Wohlen
Der letzte Akt im Drama um die Bücherboutique: der Inventarverkauf

Das Betreibungsamt verkauft im ehemaligen Laden von Peter Brünggel das Inventar. Der Buchhändler musste sein Geschäft im vergangenen Jahr wegen finanziellen Problemen aufgeben. Auch eine weitere Buchhandlung in Muri wurde geschlossen.

Jörg Baumann
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Auch diese beiden holten sich gestern Nachmittag noch ein Schnäppchen aus dem ehemaligen Buchladen von Peter Brünggel. BA

Auch diese beiden holten sich gestern Nachmittag noch ein Schnäppchen aus dem ehemaligen Buchladen von Peter Brünggel. BA

Letztes Jahr musste der Buchhändler Peter Brünggel seine Bücherboutique und den Geschenkladen in Wohlen aus finanziellen Gründen schliessen. Am Freitag begann das Betreibungsamt damit, das Inventar zu verkaufen. Viele ehemalige Kunden nutzten die Gelegenheit, um Bücher, Gestelle, Kartenständer oder Geschenkartikel zum halben Preis zu kaufen.

Es ist zwar zu spät, um dem einst florierenden Buchladen eine letzte Träne nachzuweinen. Aber im Laden herrschte gestern eine gedrückte Stimmung. «Es ist so schade, dass wir in Wohlen keine gute Buchhandlung mehr haben», sagte Brigitta Loher, die sich als Leiterin der Gemeindebibliothek Wohlen nach einem geeigneten Artikel umsah.

Sie kaufte unter anderem einen Bücherwagen. «Den Wagen können wir für die Bibliothek gut brauchen. Wir können ihn im Sommer draussen aufstellen und darin die verbilligten Bücher ausstellen, die wir jeweils für einen Franken pro Stück verkaufen.»

Auch Anna Hegi-Koch, Leiterin des vor der Eröffnung stehenden Freiämter Strohmuseums in der Villa Isler, hielt Ausschau nach einem guten, für das Museum passenden Artikel.

Wie die Bücherboutique in Wohlen musste auch der Buchladen Co- Libri von Erika Bachmann in Muri geschlossen werden. Dem Buchhandel geht es im Allgemeinen nicht gut. Brünggel geriet in Schwierigkeiten, nachdem er seinen Laden von der Bahnhofstrasse, wo er von den Passanten profitieren konnte, an einen schlechteren Standort verlegte, um vermeintlich Mietzins sparen zu können.

Doch der Vermieter erhöhte die Miete sogleich so stark, dass Brünggel rasch der Schnauf ausging. Zudem wirkte sich die unvorteilhafte Lage des Ladens, versteckt an einem Fussweg zwischen der Bahnhofstrasse und der Alten Bahnhofstrasse, wo man ihn fast nicht mehr fand, unvorteilhaft auf den Geschäftsumsatz aus.

Weiter trug der Trend, dass die Kunden heute die Bücher vermehrt im Internet bestellen, zum Untergang von Brünggels Geschäft bei. Zudem wirkte sich die Diskussion über die Preisbindung verheerend auf die nicht auf Rosen gebetteten kleineren Buchhandlungen aus.

Das eidgenössische Parlament wollte die Buchpreisbindung zwar wieder einführen. Aber in der Volksabstimmung wurde die Vorlage 2012 versenkt. Damit verschärfte sich die Lage für die mittelständischen Betriebe massiv.

Die grossen Buchkonzerne gewannen indes weiter an Marktmacht. Leiden mussten die kleineren Buchhandlungen, die ihre Marge nicht mit dem Massengeschäft und Bestsellern ausgleichen können.

Das Betreibungsamt Wohlen mit Chef Werner Lüpold und zwei Mitarbeiterinnen organisierte den Ausverkauf in der Bücherboutique. Die beiden Frauen stellten sich an die Kasse und bedienten die Kundschaft. Peter Brünggel wollte es sich nicht antun, beim letzten Akt seiner Geschäftstätigkeit dabei sein zu müssen.

Die Verkaufsaktion in der Bücherboutique Wohlen wird am Samstag von 9 bis 12 Uhr weitergeführt.