Muri
Der neue Heimleiter ist ein Einheimischer

Der Stiftungsrat des Alterswohnheims St. Martin in Muri wählte Josef Villiger aus Beinwil zum neuen Heimleiter. Er wird seine Stelle am 1. Oktober übernehmen.

Eddy Schambron
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Der neu gewählte Heimleiter Josef Villiger (Mitte) mit dem Präsidenten des Stiftungsrates Alterswohnheim St. Martin, André Stierli, und der Vizepräsidentin Yvonne Leuppi.

Der neu gewählte Heimleiter Josef Villiger (Mitte) mit dem Präsidenten des Stiftungsrates Alterswohnheim St. Martin, André Stierli, und der Vizepräsidentin Yvonne Leuppi.

Eddy Schambron

«Unter den 60 Bewerbungen hatte es sehr starke Persönlichkeiten», erklärte gestern Stiftungsratspräsident André Stierli. «Mit Josef Villiger konnten wir eine fachlich und persönlich hervorragend qualifizierte Person zum neuen Leiter des Alterswohnheims St. Martin wählen.» Er sei in Muri und im Freiamt zudem aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit bestens vernetzt. Villiger wird seine neue Tätigkeit am 1. Oktober aufnehmen.

Josef Villiger: vom Bäcker zum Fachrichter

Der 52-jährige Josef Villiger lernte zuerst Bäcker-Konditor, absolvierte dann die Polizeischule in Aarau und die Handelsschule in Zürich. Er schloss die vierjährige Höhere Fachschule für Sozialarbeit erfolgreich ab und besuchte den Nachdiplomkurs im Vormundschaftsrecht. Es folgten Weiterbildungen im Sozial- und Gesundheitsbereich mit dem Abschluss als Master of Advanced Studies in Social Services and Healthcare Management sowie die Ausbildung im Kinder- und Erwachsenenschutzrecht, beide an der Fachhochschule Luzern. Er leitete die Amtsvormundschaft des Bezirks Muri sowie die Sozialen Dienste in der Gemeinde Muri. Nach seiner Tätigkeit als Fachrichter am Familiengericht in Bremgarten ist er bis heute Fachrichter am Familiengericht in Muri und Projektleiter der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde des Bezirks Lenzburg.

Villiger ist in Beinwil aufgewachsen und lebt auch heute dort. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. «Ich habe bei all meinen Tätigkeiten mit den Grundsteinen Respekt und Ehrlichkeit zu einer soliden Vertrauensbildung beitragen können», sagt Villiger mit Blick auf seinen beruflichen Werdegang. (es)

«Der Job passt, ich freue mich auf die Kontakte mit den Bewohnerinnen und Bewohnern und mit dem Personal», stellt Villiger selbst zu seinem bevorstehenden beruflichen Wechsel fest. Er betritt zwar ein für ihn teilweise neues Arbeitsfeld, aber für ihn ist klar, dass er sich die fachliche Basis als Heimleiter aneignen wird. Parallel zu seinem Stellenantritt am 1. Oktober wird er allenfalls noch notwendige Module zum Diplomabschluss als Heimleiter absolvieren. «In persönlicher Hinsicht habe ich keine Bedenken, weil ich es aus meinem beruflichen und persönlichen Werdegang gewohnt bin, mit älteren Menschen respektvoll und wertschätzend umzugehen», meint Villiger zu seiner neuen Herausforderung.

Viel Führungserfahrung

Mit Villiger habe man eine ausgewiesene und umsetzungsstarke Führungspersönlichkeit gefunden, ist der Stiftungsrat überzeugt. Vor etwas mehr als 20 Jahren konnte der neue Heimleiter die ersten Erfahrungen in Team- und Projektleitungen sowie in der Führung von Abteilungen in Organisationen sammeln. «Unsere Vorstellungen über die Führung des Heimes decken sich mit denjenigen von Villiger», erklärte Stierli. Genau damit hatte es mit Villigers Vorgänger Daniel Berton gehapert, der das Heim nach fünf Jahren Anfang Mai verlassen hat. Der neu gewählte Heimleiter habe sich mit seiner Führungsausbildung und -erfahrung, seinen hohen sozialen Kompetenzen sowie seinen Managerqualitäten auch ohne Heimleiterdiplom unter vielen starken Bewerbungen durchgesetzt.

Heim mit 50 Zimmern

Das Alterswohnheim verfügt über 50 Einzelzimmer mit eigener Dusche und WC, die individuell möbliert werden können. Die meisten haben zudem einen Balkon. Nur wenige Schritte vom Alterswohnheim entfernt steht ein eigener Gebäudekomplex mit 18 Alterswohnungen. Einerseits können die Mieter vom Dienstleistungsangebot des Alterswohnheims Gebrauch machen (Wäsche, Mahlzeiten, Pflege bei kurzzeitiger Krankheit), andererseits ihr Leben individuell gestalten wie in jeder anderen Mietwohnung. Das heutige Alterswohnheim St. Martin konnte 1992 bezogen werden; die Gemeinde Muri hatte aber bereits früh ein Bürgerheim eröffnet.

Im Singisenflügel, der ehemaligen Armenanstalt, wurde 1900 das Armenhaus eingerichtet, woraus später das Altersheim St . Martin entstand. Bereits 1901 übernahmen die Schwestern von Baldegg ihren Dienst in Pflege und Leitung des Heims. Nachdem sich ab 1936 immer mehr zahlende Einwohner im Armenhaus niederliessen, wurde es in «Bürgerheim» umbenannt. 1967 erfolgte eine Renovierung des Gebäudes, es wurden jedoch nur die allernötigsten Sanierungen vorgenommen. 1985 schliesslich sprach die Einwohnergemeindeversammlung einen Projektierungskredit für den Neubau eines Alterswohnheims auf der gegenüberliegenden Seite der Marktstrasse. 1987 wurde der Baukredit über 15,7 Millionen Franken bewilligt und 1989 begannen schliesslich die Bauarbeiten. 1992 konnte das neue, moderne Alterswohnheim bezogen werden.

1994 wurde die Trägerschaft in die Stiftung St. Martin umgewandelt. 1998 verliessen die drei letzten Baldegger Schwestern die Gemeinde Muri . Nachdem sie 97 Jahre lang für das Wohl der Allgemeinheit gesorgt hatten, übergaben sie die Führung des St. Martin endgültig an Jakob Strebel, der diese Position 18 Jahre lang, bis 2010, innehatte. Er wurde von Daniel Berton abgelöst, dem nun Josef Villiger folgt.

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