Bremgarten

Der Pfarrer «ist jetzt angekommen»

Der Bremgarter Pfarrer Andreas Paul findet auch auf der Klarinette den richtigen Ton. Foto: SL

Der Bremgarter Pfarrer Andreas Paul findet auch auf der Klarinette den richtigen Ton. Foto: SL

Andreas Pauli tanzt beruflich als Pfarrer auf drei Hochzeiten – und das mit Lust. Er denke, er und Ehefrau Barbara seien jetzt angekommen, meint Pauli in breitem Berndeutsch. Angekommen im Sinne von sesshaft und wohnhaft bleiben.

Andreas Pauli (53) ist seit vier Jahren reformierter Pfarrer in Bremgarten mit Schwerpunkt Jugendarbeit. Er denke, er und Ehefrau Barbara seien jetzt angekommen, schmunzelt Pauli in breitem Berndeutsch. Angekommen im Sinne von sesshaft und wohnhaft bleiben. Fernab der Schweiz und in unserem Land hat der in der Bundesstadt aufgewachsene Pauli reiche Berufs- und Lebenserfahrung gesammelt. So als Pfarrer in Malters, an der St.-Anna-Klinik in Luzern und im solothurnischen Welschenrohr oder als Projekt- und Stellenleiter der ehemaligen KEM, der Kooperation Evangelischer Kirchen und Missionen. Ein aussergewöhnliches Lebens- und Berufskapitel Paulis ereignete sich in Afrika.
Fünf Jahre in Nigeria unterrichtet

Nach Nigeria gezogen

Anfang der 90er-Jahre zogen Andreas und Barbara Pauli mit ihren beiden damals vier- und sechsjährigen Kindern nach Nigeria. Im Auftrag der Basler Mission schulte er an einem College kirchliche Angestellte in allgemeinbildenden und biblischen Fächern. Auch Barbara Pauli erteilte Unterricht. Sie brachte Einheimischen im Rahmen des Alphabetisierungs-Programms das Lesen und Schreiben bei.

Die fünf Jahre in Nigeria ohne Telefon und Agenda, in bescheidenen Verhältnissen und mit gelegentlichen Stromunterbrüchen seien nicht immer einfach, aber sehr bereichernd gewesen, erläutert der Bremgarter Pfarrer. «Am meisten beeindruckten uns die Offenheit und die unvergleichliche Gastfreundschaft, die wir ständig erleben durften.» Als die Familie Pauli 1996 in die Schweiz zurückkehrte, hinterliess sie in Nigeria zumindest einen bleibenden Eindruck: Andreas und Barbara Pauli hatten ein kleines Gästezentrum und Ferienresort aufgebaut, das «Hildi Hillside.» Das kleine Touristenzentrum wird heute von Einheimischen geführt.

Auch Gefängnis- und Wirtepfarrer

Andreas Pauli ist als Pfarrer in einem Pensum von 50 % bei der Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellen angestellt. 40 Stellenprozente umfasst sein berufliches Engagement als Gefängnisseelsorger in der Strafanstalt und im Zentralgefängnis Lenzburg. Praktisch jeden zweiten Tag hält sich Pauli in Lenzburg auf, veranstaltet Gottesdienste und führt Gespräche mit Strafgefangenen. «In dieser eigenen, abgetrennten Welt sind vor allem geduldiges Zuhören und ermutigende, tragende Worte gefragt», sagt Pauli. Diese Tätigkeit sei nicht ausschliesslich belastend, sondern auch herausfordernd, facettenreich. Paulis drittes und kleinstes berufliches Standbein mit 10 Stellenprozenten gilt der Gastrobranche im Aargau. Die Wirtsleute seien zwar kein sorgenfreies Völklein, aber ein spannendes und fröhliches.

Internationaler Treffpunkt

Der Bremgarter Pfarrer möchte Ausländern ein wenig von jener grosszügigen Gastfreundschaft zurückgeben, die er in Nigeria und anderen afrikanischen Ländern, aber auch in Israel und Palästina erlebt hat. Mit Unterstützung der reformierten Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellen lancierte Pauli das Projekt «Internationaler Treffpunkt». Die Idee: Ausländische Bewohner unserer Region, namentlich Flüchtlinge, sollen sich alle drei Monate in christlicher Gemeinschaft in Bremgarten treffen. Nach einem Gottesdienst in der Kirche soll anschliessend im Kirchgemeindehaus auf ungezwungene Art und zu kleinen Snacks die Geselligkeit gepflegt werden. Der erste offizielle Treffpunkt findet am Pfingstsonntag, 12. Juni, um 17 Uhr statt. Einen ermutigenden Testlauf erlebte das Projekt im April. Da trafen sich im Reussstädtchen rund 20 Personen aus sieben Nationen.

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