Muri
Der Murianer Grittibänz kann jetzt auch heiraten

Der Grittibänz ist jetzt auch weiblich, zumindest in der Murianer Bäckerei von Burkard Kreyenbühl. Das ist nicht nur eine kommerzielle Idee: Der Bäcker hat herausgefunden, dass es schon früher «Gritti-Frauen» gab.

Eddy Schambron
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Buki und Regula Kreyenbühl mit Bäckerin Fabienne Fischer (M.) und ihren Grittibänzen.

Buki und Regula Kreyenbühl mit Bäckerin Fabienne Fischer (M.) und ihren Grittibänzen.

Eddy Schambron

Für die meisten ist klar: Der Grittibänz ist ein Kerl. Aber im Bezirkshauptort Muri kann er jetzt auch eine Frau finden. Bäckermeister Burkard Kreyenbühl jedenfalls bietet nicht nur Männer an, sondern auch Frauen aus diesem Hefegebäck – und das mit gutem Grund, wie er selber recherchiert hat. Das älteste Zeugnis von einem weiblichen Grittibänz geht auf das Jahr 1546 zurück: In einem Nikolausspruch des Zürcher Reformators Heinrich Bullinger heisst es: «Der Felix nehm zen ersten s’Horn, das Frowli esse er erst morn.» Der Gebäckforscher Max Währen präzisiert in einem Artikel von 1991, das «Frowli» sei ein weiblicher Grittibänz. «Offenbar waren Grittibänzen in Frauengestalt lange Zeit nicht so selten wie heute», stellt Kreyenbühl fest.

Eine ganze Familie

Daran hat er jetzt angeknüpft und backt auch Frauen, inzwischen sogar sozusagen eine ganze Familie: Das ist Vreneli, die Süsse. Oder Maieli, das Nesthäkchen. Nicht zu vergessen Heidi, die Schönste, mit Schokolade und Cranberries oder Francine, die Strahlende, mit einem Überzug aus Milchschokolade. Sie warten neben Hansli, dem Pfeifenraucher, Köbi, dem «Fätze», Ueli, dem Bodenständigen, gefüllt mit Schinken oder Salami, Aloisius, dem Bayern, weil er aus Laugen-Brezel-Teig besteht, und dem Scharfen Max mit Speck auf ihren Verzehr. Dass die Grittibänzen bei Kreyenbühl schon früher Namen trugen, hat übrigens rein praktische Gründe. «Das ist für uns und für die Kunden ein Vorteil, man verlangt zum Beispiel nach Ueli, und in der Bäckerei wissen sie, was im Laden erwartet wird.»

Die Ausweitung der Grittibänzfamilie erfolgt natürlich nicht aus Freude an schönen Namen, sondern aus kommerziellen Überlegungen und aus dem unternehmerischen Ehrgeiz heraus, sich von Mitbewerbern zu unterscheiden. «Ich weiss jedenfalls keinen anderen Bäcker, der so verschiedene Grittibänzen anbietet.» Und so kommen jetzt eben auch knusprige Gritti-Frauen aus der Backstube. Sie haben grundsätzlich die gleichen Gene wie die männlichen Mitglieder dieser Gesellschaft: Weizenmehl, Milch, Butter, Eier, Zucker, Salz und Hefe. Aber sie sind trotzdem anders als die Männer, süsser und hübscher sowieso – wie im richtigen Leben halt.