Für einmal projiziert der Beamer im Schulzimmer keine Karten und keine Powerpoint-Folien an die Leinwand, sondern die Welt aus der Sicht über einen Gewehrlauf. Die beiden Schüler, die in der imaginären Welt herumrennen, haben viele Zuschauer: Sie sind umstellt von Eltern, die ihnen sporadisch Fragen stellen:
Frau: «Was ist das Ziel?»
Jugendlicher: «75 Hits.»
Frau: «Ab welchem Alter ist das Spiel?»
Jugendlicher: «Ab 18.»
Frau: «Von wem habt ihr es dann?»
Jugendlicher: «Von meinem Bruder.»
Frau: «Haben die Eltern nichts dagegen?»
Jugendlicher: «Anfangs haben sie etwas gemotzt.»

Eingeborene und Immigranten

Nebenan werden Instagram und Facebook erklärt, in einem anderen Schulzimmer sprechen die Schüler übers «Hacken» und über legales und illegales Downloaden von Musik. Die Erwachsenen schauen zu, manche interessiert, andere etwas ratlos.

Viele haben die Möglichkeiten genutzt und den Schülern beim Umgang mit Playstation und Computer über die Schulter geblickt. Dieser Teil des Abends war noch freiwillig, der zweite ist obligatorisch: ein Referat der Fachstelle Suchtprävention Aargau.

Expertin Susanne Wasserfallen fasst in Worte, was in den Schulzimmern zu beobachten war: «Digitale Eingeborene nennen wir all diejenigen, die nach 1980 geboren sind.» Gegenüber der zweiten Gruppe, den «digitalen Immigranten», hätten es diese leichter im Umgang mit Elektronik, weil sie damit aufgewachsen seien.

«Deshalb ist Medienkompetenz so wichtig. Sie ist neben Lesen, Rechnen und Schreiben zur vierten Kulturtechnik geworden.» Verbote seien der falsche Weg: «Wir können die Kinder nicht mehr kontrollieren.»

40 Stunden gamen

Oberstufenlehrer Daniel Burg machte in seiner Einleitung die Ausmasse des Problems klar: «Je schlechter das Wetter am Wochenende, um so schwieriger wird der Montag.» Manche Jugendlichen würden bis zu 40 Stunden an einem Wochenende gamen.

«Es wird für uns sehr schwierig, die Aufmerksamkeit der Schüler zu behalten», sagte Burg. Die Kameraeinstellung wechsle beim Gamen häufig – «dann müssen die Schüler mich fünf Minuten lang aus derselben Kameraeinstellung betrachten. Eine Herausforderung.»

Fokus auf die negativen Aspekte

Die beiden Expertinnen der Suchtprävention betonten, dass digitale Medien nicht etwas Schlechtes seien, dass man sich aber an diesem Abend auf die negativen Aspekte fokussiere. Besprochen wurde der Umgang mit den digitalen Medien, Suchtverhalten und Cyber-Mobbing.

Eltern sind verantwortlich

Im Vortrag wurde auch klar, dass sich die Eltern nicht aus der Verantwortung stehlen können. «Sie sind verantwortlich, mit den Jugendlichen Regeln abzumachen und diese durchzusetzen», sagte Wasserfallen zu den Eltern. Die Selbstdisziplin sei erst etwa ab 20 Jahren voll ausgereift.

Daneben gaben die Expertinnen auch viele nützliche Tipps, wie das schwierige Thema einfacher zu bewältigen sei. Mit den Jugendlichen sprechen, sich informieren und Regeln vereinbaren sei wichtig.

Und: «Seien sie ein Vorbild.» Wichtig seien auch Alternativen zum Fernseher und dem Computer. «Wenn ihr Sohn gerne Prügelspiele spielt, findet er vielleicht auch Gefallen an Kampfsport oder am Fechten.»

Die Schule Niederwil hat am obligatorischen Elternabend versucht, ein Problem in den Griff zu bekommen, bei dem sie auf die Unterstützung der Eltern angewiesen ist: «Der Medienkonsum ist nicht grundsätzlich schlecht, aber er macht den Unterricht schwieriger», sagte Burg.

Ein Beispiel sei der tägliche Kampf um die Handys: «Wir haben hier die Regel, dass die Schüler das Handy während des Unterrichts nicht gebrauchen dürfen. Der Umgang mit Übertretungen funktioniert zwar grösstenteils gut, ist aber eine Herausforderung», so Burg.