Peter Hochuli
Der neue Gemeindeammann von Unterlunkhofen: «Ich bin kein Fan von Fusionen»

Peter Hochuli ist als neuer Gemeindeammann ein echter Quereinsteiger.

Christian Breitschmid
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Eines der schönsten Komplimente, das er je erhalten habe, stamme von der Mutter eines seiner Schüler: «Sie sind gar kein typischer Lehrer.» Peter Hochuli lächelt spitzbübisch, als er diese Anekdote erzählt, denn gerade noch hat er von seinem Beruf geschwärmt: «Ich bin immer noch mit Herzblut Lehrer.» Daneben ist er aber auch Reiseleiter, Kommunikationsberater, Autor, Regisseur, Klosterführer in Muri und Vorstandsmitglied der Vereinigung Freunde der Klosterkirche Muri sowie der Volkshochschule Region Bremgarten. All diese Beschäftigungen und Interessen führen wohl dazu, dass er auch Ziele ausserhalb des Lehrplans verfolgt und ein Mensch ist, der nicht nur einfach Wissen vermittelt, sondern die Freude am Dazulernen vorlebt.

Benedikt von Nursia als Vorbild

Wie erfolgreich der 56-Jährige in seinem Beruf ist, zeigt die Reaktion einer Schülerin, als sie erfahren hat, dass Hochuli zum Gemeindeammann gewählt wurde: «Was heisst das für uns, wenn Sie Ammann werden? Geben Sie uns dann ab?» Nein, habe er gesagt, da müsse sie sich keine Sorgen machen. «Schule ist Beziehung», sagt der Deutsch-, Geschichts-, Geografie- und Französischlehrer an der Bezirksschule Muri. Beziehungsarbeit und Kommunikationsfähigkeit sind die Stärken, die Hochuli auch als Gemeindeammann ausspielen will. «Als Führer im Kloster Muri habe ich mich eingehend mit den Regeln des heiligen Benedikt auseinandergesetzt. Und mit welchem Wort beginnt das Buch? ‹Höre ...!› Das habe ich mir zum Vorbild genommen im Umgang mit Menschen und in der Kommunikation: immer zuerst zuhören.»

Als er im Februar vom Gemeinderat angefragt worden sei, ob er sich zur Wahl als Gemeindeammann stellen würde, da habe er sich zuerst Bedenkzeit ausbedungen. «Im Juni habe ich dann zugesagt. Ich traf meine Entscheidung aus Überzeugung und aus Dankbarkeit für den Staat und die Generation, die mir meine Ausbildung und all das ermöglicht haben. Jetzt kann ich etwas zurückgeben.» Dass er dafür bei seinen anderen Aufgaben kürzertreten muss, ist ihm bewusst: «Ich werde als Präsident der Volkshochschule Region Bremgarten zurücktreten und auch mein Engagement in der Vereinigung Freunde der Klosterkirche Muri reduzieren.»

Diplomatische Herausforderung

Den politischen Quereinsteiger reizt vor allem der kommunikative Aspekt des Ammannamtes. Zuerst gehe es um Zuhören und Verstehen, dann um das gemeinsame Einstehen für die Sache als Kollegium, meint Hochuli. «Ich trage hier ja nicht alleine alle Lasten. Die werden zum Glück auf zehn Schultern verteilt.» Von welchen Lasten er spricht, das weiss er noch nicht genau, denn die Ressorts und Zuständigkeiten werden erst noch verteilt.

Aber die erste diplomatische Herausforderung sieht er bereits auf sich zukommen: «Die Sanierung der Kantonsstrasse, das wird viel zu diskutieren geben», sagt der Parteilose. Er erwähnt in diesem Zusammenhang die Verlegung der Businseln und Fussgängerquerungen sowie mögliche Landenteignungen entlang der Zugerstrasse. «Als Gemeindeammann sehe ich mich in der Rolle des Aussenministers der Gemeinde», erklärt Hochuli, der mit seiner Frau Susanne mitten im Dorf lebt, in der Überbauung «im Rigelhuus».

Seine Aufgabe sei es, den Menschen in Unterlunkhofen aber auch den Nachbarsgemeinden Hand zu bieten. «Ich bin kein Fan von Fusionen, aber die regionale Zusammenarbeit, die ist wichtig», sagt Hochuli. Als Neuling auf dem politischen Parkett habe er einen Vorteil, meint der liberal Denkende weiter: Er bringe die Sicht von aussen ein und dürfe es sich auch mal erlauben, eine kritische Frage zu stellen.

Sein Motiv laute dabei: «Ich habe keine Lust, mich professionell zu ärgern.» Das habe er als Schulleiter erlebt und darum das Amt wieder niedergelegt. Er erwarte als Gemeindeammann ein Mittun der Bevölkerung, einen aktiven Diskurs und die gemeinsame Suche nach Lösungen. So könne die hohe Lebensqualität in Unterlunkhofen bewahrt und gefördert werden.

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