Buttwil
Der Platz auf der Tanzfläche ist heiss umkämpft

Das 5. Flugplatz-Country Festival bot amerikanisches Ambiente und Livemusik – kleineren Machtkämpfen zum Trotz. In einer stimmigen kleinen Country-Welt tanzen 150 Country-Fans mit Cowboyhüten in Reih und Glied.

Samuel Schumacher
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Die Hüte sitzen bei den Buttwiler Country Fans
9 Bilder
Country Stimmung in Buttwil
Die Paartänzer Sabina und Marcel Bläsi tanzen zufrieden über das Festgelände
Mal nach hinten, mal nach vorn
Andy Martin (im Hintergrund) trat mir seiner Liveband in Buttwil auf
Line Dancer bewegen sich zu den Country Rhythmen
Hemmungslos wurde am Country Festival getanzt
Andreas und Monika Schöpfer verkaufen an ihrem Chuck Waggon Kaffee, Whiskey und Beef Jerky
Country-Musiker Andy Martin am Buttwiler Festival

Die Hüte sitzen bei den Buttwiler Country Fans

Samuel Schumacher

Die Szenerie auf dem Weg hinauf nach Buttwil wirkt ein bisschen kitschig. Weisse Zäune reihen sich entlang der Landstrasse. Zwei Pferde traben über die staubigen Matten vor einem Bauernhof. Ein Bauer holt mit seinem Traktor die letzten Heuballen vom Feld, bevor die nahenden Gewitterwolken das goldene Abendlicht verdrängen.

Stimmige kleine Country-Welt

Aus der Ferne sind Country-Klänge zu vernehmen. Buttwil an diesem Sommerabend, das könnte durchaus auch eine Kleinstadt im weiten amerikanischen Süden sein. Angekommen auf dem Flugplatz, verstärkt sich dieser Eindruck. Hier, wo sonst nur ein Hangar und eine leere Landebahn zu finden sind, haben freiwillige Helfer und die Mitarbeitenden des Restaurants Flug-Alp in den vergangenen Tagen eine stimmige kleine Country-Welt errichtet.

An Ständen werden bedruckte T-Shirts und Indianerschmuck verkauft. Die beiden Luzerner Monika und Andreas Schöpfer haben ihren selbst gebauten Chuckwagon aufgestellt und sich in authentische Wildwest-Kostüme gehüllt. Sie brauen Cowboy-Coffee, schenken Whisky aus und verkaufen salziges Beef Jerky. Im Festzelt hocken rund 150 Country-Fans auf den Holzbänken und springen immer wieder auf, um sich vorne auf der Tanzbühne voll und ganz der Musik hinzugeben. Die meisten tragen Cowboyhüte, spitzige Stiefel oder Leder-Jacketts.

Country-Motto passt in die Schweiz

Für Stimmung sorgt an diesem Abend der Schweizer Country-Star Andy Martin mit seiner Liveband. Vor 30 Jahren wurde er auf einer Amerika-Reise zum Country-Fan. «Die Geschichten, welche diese Songs erzählen, passen gut zu mir, auch wenn ich wohl nicht 100000 Herzen breche wie die tragischen Helden in den Country-Liedern», lacht Andy Martin in einer kurzen Verschnaufpause zwischen zwei Sets. Er möge die Vielseitigkeit der Country-Musik, diesen Mix aus allen möglichen Harmonien und Stil-Elementen. «Country ist hierzulande aber immer noch ein Nischenprodukt.» Dabei würde die Grundaussage der Country-Musik der Schweiz durchaus gut tun, meint der Vollblutmusiker: «Live, and let live.» Oder wie es Andy Martin in breiter Berner Mundart sagt: «Lah die angere la si, wie sie si.»

«Manchmal nerven die ganzen Line-Dancer»

Knapp eine Minute, nachdem er wieder auf der farbig erleuchteten Bühne steht und den Song «Nothing to Lose but my Mind» anspielt, ist die Tanzfläche vor ihm bereits wieder voll. Rund 20 Personen tanzen gemeinsam den Country-typischen Line-Dance: in zwei Reihen hüpfen und drehen sie sich im Rhythmus, alle aufs Mal, alle mit den genau gleichen Bewegungen. Die Stimmung im Festzelt ist entspannt, locker und ausgelassen. Nichts, so scheint es, könnte diese heile Welt erschüttern.

Doch dann treffen wir hinter dem Festzelt auf Sabina und Rolf Bläsi, die zu zweit zwischen dem Grillstand und dem T-Shirt-Händler hindurchtänzeln. «Manchmal nerven die ganzen Line-Dancer», meint Rolf Bläsi, und erzählt davon, wie er und seine Frau auf der Tanzbühne nicht gerne gesehen sind, weil sie den braven Line-Tänzern mit ihrem Paartanz den Platz streitig machten. «Letztes Jahr flogen hier in Buttwil deswegen beinahe die Hüte», lacht Rolf Bläsi und tanzt mit seiner Frau davon.

In diesem Punkt unterscheidet sich die Buttwiler Country-Szene also doch vom amerikanischen Motherland: Hier wird nicht gleich scharf geschossen, wenn man sich auf der Tanzfläche mal auf die Füsse trampt. Denn echte Country-Fans wissen, was wirklich zählt: «Live, and let live.»

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