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Der milde Winter fördert die Eschenkrankheit

Die milden Temperaturen sind kein Grund zur Freude: Kreisförster Erwin Jansen befürchtet, dass der Eschenbestand stark dezimiert wird.

Eddy Schambron
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«Die Eschenkrankheit macht uns wirklich Sorgen. Wir hoffen, dass nicht alle Eschen eingehen werden.»

«Die Eschenkrankheit macht uns wirklich Sorgen. Wir hoffen, dass nicht alle Eschen eingehen werden.»

UZ

Der milde Winter hat dank der jetzigen nassen Witterung wohl wenig Einfluss auf die Borkenkäferplage, dafür bedroht ein Pilz den Eschenbestand massiv. «Das macht uns wirklich Sorgen», sagt Erwin Jansen, Kreisförster Lenzburg-Freiamt.

«Wir hoffen, dass nicht alle Eschen eingehen werden», umreisst Jansen die Besorgnis auch der Freiämter Forstleute. «Es ist zwar unwahrscheinlich, dass alle absterben werden – das zeigt die Erfahrung mit natürlichen Krankheiten. Aber der Bestand wird voraussichtlich stark dezimiert.» Die Eschenkrankheit wird durch einen eingewanderten Pilz verursacht. «Der Pilz macht eine Art Wettrennen mit dem Wachstum der Eschentriebe. Bis jetzt kamen die Bäume gegen ihn an. Wenn allerdings der Pilz wegen milden Temperaturen in der Übergangszeit gute Bedingungen erhält, dann ist das schlecht für die Bäume, weil der Pilz die Oberhand erhält.»

Aussichtsloser Kampf

Neophyten sind gebietsfremde Pflanzen, die im schlechtesten Fall einheimische Gewächse verdrängen. Sie zu entfernen wäre beispielsweise eine Möglichkeit, Asylbewerber zu beschäftigen. «Es wird immer wieder unterschätzt, was es bedeutet, die Neophyten zu dezimieren. Wir reden hier von sehr grossen Flächen», sagt dazu Kreisförster Erwin Jansen. «Im Wald die Neophyten flächendeckend zu bekämpfen, ist ein ausserordentlich aufwendiges Unterfangen. Das ist der Hauptgrund, weshalb man es nicht macht.» Ausserdem müssten diese Arbeiten regelmässig durchgeführt werden. «Wenn man sie nur ein, zwei Jahre ruhen lässt, wachsen die Pflanzen wieder nach.» Wie es im Sprichwort heisst: Unkraut vergeht tatsächlich nicht.
Der Einsatz von chemischen Mitteln gegen die unerwünschten Pflanzen kommt im Wald nicht infrage, weil man die Nebenwirkungen fürchtet. «Das Problem ist nicht gelöst», stellt Jansen fest. Mit Blick auf Neuseeland, das ein ähnliches Klima und ähnliche Böden aufweist wie die Schweiz, stelle man fest, dass dort so ziemlich jedes Unkraut wächst, das es auf der Welt gibt. «Das hat dort grosse Auswirkungen auf die Flora, aber damit müssen die Neuseeländer leben. Es wird in der Schweiz wohl in Zukunft nicht anders sein», meint Jansen. (es)

Weil der Pilz eingewandert ist, fehlen frühere Erfahrungen, wie man sie bei anderen Baumkrankheiten kennt. Eine verlässliche Beurteilung der Lage ist deshalb nicht möglich. Jetzt beobachten die Förster die Situation und fällen an Wegrändern Eschen, wenn angenommen werden muss, dass Kronenteile herunterfallen könnten. «Klar können die Förster nicht alle Wege abschreiten und jeden befallenen Baum herausnehmen», sagt Jansen, «aber man muss trotzdem keine Angst haben, in den Wald zu gehen.»

Leicht zu erkennen
Befallene Eschen sind relativ leicht zu erkennen: Bei Jungpflanzen ist ein Welken des Wipfeltriebes oder einzelner Seitenzweige zu sehen. Die Blätter vertrocknen, werden braun und bleiben längere Zeit an den Zweigen hängen. Bei alten Eschen ist ein Absterben der jungen Triebe zu beobachten. Anhand der am Baum verbleibenden dürren Blätter, beziehungsweise deren Blattstiele können befallene Eschen auch in den Wintermonaten recht gut ausfindig gemacht werden. In jedem Fall fördert das Absterben von Trieben und Zweigspitzen sowohl bei alten Eschen wie auch bei Jungpflanzen eine unerwünschte Verbuschung.

Borkenkäfer sind winterhart
Warmer Winter, viele Borkenkäfer, harter Winter, wenig Borkenkäfer - diese Gleichung stimmt nicht. «Die Borkenkäfer, die vor allem unsere Rottannen schädigen, sind sehr winterhart, da spielt die Temperatur keine Rolle», erklärt Jansen. «Das Problem ist vielschichtiger.» Eine Rolle spielt die Temperatur bei den natürlichen Feinden der Borkenkäfer: «Schlupf- und Erzwespenarten sind empfindlicher auf sehr tiefe Temperaturen. Werden sie dezimiert, müssen sie zuerst wieder ihre eigene Population aufbauen, bevor sie ihre Eier in die Borkenkäfer einlegen können.»

Ist es warm und feucht, bekommen die Insekten eher Pilzkrankheiten. «Wenn Borkenkäfer verpilzen, ist das für die Rottannen gut, aber wenn ihre Gegenspieler auch in Mitleidenschaft gezogen sind, dann ist es wieder schlecht.» Der Forst hat zwar im Moment kein akutes Borkenkäferproblem, wie Jansen ausführt. «Aber die Borkenkäfer-Abwehr ist bei den Rottannen mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit beeinträchtigt, weil die Bäume im letzten Jahr sehr trocken gehabt haben.» Immerhin kann die nasse Witterung in letzter Zeit diesen Mangel kompensieren, da die Rottannen vor allem die obere Bodenschicht durchwurzeln und so rasch wieder Wasser aufnehmen können.