Den Rahmen um den Abend spannte die 15-köpfige Gruppe Ilsah. Ihre Musik klang mal fetzig, mal nachdenklich und traurig. Das Repertoire setzte sich aus einer Mischung aus Schweizer Folklore und Weltmusik zusammen. Auch die Schwestern Andrea und Daniela Nietlisbach verbanden Fremdes mit Vertrautem, jodelten einerseits mit erstaunlicher Kraft und sangen andererseits englische Pop-Lieder.

«Wir können keine Rücksicht auf Befindlichkeiten nehmen», sang das Lehrercabaret Muri. Und tatsächlich nahmen sie kein Blatt vor den Mund. Sie hinterfragten das «Schweizer-Sein» und kritisierten die Politiker wegen ihres fehlenden Fingerspitzengefühls. Auch die Appenzeller, Basler, Zürcher und Walliser wurden gekonnt und witzig parodiert. Dazwischen liessen sie immer wieder patriotische Gefühle aufkommen, in dem sie den Hit «Ewigi Liebi» auf die Schweiz ummünzten. Das Cabaret liess den Zuhörern aber auch genug Freiraum, sich seine eigene Meinung zu bilden, in dem sie reimten: «Die Schweiz – klein, verstockt und stur – oder eine Vielfalt und à jour.»

Internationale statt Nationalhymne

Unpatriotisch, dafür menschlich und mit scharfem Blick auf Alltägliches waren die Geschichten, die der in Villmergen aufgewachsene Paul Steinmann vorlas. Sein «Chnödu» sang eher die Internationale als die Nationalhymne. Um den 1.August aber nicht alleine den Nationalisten zu überlassen, liess er von seinen WG-Mitbewohnern ein Fest organisieren. Bei seiner Rede zündete «Chnödu» eine Rakete im Wohnzimmer als ultimatives Symbol für die Schweiz. Bei derart viel Politik tat es gut, dass der 14-jährige Oli in der Geschichte von all dem nichts wissen wollte, sondern sich nur für Mädchen interessierte. Schon deutlich weiter als Oli war ein Ehepaar, welches jeweils nach dem Rasenmähen des Mannes musizierte, wobei es bei beiden nicht mehr so recht geigte.

Besinnliche und philosophische Fragen stellten sich Pfarrerin Bettina Lukoschus und Pater Benedikt Staubli. «Ist das Kunst oder kann das weg?», warfen sie in die Runde. «Braucht heute alles ein Preisschild, damit man einen Wert erkennt?» Aber auch über die Zahl 10 machten sich die beiden Gedanken und stellten fest, dass 10 die ideale Ziffer sei, denn ab 11 würde sich alles irgendwie wiederholen.

Noch keinen Nachfolger gefunden

Auf eine Wiederholung des politischen Aschermittwochs hofft hingegen Thomas Michel. «Unser Team organisiert den Anlass nun zum 10. Mal. Wir möchten ihn an eine neue Crew weitergeben.» Ein neues Team sei aber bisher nicht gefunden, weshalb dies eventuell der letzte politische Aschermittwoch sei. «Die Arbeit hier ist sehr dankbar, weil der Anlass meist innert vier Tagen ausverkauft ist», lockte Michel potenzielle Nachfolger. Dass dabei nicht unbedingt das Rad neu erfunden werden muss, demonstrierten zum Schluss Ilsah. Gemeinsam mit den Nietlisbach-Schwestern musizierten sie in die Nacht hinein, und verbanden damit zum letzten Mal an diesem Abend Weltmusik mit traditionellem Liedgut. Das Publikum dankte es mit tosendem Applaus.