«Kürzlich habe ich eine Sitzung geleitet, an der ein Berner dabei war. Da bin ich unweigerlich ins ‹Bärndütsche› verfallen», schmunzelt Hans Peter Flückiger. Der neu gewählte Gemeindeammann von Fischbach-Göslikon – er wird sein Amt am 1. Januar antreten – beherrscht den Freiämter Dialekt perfekt, seine Wurzeln kann und will er aber nicht verleugnen.

Aufgewachsen ist er in Brugg. Dorthin sind seine Eltern aus dem Emmental ausgewandert. Studiert hat er in Bern – Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Dann arbeitete er als Assistent von Professor Erich Gruner, dem ersten Inhaber des Lehrstuhls für politische Wissenschaften an der Uni Bern. «Während meiner Studienzeit habe ich verschiedene Jobs gemacht. Unter anderem war ich Briefträger, arbeitete auf dem Bau, lieferte und montierte Möbel. Gewohnt habe ich in einer WG. Ich denke, das hat mit dazu beigetragen, dass ich meine Bodenhaftung nie verlor.»

«Eine Herzensangelegenheit ist die Realisierung des Fussgängersteges Künten-Fischbach-Göslikon»

«Eine Herzensangelegenheit ist die Realisierung des Fussgängersteges Künten-Fischbach-Göslikon»

Kurzinterview mit Hans Peter Flückiger, dem neuen Gemeindeammann von Fischbach-Göslikon.

Davon profitiert haben unzählige Schülerinnen und Schüler an der Bezirksschule in Bremgarten. Dort hat Hans Peter Flückiger Deutsch, Geschichte und Geografie unterrichtet. Die Ausbildung zum Bezirkslehrer holte er nach, berufsbegleitend, als er bereits im Freiamt tätig war, in Teilpensen an der Bez Bremgarten und an der Berufsschule in Wohlen. «Ich hätte mir früher nie vorstellen können, einmal Lehrer zu werden. Und dann habe ich diesen Beruf 35 Jahre mit Leidenschaft ausgeübt.»

Früher sehr gesellschaftskritisch

Das politische Interesse ist bei ihm nicht erst an der Uni Bern erwacht: «Mein Vater war bei der FDP und in Brugg Einwohnerrat der ersten Stunde. Er hatte als Liberaler stets eine eigene Meinung, ein ‹Frei-Sinniger›, der sich nicht, wie heute oft üblich, vorwiegend an der Haltung seiner Partei orientierte.

Auch Hans Peter Flückiger war politisch eigenständig: «Ich war auf einer anderen Linie, wohl auch geprägt durch die Haltung meiner Kollegen in den Wohngemeinschaften.» Vielleicht auch durch seine Abschlussarbeit an der Uni Bern: «Ich habe das Thema ‹Die politischen Abläufe beim Bau eines Atomkraftwerks am Beispiel Leibstadt› erhalten und mich intensiv mit der Materie befassen müssen. Da habe ich realisiert: Es gibt auch die andere Seite.»

Gegen AKWs ist er heute noch, sonst aber konservativer geworden. «Wertkonservativ» betont er: «Ich lege Wert auf gewisse Regeln. Ich mag es nicht, wenn jemand an einer Sitzung das Handy vor sich hat und dauernd auf das Display guckt. Und wenn meine Frau und ich unsere Enkel hüten, dann wird gemeinsam am Tisch gegessen und nicht individuell im Zimmer oder vor dem Fernseher.»

Bei Abstimmungen entscheidet er sachlich: «Es gibt Themen, da übernehme ich die Meinung der SP, der ich mich einst verbunden fühlte. Es gibt andere Vorlagen, bei denen ich durchaus auch einmal die Haltung der SVP übernehmen kann. Auf einer reinen Parteilinie könnte ich wohl nie politisieren.»

Nicht Bremgarten, sondern Fi-Gö

Hans Peter Flückiger wohnte mit seiner Familie mit drei Kindern vorerst in Bremgarten. «In einem Altstadthaus, in dem ich mich wirklich wohl fühlte», blickt er zurück. «In Bremgarten gab es Ende der 80er-Jahre nichts zu kaufen, was unseren Vorstellungen eines Eigenheims entsprochen hätte, so sind wir in Fischbach-Göslikon gelandet, in der Überbauung Lohren, direkt unterhalb des Schulhauses. Es ist uns wohl hier, bis heute», erzählt er.

Und wie schon beim Lehrer hätte sich der heute 67-Jährige nicht vorstellen können, hier einmal Gemeinderat zu werden: «Mein Kontakt zur Dorfbevölkerung hielt sich anfänglich in Grenzen. Ich blieb im Schwimmclub Bremgarten engagiert. Wegen dem Schwimmen war ich ja einst auch ins Freiamt gekommen und habe in Bremgarten geholfen, den Verein aufzubauen. Später war ich Trainer, bis ich wegen der Familie etwas zurückschrauben musste. Als Schiedsrichter war ich aber bis vor wenigen Jahren an Schwimmwettbewerben weltweit unterwegs, unter anderem an Europameisterschaften und Juniorenweltmeisterschaften.»

Nervös vor der ersten Wahl

Im Herbst 2010 war eine Ersatzwahl in den Gemeinderat Fischbach-Göslikon angesagt. Hans Peter Flückiger entschloss sich, aus eigenem Antrieb zu kandidieren. «Es gab eine Kampfwahl und ich war sehr nervös, weit mehr, als dieses Jahr vor der Wahl zum Gemeindeammann.» Er wurde gewählt, hat sich reingekniet und hat Freude am Amt: «Ich war überrascht, wie vielfältig die Aufgaben sind, die man auch in einer kleinen Gemeinde angehen muss. Wichtig für mich war es am Anfang, mich vertieft mit der Materie zu befassen.»

Das Team im Gemeinderat stimmt für Flückiger: «Ich habe vor allem von Gemeindeammann Walter Stierli viel gelernt. Er hat das politische Gespür, das es für ein solches Amt braucht, und er macht in meiner Wahrnehmung als SVP-Politiker nicht Parteipolitik, sondern Sachpolitik für das Dorf. Genau so, wie auch ich finde, dass es richtig ist.»

Walter Stierli war es dann auch, der Hans Peter Flückiger als seinen potenziellen Nachfolger ins Spiel gebracht hat. «Ich habe mir die Sache reiflich überlegt und mich schliesslich zur Kandidatur entschlossen. Es freut mich, dass ich so gut gewählt worden bin, dafür möchte ich der Bevölkerung danken».

Der neue Gemeindeammann will keineswegs das ganz Dorf auf den Kopf stellen: «Es gibt vieles, das im Fluss ist und das wir im bisherigen Sinn weiter verfolgen werden. Etwa die Revision der Nutzungsplanung, die Schulraumplanung, die Umsetzung des kommunalen Gesamtplans Verkehr, das Thema ‹Grien› oder die Idee eines Fussgängersteges über die Reuss nach Künten.»

Am Herzen liegt ihm die Kommunikation: «Ich möchte versuchen, die Leute vermehrt für die Kommunalpolitik zu interessieren. Allenfalls mit einem bis zwei Anlässen ausserhalb der Gemeindeversammlung, an denen diskutiert wird, was das Dorf bewegt, und wo der Gemeinderat darüber informiert, was gerade läuft.»

«Ich mache sicher vieles gleich oder ähnlich wie Walter Stierli. Anderes werde ich anders machen», sagt Hans Peter Flückiger und fügt bei: «Wichtig ist, dass man als Politiker authentisch bleibt und nicht versucht, jemanden zu kopieren.»