Sein Händedruck ist kräftig, sein Lächeln einladend, der Blick in die Augen seines Gegenübers direkt und offen. Ohne lange Umschweife kommt er zur Sache: «Mein erster Eindruck, den ich von der Kanti Wohlen hatte, war der einer intakten, funktionierenden Schule. Heute, nach gut einem Jahr hier als Rektor, kann ich sagen, dass mich mein erster Eindruck nicht getäuscht hat.»

Von seinem Vorgänger, Franz Widmer, hat Angst ein eigentliches Schul-KMU übernommen, das unter Widmers Rektorat auf eine stattliche Grösse angewachsen war. «Es arbeiten 1000 Menschen in diesem Haus. 850 davon sind Schüler. 150 sind Mitarbeiter. Das sind gerundete Zahlen, aber so lässt sich die Grösse dieses KMU gut fassen. Die Schule verfügt über ein Globalbudget von rund 15 Millionen Franken.»

Womit schon klar wäre, dass die Wohler Kanti doch ein eher grösseres mittleres Unternehmen ist, gemäss KMU-Definition. Die Leitung dieses Unternehmens ist aber auch nicht ganz mit derjenigen eines Wirtschaftsbetriebs vergleichbar. «Hier ist der menschliche Faktor ganz wesentlich», sagt Angst.

Darum hat er als erste Amtshandlung mit den meisten Mitarbeitenden einen einstündigen Spaziergang gemacht. Es ging ihm darum, die Menschen kennen zu lernen und auch selber als Person hinter der Position fassbar zu werden.

Hohes Ziel: Begabtenförderung

Ein weiteres Zeichen für seinen Führungsstil sind die offenen Türen in der Schulleitung. Angst, seine drei Prorektoren und das Schulsekretariat sind immer zugänglich für Fragen und Anregungen von aussen.

Auf diesen Austausch legt der 37-jährige Jurist mit Anwaltspatent grossen Wert: «Ich leite wohl das Unternehmen mit den meisten hochqualifizierten Akademikern im Freiamt. Das sind kritische, selbstdenkende Menschen. Die Zusammenarbeit muss da unbedingt auf einem konstruktiven Dialog beruhen.»

Als professioneller Schulleiter ist Angst auch der Repräsentant der Wohler Kanti in der Aargauer Rektorenkonferenz sowie gegenüber den Erziehungsberechtigten einerseits und dem Kanton als Auftraggeber andererseits. Diese «Sandwichposition» ist für ihn eine Herausforderung, die er gesucht hat und die ihm Spass macht.

Dass die Kanti Wohlen allenfalls irgendwelchen Sparbemühungen des Kantons zum Opfer fallen könnte, verneint Angst mit Überzeugung: «Die Wahl des Gymnasiums, das man besuchen will, ist ja frei. Wenn unser Angebot nicht stimmen würde, könnten die Schüler in eine der anderen fünf Kantonsschulen im Aargau ausweichen.» Eine zentralistische Lösung erachtet Angst als nicht realisierbar in diesem Kanton, der geprägt ist durch seine Diversität.

«Unser Vorteil ist unter anderem die Randlage. Unsere Schüler verbringen dadurch viel Zeit in der Schule und sind weniger abgelenkt vom Drumherum. Obwohl die Infrastruktur von Wohlen durchaus die einer Stadt ist.»

Ein weiteres Wachstum «seiner» Schule ist nicht Angsts primäres Ziel, aber die Umwandlung des provisorischen Atriums in ein definitives Schulgebäude, das zum Gesamtbau passt, gefiele ihm schon sehr.

Ausserdem will er mit der gezielten Begabtenförderung (siehe: www.kanti-wohlen/gymnasium) die gute Positionierung der Kanti in der Bildungslandschaft des Kantons und der Schweiz noch bekräftigen.