Dottikon
Der neue höchste Aargauer Turner hat ehrgeizige Ziele

Jörg Sennrich ist ab Januar der neue Präsident des Aargauer Turnverbands - und hat Grosses vor. Den Turnsport an sich will er nicht ändern, sondern: «Wir müssen wieder zeigen, was wir eigentlich tun und wer wir sind.»

Fabio Vonarburg
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Jörg Sennrich im Turnzentrum in Niederlenz. Der Freiämter ist ab Januar 2016 neuer Präsident des Aargauer Turnverbands und hat Grosses vor.

Jörg Sennrich im Turnzentrum in Niederlenz. Der Freiämter ist ab Januar 2016 neuer Präsident des Aargauer Turnverbands und hat Grosses vor.

Fabio Vonarburg

Dieser Artikel bot sich förmlich an: ein Porträt über den künftigen Präsidenten des Aargauer Turnverbands (ATV), über den Freiämter Jörg Sennrich. Er bat bereits beim telefonischen Vorgespräch: «Bitte kein Artikel im Sinne von: Er hat so viele Kinder, pflegt dieses und jenes Hobby. Ich möchte lieber über meine Ziele sprechen, über die Zukunft des Aargauer Turnverbandes.»

Na dann, Herr Sennrich, wo sehen Sie den Verband in fünf Jahren, am Ende Ihrer ersten Amtsperiode? «Ich kann vieles, aber nicht hellsehen», antwortet Sennrich, «doch ich habe eine Vorstellung. 2021 sehe ich einen Verband, der stark ist, einen Verband, der gewachsen ist.»

Es ist offensichtlich: Sennrich hat mit dem ATV Grosses vor. In fünf Jahren sollen dem Verband 50 000 Mitglieder angehören – 8000 mehr als heute. Ein Ziel, das er an der Delegiertenversammlung Mitte November verkündete, kurz nach der Wahl zum Präsidenten.

Im Hinblick auf den gegenteiligen Trend eine mutige Aussage. «Wenn es letztlich nur 48 000 sind, bin ich auch zufrieden. Es ging mir darum, einen Vorwärtsdrang auszulösen. Wir wollen lieber etwas tun als jammern.» Sennrich bezeichnet sich selbst als Treiber, der manchmal auch gebremst werden müsse.

Sennrich bricht sein Wort

Im Januar tritt der bisherige Leiter der Abteilung Kommunikation und Sponsoring ATV sein neues Amt und die Nachfolge von Christian Menzi an, der ihn vor neun Jahren zum ATV lockte. «Wir haben damals abgemacht: Wir kommen miteinander und gehen miteinander. Jetzt breche ich mein Wort.» Doch für Sennrich ist die Arbeit im jungen Verband, der erst 2001 gegründet wurde, noch nicht abgeschlossen. «Wir haben eine gute Grundlage gelegt. Jetzt bin ich motiviert noch einen Schritt weiter zu gehen.»

Was muss sich im Turnsport ändern, um wieder mehr Sportler in die Turnhalle zu locken? «Man muss den Turnsport nicht ändern», antwortet er, «sondern wir müssen wieder zeigen, was wir eigentlich tun und wer wir sind. Die Tennisspieler und Fussballer sieht man draussen trainieren, wir Turner sind meist versteckt in einer Turnhalle.»

Das Eidgenössische Turnfest 2019 in Aarau bezeichnet er als Riesenchance, um den Aargauer Turnsport wieder bekannt zu machen. «Alle Medien werden auf uns blicken, vom Lokalblatt bis zu den nationalen Zeitungen. Diese Präsenz müssen wir nutzen.» Künftig will er aber noch mehr auf digitale Medien setzen. So gibt es 2017 am kantonalen Turnfest in Muri zum ersten Mal keinen gewöhnlichen Festführer, sondern eine App. «Damit kann sich jeder seinen eigenen Festführer zusammenstellen. Mit Inhalten, die ihn interessieren.»

Turnfest in der Heimat

Für Jörg Sennrich ist es «eine pure Freude», dass 2017 das kantonale Turnfest ausgerechnet im Freiamt stattfindet. «Es wird sich anfühlen wie zu Hause, nein, es ist zu Hause», sagt der 42-Jährige. «Ich ging in Muri an die Bez und war noch ein Klosterschüler. Zudem sind Wettkämpfe auf jener Tartanbahn, die ich früher viele Male verflucht habe.»

Der gebürtige Merenschwander ist in den letzten Jahren zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Einerseits zog er nach Dottikon, zurück ins Freiamt, das er als 17-Jähriger aus beruflichen Gründen verliess, und er entdeckte den Turnsport wieder neu für sich. Doch nicht als Sportler, sondern als Organisator. «Mein Turnerherz hörte nie auf zu schlagen, auch nicht, als ich keinem Verein angehörte.» Beruflich ist Jörg Sennrich Geschäftsführer von KMU Next – eine Beratungsfirma für Unternehmer im Nachfolgeprozess.

Herr Sennrich, kann man den ATV mit einem KMU vergleichen? «Der ATV hat 12 festangestellte Mitarbeiter, rund 150 Milizfunktionäre und ein Budget von 3 Millionen Franken», antwortet er. «Wir sind ein kleines Unternehmen, und dessen müssen wir uns bewusst sein.» In der Freizeit eine solche Organisation zu führen, braucht Zeit und Kraft. Der abtretende Präsident Christian Menzi sagte in einem Interview, er habe in den letzten neun Jahren vor allem seine Hängematte vermisst. Auch der neue Präsident ist sich bewusst: «Das Amt heisst verzichten, es heisst zurückstecken.»

Jetzt trotzdem noch kurz privat: Haben Sie Kinder? «Ja, eine Tochter.» Wie alt ist sie? «7 Jahre alt.» Er lacht und fragt: «Wollen Sie das Alter meiner Frau auch noch wissen?»