Die Stille wurde nur vom Zwitschern der Vögel und dem Summen der Bienen unterbrochen. Forstwart Adolf Geissmann war im Hägglinger Wald beschäftigt, nahe der Wohler Grenze. «Auf einmal vernahm ich ganz in meiner Nähe ein Rascheln. Dann war es wieder ruhig. Plötzlich war das Geräusch erneut da. Ich machte ein paar Schritte hinter die nahen Büsche – und stand vor einem grossen, gefleckten Muni. Wir zuckten beide zusammen, weil wir ob der unverhofften Begegnung erschraken. Das Tier blieb aber stehen und schaute mich bloss an. Wie sich später herausstellte, wurde bereits nach ihm gesucht. Der Muni war in einer Metzgerei in Wohlen ausgebüxt und in den Wald gelaufen. Bald darauf konnte er eingefangen werden.»

Diese Begegnung schildert Adolf Geissmann am Tisch in der gemütlichen Stube seines Hauses in Hägglingen. Das Erlebnis liegt schon viele Jahre zurück. Damals war er noch als Forstwart bei der Ortsbürgergemeinde angestellt. Inzwischen ist er beim Hägglinger Bauamt tätig und konnte dieser Tage sein 40-Jahr-Jubiläum im Dienste der Gemeinde feiern.

Forstwart während 32 Jahren

«Ich habe schon meine dreijährige Lehre beim Forstbetrieb Hägglingen absolviert. 1977 hat mich Marcel Geissmann, der damalige Gemeindeammann, als Forstwart eingestellt», erinnert er sich. Diese Tätigkeit übte Adolf Geissmann während 32 Jahren aus – bis zur Auflösung des Forstbetriebs Hägglingen, der seit 2009, zusammen mit Bremgarten, Dottikon, Waltenschwil und Wohlen, den Forstbetrieb Wagenrain bildet.

Der Forstwart hatte das Glück, dass beim Bauamt Hägglingen zu jener Zeit gerade jemand gesucht wurde. So wechselte er vom Wald in den Werkhof und wurde Angestellter der Einwohnergemeinde. «Mir fiel die Umstellung nicht schwer, da ich schon während meiner Forstwarttätigkeit ab und zu beim Bauamt aushelfen durfte», sagt Adolf Geissmann, der auf eine ereignisreiche Zeit während seiner Waldarbeit zurückblicken kann: «Ich habe 1990 ‹Vivian› und 1999 ‹Lothar› erlebt. Beide Stürme haben im Forst der Ortsbürgergemeinde Hägglingen sehr grosse Schäden angerichtet. Ebenfalls in meine Forstwartzeit fiel die Einführung des Fahrverbots im Wald. Schliesslich hat sich auch die Ausrüstung der im Wald Beschäftigten im Laufe der Jahre stets verbessert: Sicherheitshosen wurden eingeführt, Gehörschutz und Spezialhelm kamen hinzu.»

Obschon der Jubilar seit dem 1. Januar 2009 beim Bauamt arbeitet, «das im schönen Werkhof, der 2007 eingeweiht wurde, untergebracht ist», wie er betont, hat er den Kontakt zum Wald nie verloren. Er ist Hägglinger Ortsbürger und Privatwaldbesitzer. Das Brennholz verwendet er selber und das Nutzholz verkauft er.

Schneepflügen und Rasenmähen

Der Bauamtsangestellte Adolf Geissmann bildet, zusammen mit Bauamtschef Adolf Nauer, das starke Team im Werkhof Hägglingen. Der Jubilar ist gewandt im Umgang mit den zur Verfügung stehenden Fahrzeugen, den zahlreichen Maschinen und dem verschiedenen Werkzeug. «Die anfallenden Arbeiten verrichte ich gerne. Dazu zählen unter anderem der Winterdienst mit dem Schneepflug, der Strassenunterhalt, Arbeiten auf dem Friedhof, das Leeren der auf dem Gemeindegebiet aufgestellten Abfallbehälter und das wöchentliche Mähen der drei Rasenplätze des Fussballclubs.»

Ein besonderes Ereignis in der Agenda des Hägglinger Bauamts ist jedes Jahr das Splitten von Gemeindestrassen, das rund eine Woche dauert und auf das sich Adolf Geissmann stets freut. «Das machen wir mit unserer alten Teermaschine. Ich spritze mit der Lanze Bitumen auf die Strasse und Adolf Nauer wirft darauf von Hand den Splitt aus. Er macht das mit grosser Präzision und sehr gleichmässig. Wir benötigen zum Splitten jeweils 10 bis 15 Fässer Bitumen», beschreibt der Jubilar diese Arbeit. «Und wenn er dann am Abend nach Hause kommt, ist er von oben bis unten schwarz», ergänzt seine Frau Monika schmunzelnd.

«Mit Hägglingen verbunden»

Seine Arbeit beim Bauamt schätzt Adolf Geissmann sehr. «Ich bin stark mit Hägglingen verbunden, bin nie von da weggezogen, kenne das Dorfleben und war seit je bei der Gemeinde angestellt.» Er hat mit allen Leuten in seinem Umfeld ein gutes Einvernehmen und schätzt den Kontakt zur Bevölkerung. «Ich bin gerne draussen, auch abends, nach getaner Arbeit. Wir wohnen in meinem Elternhaus mit einem Umschwung von 24 Aren, da gibt es immer etwas zu tun. Das ist ein schöner Ausgleich zum Beruf», sagt er. Und dass ihm dort ein Muni begegnet, ist ziemlich unwahrscheinlich – lediglich die Katze leistet ihm Gesellschaft.