Weihnachtsserie

Der Plattenspieler aus dem Schrank: Weihnachtserinnerungen einer Freiämterin

Silvia Hoppler erinnert sich gerne an frühere Weihnachtsfeste zurück.

Silvia Hoppler erinnert sich gerne an frühere Weihnachtsfeste zurück.

In ihrer Weihnachtsserie geht die «Aargauer Zeitung» heute der Frage nach, warum das Lied «Siebentausend Rinder» vermutlich nur Silvia Hoppler aus Rottenschwil an Weihnachten erinnert.

Wenn Silvia Hoppler an die Weihnachtsfeste aus ihrer Kindheit zurückdenkt, leuchten ihre Augen und ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Sie mag sich noch gut erinnern, wies war, als sie mit ihren beiden Brüdern und ihrer Schwester an Heiligabend den Vater von der Arbeit abgeholt hat: «Unser Vater hat damals Weihnachtsbäume verkauft, dazu ging er auf den Markt in Zürich. Wenn er dann am Abend des 24. Dezembers wieder an seinem Arbeitsort in Rottenschwil angekommen war, holten wir ihn immer gemeinsam dort ab. Während wir unterwegs waren, ist dann das Christkind bei uns zu Hause vorbeigekommen.» Auf diesen Moment haben sich die Kinder immer besonders gefreut und sind zu Hause fast verzweifelt, weil sie es kaum abwarten konnten, dass es endlich Abend wurde.

Während der langen Wartezeit bereiteten sich die Geschwister auf den speziellen Abend vor. Jedes von ihnen musste baden und anschliessend schlafen gehen, bis ihre Mutter sie dann am Abend aufgeweckt hat.

Ein ganz besonderes Geschenk

Das Nachtessen am Weihnachtsabend war ebenfalls eine Tradition im Hause Hoppler. «Es gab immer eine kalte Platte mit speziellen, feinen Dingen, wie zum Beispiel Bündnerfleisch oder Schinken, die es unter dem Jahr nie gegeben hat, weil sie zu teuer waren. Dazu assen wir einen russischen Salat», erinnert sich Hoppler.

Für die gebürtige Rottenschwilerin und ihre Geschwister war jedoch nicht nur das Essen, sondern vor allem die Getränke ein Höhepunkt des Abends. «An Weihnachten, und nur an Weihnachten, gab es Orangina und Citro. Wir Kinder haben immer weiter getrunken, auch wenn wir schon lange keinen Durst mehr hatten», lacht Hoppler.

Obwohl die Bauernfamilie nicht viel Geld hatte, gab es in jedem Jahr Geschenke. Oft erhielten die Geschwister Gebrauchsgegenstände wie Kleider, die von der Mutter selber gestrickt worden waren. Manchmal gab es auch Spielsachen, die sie alle gemeinsam geschenkt bekamen.

Ein ganz besonderes Geschenk hat Silvia Hoppler immer noch in Erinnerung, und die Geschichte dazu bringt sie heute noch zum Lachen: «In einem Jahr haben wir einen Plattenspieler erhalten, den meine Eltern Occasion erworben hatten. Meine Schwester war ein Schlitzohr. Sie hat den Plattenspieler schon vor Heiligabend im Schrank entdeckt, ist losgegangen und hat von ihrem Sackgeld eine Platte von Peter Hinnen gekauft. Als unsere Eltern nicht zu Hause waren, haben wir einen Abend lang ‹Siebentausend Rinder› gehört.»

Nach der Bescherung wurden traditionelle Weihnachtslieder gesungen. Und jedes der Kinder durfte ein Schöggeli vom Baum nehmen, das an Weihnachten sogar eine leckere Füllung enthielt, die Hoppler bis heute mag.

Traditionen gehen weiter

In guter Erinnerung sind ihr auch die Mitternachtsmessen geblieben, die sie immer zusammen mit ihrer ganzen Familie in Oberlunkhofen besucht hat. «Wenn zum Schluss ‹Stille Nacht› gesungen wurde, war das immer sehr emotional. Und wenn der Pfarrer sagte, dass wir an jene Menschen denken sollen, die nichts haben, dann wurde uns Kindern bewusst, dass wir es, obwohl wir nicht reich waren, sehr gut hatten.»

Dieses Gefühl hat sie bis heute: «Ich hatte eine sehr schöne Jugend. Wir hatten immer alles, was wir brauchten.» Das Weihnachtsfest sei speziell gewesen, als sie noch ans Christkind geglaubt habe. Aber auch ohne diesen Glauben ist das Fest für Hoppler etwas ganz besonderes, das sie mit guten Erinnerung und einer starken Familienzusammengehörigkeit verbindet.

So wurden die Traditionen der Familie Hoppler noch lange weitergeführt. Die Kinder haben auch noch gemeinsam den Vater von der Arbeit abgeholt, als nur noch der jüngste Bruder an das Christkind glaubte. Und als sie später alle erwachsen waren, gab es jahrelang am Abend des 24. Dezembers eine kalte Platte und einen russischen Salat.

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