Wie lange ist die Marathonstrecke? 42,195 Kilometer. Was sagt uns dies? Dass es für den gelungenen Lauf über diese Distanz zweierlei braucht: Ausdauer und Freude. Also erklären wir den Orchesterverein Bremgarten und seinen Dirigenten Hans Zumstein zu Läufern, die es lieben, miteinander einen langen Weg zu gehen. 42 Kilometer oder korrekterweise 42 Jahre gemeinsamen Musizierens haben die beiden Partner noch nicht erreicht, aber immerhin schon 37.

Zwar feiert das rund 40 Mitglieder zählende Amateurensemble erst in zwei Jahren seinen 100. Geburtstag (siehe separaten Text unten), doch einen Grund zum Feiern gibt es immer – vor allem dann, wenn ein so ungewöhnlich besetztes Ensemble wie die Weltmusikgruppe Ilsah aus Muri bei den kommenden Konzerten im März mitwirkt.

Wer sich ins aktuelle Programm vertieft, merkt sofort, dass Orchester und Dirigent einmal mehr befolgen, was Hans Zumstein als «unsere zwei Standbeine» bezeichnet: «Die Präsentation junger Profimusikerinnen und -musiker aus der Region sowie Kompositionen der gemässigten Moderne.»

Zu dieser zählt auch Rolf Liebermann. Bestimmt werden nun bei einigen Erinnerungen wach an die Expo 1964, für die der Schweizer mit «Les Echanges» ein unvergessliches Werk schrieb: eine Sinfonie für 156 Büromaschinen.

Sechs Volkslieder in einer Suite

Im Vergleich dazu mutet Liebermanns Suite über sechs schweizerische Volkslieder geradezu leise, vor allem aber gesanglich an. Hier kommt es zur ersten Zusammenarbeit mit Ilsah. Wie kann man sich diese vorstellen?

«Das Orchester beginnt mit dem ersten Lied. Nachdem wir dieses zu Ende gespielt haben, übernimmt die Gruppe und wandelt das Ganze ab», sagt Hans Zumstein. Und so geht es immer weiter – wie bei einem Stafettenlauf.

Schon wieder ein sportlicher Vergleich. Dabei, tönt Thomas Meyer von Ilsah an, gehe es um das, wovon ein Lied besonders schön Zeugnis ablege: «Im Aargäu sind zwöi Liebi.» Und damit, fügt Meyer verschmitzt hinzu, könnten ja durchaus der Orchesterverein Bremgarten und sein Dirigent Hans Zumstein gemeint sein.

Seit 1980 leitet der Wettinger – Organist und Chorleiter an der Stadtpfarrkirche Baden – das Ensemble; probt mit ihm jeden Montag und stellt in drei (manchmal auch mehr) Konzerten pro Jahr vor, was während Monaten im Zeughaussaal erarbeitet wurde: Werke, die auf die spezifischen Möglichkeiten des Orchestervereins zugeschnitten sind.

Um an das erwähnte Aargauerlied anzuknüpfen: 37 Jahre – eine lange Zeit, «die aber im Nu verflogen ist», sagt Zumstein und winkt bei der Frage nach einem allfälligen Verleider lächelnd ab. Nein, den habe er noch nie bekommen.

Freude, Liebe und Energie

Was hält und spornt den Dirigenten an? «Die enorme Freude, die von Amateurmusikern zurückkommt.» Noch einmal ein Blick auf den Liedtext und seine treffliche Feststellung: «Im Aargäu sind zwöi Liebi, die händ enandere gern.» Aber eine Liebe muss man hegen und pflegen – nicht nur in den Proben und im Konzert.

Deswegen gehen der Orchesterverein und sein Dirigent ab und zu auch auf Reisen; beispielsweise nach Wien, Mailand, Leipzig und London. Dort tanken sie Energie, schliesslich wollen sie für einen weiteren Abschnitt auf der Marathonstrecke gerüstet sein.