Werner Huber war in seiner Zeit im Wohler Einwohnerrat für seine scharfsinnigen Analysen bekannt und respektiert: «Wir drehen uns im Kreis, das bringt nichts. Ich habe einen Vorschlag . . .» – so oder ähnlich begannen seine Voten, mit denen er der Diskussion in einer verfahrenen Situation oft eine Wendung geben konnte.

Seine ersten vier Jahre im Wohler Parlament sagte Huber allerdings gar nichts. Er war als Gemeindeschreiber II für das Protokoll verantwortlich: «Ich hatte dafür vorab etwas Steno gelernt. Wir hatten ja damals nicht die Hilfsmittel und Apparaturen von heute», blickt er zurück.

Das Parlament sei damals sehr straff geführt und der Ratsbetrieb entsprechend diszipliniert gewesen», erinnert sich Huber, der nach seiner Zeit auf der Wohler Verwaltung zuerst Sekretär der katholischen Landeskirche wurde, dann ans Aargauer Verwaltungsgericht wechselte und von 1982 bis 1998 Oberrichter war.

Ebenfalls noch vor seiner Zeit als aktives Mitglied verfasste Huber, der seine poetische Ader seit über 60 Jahren mit dem Verfassen von treffenden Versen auslebt, für den Einwohnerrat ein Gedicht. Es lag an der 100. Sitzung vom 24. Februar 1975 als Begrüssungsschreiben auf den Tischen, zusammen mit einer Schachtel Frigörli und es zeigt, dass es früher Wohler Parlament nur bedingt anders zuging als heute.

Ratsbetrieb entspannter

In seiner aktiven Zeit als Parlamentarier in den 80er-Jahren hat Werner Huber den Ratsbetrieb als «etwas lockerer» erlebt wie damals als Protokollführer: «Es ging immer noch sehr geordnet zu und her, aber man durfte jetzt doch ab und zu einen Spruch klopfen», schmunzelt der rüstige Rentner, der im Februar seinen 81. Geburtstag feiern kann. Der Seriosität der Entscheide habe die neue Lockerheit aber keinen Abbruch getan: «Wir haben unsere Arbeit dennoch ernst genommen.»

Man habe, erzählt Werner Huber weiter, hart um Entscheide gerungen, aber man habe sich gegenseitig respektiert und auf persönliche Angriffe verzichtet. Mit guten Kompromissen sei es gelungen, wegweisende Projekte aufzugleisen.

Der aktuellen Politkultur kann der heute in Villmergen lebende Huber nicht mehr allzu viel abgewinnen: «Das Ausmass der politischen und persönlichen Auseinandersetzung ist zeitweise fast unerträglich», sagt er und rät: «Bevor die Gemeinde Wohlen mehr Geld für Imagewerbung beschliesst, sollte sie erst versuchen, die imageschädigenden Ursachen dieser Auseinandersetzungen zu beheben.»