privatunternehmungen den Bau von Alterswohnungen mit Pflegeabteilungen bewilligt hätten. Zudem hätten die Spitexorganisationen ihre Angebote ausgebaut, was sinnvoll sei.

Das Überangebot an Pflegebetten habe aber auch seine guten Seiten, meinte Peterhans: «Der Wettbewerb unter den Pflegeheimen nimmt zu – gute Leistung zu günstigeren Preisen wird plötzlich zum Thema.» Hingegen gehe leider das Schwarzpeterspiel in der Pflegefinanzierung weiter. Diese sei nach wie vor ungenügend, wie Direktor Thomas Peterhans betonte.

90 Prozent sind laut einer Umfrage mit dem Reusspark zufrieden. 93 Prozent könnten die Institution mit gutem Gewissen weiterempfehlen, war von Monica Heinzer, Leiterin Pflege und Betreuung, zu erfahren.

101 168 Pflegetage im Jahr 2015

Der Reusspark erbrachte 2015 im stationären Bereich 101 168 Pflegetage. Die Bettenauslastung lag bei 96,6 Prozent und im Tages- und Nachtzentrum bei 65,7 Prozent. Tobias Breitschmid, Leiter Finanzen und Personal, konstatierte, dass immer mehr Bewohner mit einer höheren Pflegebedürftigkeit eintreten.

Die Rechnung 2015 des Pflege- und Betreuungszentrums Reusspark in Niederwil fiel mit einem Aufwand und Ertrag von 35,4 Millionen Franken ausgeglichen aus. Auch eines der Aushängeschilder, das Restaurant Gnadenthal, trug zum wirtschaftlichen Erfolg bei.