Natur

Der milde Winter stört die innere Uhr der Amphibien – auch im Aargau

Viele Kröten und Frösche machen sich wegen des milden Winters frühzeitig auf die Wanderung zu den Laichgewässern.

Die ungewöhnlich milden Temperaturen der letzten Wochen mögen für viele wärmeliebenden Menschen erfreulich sein. Doch das warme Wetter gepaart mit gelegentlichen Regenschauern ist nicht für alle eine Wohltat. Für die Amphibien endet es unter Umständen sogar tödlich.

Bei Temperaturen ab fünf Grad aufwärts und regnerischem Wetter beginnen die Kröten, Grasfrösche oder Molche vermeintlich den verfrühten Frühling zu spüren. Das ist verhängnisvoll. Sie werden aus ihren kältesicheren Winterquartieren in Wäldern gelockt und beginnen ihre Wanderung zu den Laichgewässern. Schlägt dann wieder eine Kältewelle zu, droht den Amphibien der Tod.

Dieses Jahr sind die Tiere besonders früh unterwegs – auch im Freiamt. Die Gemeinde Eggenwil sperrt bereits seit dem vergangenen Freitag nachts zwischen 19 und 5 Uhr alle Zufahrtsstrassen zum Gyrenweiher in Widen, um die Amphibien bei ihrem Laichzug vor den Gefahren beim Überqueren der Strassen zu schützen. Zum Vergleich: 2019 wurde die Strasse erst Ende Februar gesperrt.

Schon am 26. Januar die ersten Tiere eingesammelt

Angela Grüsner kümmert sich als Verantwortliche seit zwölf Jahren mit anderen Freiwilligen um den Amphibienschutz am Wider Gyrenweiher. Sie sagt: «Es ist beinahe verrückt. Schon am 26. Januar haben wir die ersten Tiere eingesammelt. Das ist extrem früh. So etwas gab es bisher nur 2016.»

Die Tierzahl schwankt je nach Witterung. Am Montagabend hätten sie beispielsweise rund zehn Kröten gefunden. Die Schwierigkeit sei, dass man nie genau wisse, aus welcher Richtung die Amphibien an einem bestimmten Abend in Richtung Gyrenweiher wandern, sagt Grüsner.

«Wenn der ‹Amphibien-Tsunami› einmal rollt, können pro Abend bis zu 800 Tiere wandern.» Für die engagierte Amphibienschützerin ist eines sicher: «Die verfrühten Amphibienwanderungen dürften sich in den nächsten Jahren wegen des Klimawandels fortsetzen», macht sie sich Gedanken.

«Amphibien leiden speziell unter dem warmen Winter»

Auch in anderen Regionen des Kantons wie bei Hausen/Windisch seien die Kröten schon unterwegs gewesen, wie Viviane Uhlmann erfahren hat. Sie ist im Auftrag des Kantons Aargau für die Koordination und Betreuung der Amphibienzugstellen zuständig. Auch für Uhlmann ist die Lage besonders. «In der Tat sind die Amphibien dieses Jahr merklich früher dran.

Ausschlaggebend sind sicher die wärmeren Temperaturen. Wegen der eher milden Monate Dezember und Januar ist die innere Uhr der Amphibien gestört. Je nach Tal kann es komplett unterschiedlich sein», sagt Uhlmann.

Normalerweise setzten die Frühjahrswanderungen erst Ende dieses Monats ein. Das Problem der verfrüht einsetzenden Wanderungen wurde heuer laut der Solothurner Zeitung schon in den Kantonen Zürich, Basel, St. Gallen, Genf und Waadt festgestellt.

Automobilisten missachten das nächtliche Fahrverbot

Trotz allem bleiben das grösste Todesrisiko für die zahlreich wandernden Amphibien die Automobilisten. «Die Signalisation des Fahrverbots wird sehr schlecht beachtet. Am Montagabend fuhren die Autos teilweise fast wie in einer Karawane durch. Es braucht wohl noch einige Zeit, bis die Lenker das temporäre Fahrverbot realisieren.

Die Navi-Geräte sind dazu auch nicht förderlich», meint die Eggenwilerin Grüsner zur Lage am Gyrenweiher. Auf ein Navi sind die Amphibien bei ihrer Wanderung zum Laichgewässer gewiss nicht angewiesen. Sie hoffen, dass sie heil zum Ziel kommen – ohne überfahren zu werden oder zu erfrieren.

Meistgesehen

Artboard 1