Die Zivilschutzorganisationen im Aargau werden weniger: Statt wie bisher 22 Organisationen soll es ab 2020 im Kanton nur noch 11 geben. Die Anpassung erfolgt aufgrund einer Änderung im Bundesgesetz über den Bevölkerungsschutz und den Zivilschutz, die seit dem 1. Januar 2012 gültig ist. Der Kanton Aargau hat seine Zivilschutzverordnung in der Folge mit Wirkung ab 1. Januar 2015 revidiert.

Im Freiamt wird in diesem Herbst als Folge dieser Änderung über eine erste grosse Zivilschutz-Fusion abgestimmt. 22 Gemeinden wollen gemeinsam die neue ZSO Freiamt gründen. Gebildet werden soll sie aus den bisherigen Organisationen ZSO Muri-Boswil und ZSO Oberfreiamt. Dazu gesellen sich die fünf Kellerämter Gemeinden Arni, Islisberg, Jonen, Oberlunkhofen und Unterlunkhofen, die bisher noch der ZSO Mittleres Reusstal angehören. Die involvierten Kommunen werden an den bevorstehenden Gemeindeversammlungen über die Satzungen der neuen Organisation abstimmen, am 1. Januar 2020 soll sie ihren Betrieb aufnehmen.

Projektgruppe gebildet

In Muri hat man das Thema schon 2016 konkret angepackt. «Eine Fusion der beiden Organisationen Muri-Boswil und Oberfreiamt lag auf der Hand. Wir hätten das früher oder später vermutlich auch ohne Druck vom Kanton gemacht», sagt Gemeinderat Heinz Nater. Er steht zusammen mit dem Sinser Gemeinderat Marco Meier der Projektgruppe vor, welche die anstehende Fusion in den vergangenen zwei Jahren vorbereitet hat. In dieser Arbeitsgruppe vertreten sind auch die beiden ZSO-Kommandanten Michael Stocker (Muri-Boswil) und Romuald Brem (Oberfreiamt) sowie mit Herbert Strebel (Muri) und Pius Wiss (Dietwil) auch die Chefs der entsprechenden Regionalen Führungsorgane (RFO).

Das ganze Projekt wurde unkompliziert und speditiv an die Hand genommen und durchgezogen: «Wir haben im Juni 2016 zum ersten Mal getagt und konnten bereits im Mai 2017 die Behörden der involvierten Gemeinden über die geplanten neuen Strukturen informieren», erklärt Heinz Nater. Ziel der Fusion sei von Anfang an gewesen, eine Zivilschutzorganisation aufzubauen, die im Ernstfall ihrer zugedachten Aufgabe effizient gerecht werden könne und die am Ende nicht mehr, sondern eher weniger Kosten verursache.

Dazu, sagt Nater weiter, seien vorerst klare Leistungsaufträge definiert worden: «Wir haben aufgelistet, welche Ereignisse die Zivilschutzorganisation in einem Ernstfall bewältigen muss und dann die Strukturen der Führung und der Administration für die neue Organisation entsprechend angepasst.» Dass dabei Muri die Funktion der Leitgemeinde übernehmen werde, sei von Anfang an klar gewesen: «Wir können mit unserem Leiter Sicherheit eine ideale Schnittstelle in die Verwaltung bieten, das dürfte die Administration der Organisation sicher erleichtern.»

Kellerämter Gemeinden dazu

Erst im Laufe der Planung sind die fünf eingangs erwähnten Kellerämter Gemeinden in das Fusionsprojekt involviert worden. Die Initiative dazu ging von Alaine Maître, Gemeindeammann in Oberlunkhofen und Rolf Roth, Vizeammann in Islisberg aus: «Unsere Gemeinden sind bisher der ZSO Mittleres Reusstal angeschlossen, die neu in die geplante ZSO Aargau Ost überführt werden soll. Diese Organisation wird für einen Raum mit einer Gesamtbevölkerung von rund 130 000 Leuten zuständig sein. Als kleine Gemeinden wären wir da nicht mehr auf Augenhöhe und wir haben sicher auch andere Bedürfnisse als die grossen Gemeinden in dieser Organisation. Deshalb haben wir nach einer passenderen Lösung gesucht», erklären Maître und Roth, die eine entsprechende Arbeitsgruppe im Kelleramt leiten.

In Muri seien sie umgehend auf offene Türen gestossen: «Wir fühlten uns sofort willkommen und die offene und unkomplizierte Art, wie dort geplant worden ist, hat unseren Vorstellungen entsprochen», sagt das Kellerämter Duo. Am 17. Oktober 2017 fand eine erste gemeinsame Sitzung statt und kurz darauf waren sich die Gemeindevertreter einig, in welche ZSO-Richtung sie gehen wollten. Im Juni 2018 wurde in Arni, Islisberg, Jonen, Oberlunkhofen und Unterlunkhofen ein erstes Mal zum Thema abgestimmt. Die Gemeindeversammlungen gaben den Gemeinderäten grünes Licht für die vorsorgliche Kündigung der Verträge mit der ZSO Mittleres Reusstal.

Schlank, effizient, kostengünstig

«Wir sind überzeugt, mit dem Beitritt zur neuen ZSO Freiamt die richtige Lösung für unsere Bevölkerung zu treffen. Diese Organisation ist schlank, effizient und kostengünstig», sagten Alain Maître und Rolf Roth. Wie in den Gemeinden im Raum Muri-Boswil und im Oberfreiamt werden auch die Stimmberechtigten der fünf Kellerämter Kommunen an den bevorstehenden Herbst-Gemeindeversammlungen über den Beitritt in die neue Organisation sowie die entsprechenden Satzungen abstimmen können. Die ZSO Freiamt wird für ein Gebiet mit einer Bevölkerung von rund 40 000 Personen zuständig sein.

Der Personalbestand der ZSO Freiamt wird gegenüber dem heutigen Konzept um rund 12 Prozent reduziert, was die Schlagkraft der neuen ZSO aber laut Nater in keiner Weise schmälern wird. «Sie wird personell und organisatorisch so aufgestellt, dass sie in einem Ernstfall allen ihr zugedachten Aufgaben gewachsen sein wird.» Die Kosten pro Einwohner und Jahr sind auf 17.30 Franken veranschlagt, das ist leicht weniger als bisher. Die bestehenden Anlagen werden in die neue Organisation überführt. Es handelt sich dabei um die Kombi-Anlagen (Kommando- und Bereitstellungsanlagen) in Boswil und Sins sowie um die Bereitstellungsanlagen in Muri, Dietwil und Oberlunkhofen.