Mühlau

Der Lehrbienenstand Freiamt ist fertig

Bienenzüchterpräsident Bruno Heggli sitzt vor dem neuen Lehrbienenstand. Sobald die Bienen erwachen, geht’s hier los.

Bienenzüchterpräsident Bruno Heggli sitzt vor dem neuen Lehrbienenstand. Sobald die Bienen erwachen, geht’s hier los.

Im Mühlauer Weiler Kestenberg ist das neue Kompetenzzentrum bereit für Bienen, Imker und solche, die Letzteres werden möchten.

Die beiden Bienenzüchtervereine Oberfreiamt und Muri sagen es ganz direkt: «Die Themen Bienen und Bienensterben und die damit verbundenen Konsequenzen sind in aller Munde. Dennoch wird meistens nur darüber berichtet, anstatt aktiv etwas zu unternehmen. Wir hingegen taten und tun aktiv etwas.» So wurde im April der Grundstein zum ersten Freiämter Bienen-Kompetenzzentrum, dem Lehrbienenstand Freiamt, gelegt – beziehungsweise die Grundschraube eingedreht. Denn das schmucke kleine Holzhäuschen hält verschiedene Überraschungen und spannende Ideen innerhalb und ausserhalb seiner vier Fertigbauwände bereit.

«Wir haben jede Leitung touchiert, die es gab»

Im Moment ist es ziemlich kalt im Häuschen. Es musste ohne Heizung gebaut werden, denn es steht auf Landwirtschaftsland und erhielt nur so eine Baubewilligung. Ganz genau steht es an der Kestenbergstrasse 22 auf dem Land von Imker Markus Müller, wo bis letzten Frühling ein alter Schopf aus dem Jahr 1973 direkt neben dem Pumphäuschen gestanden hat. «Das war auch speziell. Das Pumphäuschen, das noch älter ist als der vorherige Schopf, wurde in den Plänen der Gemeinde nie ganz genau eingezeichnet», berichtet Bruno Heggli, Präsident des Bienenzüchtervereins Muri und Umgebung. «So hatten wir keine Ahnung, wo die Leitungen genau durchgingen. Und wir haben vermutlich jede Leitung touchiert, die es gab», ergänzt er schmunzelnd. «Das Bauamt der Gemeinde hat uns aber sehr unterstützt – dafür sind die Leitungen jetzt ganz genau in den geometrischen Plänen eingetragen.»

Den beiden Bienenzüchtervereinen war es wichtig, für ihr Projekt regionale Handwerker einzubeziehen. Gezeichnet hat die Pläne gar ein Imker selbst. Und auch bei den Malerarbeiten und beim Hin- und Hergarettlen des Kieses halfen die Mitglieder tatkräftig mit. «Damit wir kein Fundament einbauen mussten, haben die Handwerker eine modernere Variante genutzt: Unser Haus steht auf grossen Schrauben», erzählt Heggli. «Anfangs dachten wir, wir kämen mit 1,5 Meter langen schrauben durch. Das war knapp daneben. Jetzt sind sie 4,5 Meter lang.» Dafür war der Elementbau innert zwei Tagen aufgestellt.

Vier Magazine, vier Schweizerkästen hinter dem Haus

Im Innern des Häuschens finden sich ein grosser Raum mit Tischen, Leinwand, Beamer und einer hübschen Fensterfront, durch die die Natur hereinstrahlen kann. «Hier möchten wir Vorträge und Kurse abhalten. Darum haben wir auch einen speziellen Boden verlegt, der leicht zu putzen ist, selbst wenn Pollen oder Propolis darauf fallen, was bei uns häufig der Fall sein dürfte», erklärt Heggli. In Nebenräumen sind ein WC, eine Küche, die auch als Schleuderraum verwendet werden soll, sowie ein Lagerraum zugänglich – alles barrierefrei und somit rollstuhlgängig. Die Wände bleiben im rustikalen Spanplattenlook, während die Aussenseite einheitlich grau bemalt wurde.

Draussen sieht man im Moment noch nicht viel. Die Bienen sind in der Winterruhe – genauso wie ihre Imker, sagt der Präsident des Bienenzüchtervereins schmunzelnd. Im Frühling sollen hinter dem Haus aber vier Magazine sowie vier Schweizerkästen stehen. «Einfach ausgedrückt: Magazine sind solche Bienenkästen, die frei in der Prärie draussen stehen und die man von oben bearbeitet. Schweizerkästen dagegen sind sogenannte Hinterbearbeitungskästen. Wir möchten unseren Jungimkern und allen anderen Interessierten beide gängigen Imkerarten zeigen können.»

Ausserdem sollen verschiedene einheimische Büsche und Blumen gepflanzt werden. Dies in Absprache mit dem Hausherrn Markus Müller. Heggli ist in seinem Element, wenn er erklärt: «Die Faustregel ist: Pflanzt man eine Sorte Blumen, dann sorgt man für eine Insektenart. Zwei Sorten für zwei Arten und so weiter. Darum möchten wir möglichst vielfältige Pflanzen haben, an denen nicht nur unsere Honigbienen etwas haben, sondern auch Hummeln, Wespen, Hornissen, Wildbienen und viele andere Insekten.»

Bienen brauchen im Sommer und Herbst Nektar

Beim Thema Pflanzen ist ihm wichtig zu ergänzen: «Viele Leute fragen sich, was sie für die Bienen tun können, wenn sie selber keine Imker sind. Dabei ist es ganz einfach: Büsche und Blumen pflanzen, möglichst vielfältige und vor allem einheimische.» Als Beispiele, die für verschiedene Bienenarten besonders geeignet sind, nennt er Himbeeren, die von Mai bis September zum Nahrungsangebot beitragen, genauso wie Löwenzahn, der lange blüht, und Efeu, das besonders im Herbst eines der wichtigsten Nahrungsmittel für die Bienen ist. Dabei erwähnt Heggli die Trachtenlücke: «Im Frühling, wenn die Temperatur über 15 Grad gestiegen ist, finden die Bienen sehr viel Nektar, alles blüht. Ab Ende Juni ist die grosse Blütenpracht jedoch vorbei. Dann kommt eben die Trachtenlücke, wenn der grösste Teil der Rapsfelder und des Löwenzahns verblüht ist und die Bienen weniger Nahrung finden. Da ist es wichtig, ihnen auch dann ein Nahrungsangebot zu bieten.»

Wer sich eingehender mit Bienen und Imkerei befassen möchte, dem stehen Jungimkerkurse im neuen Bienen-Kompetenzzentrum offen. Dort finden sich jährlich rund 20 Interessierte ein, und zwar im Alter zwischen 14 und 70 Jahren. «Davon hat jedoch nur rund ein Drittel selber jemals Bienen. Es ist ein sehr spannendes Thema, aber auch eine aufwendige Arbeit. Es reicht bei weitem nicht, sich ein Bienenvolk in den Garten zu stellen und ein Youtube-Video dazu zu schauen», sagt Bruno Heggli augenzwinkernd. Interessierte können sich aber sehr gerne bei ihm melden – ob sie nun einmal selber Bienen halten möchten oder sich einfach fürs Thema interessieren.

Eröffnung Am 16./17. Mai 2020 wird der neue Lehrbienenstand Freiamt feierlich eröffnet. Mehr Infos gibts online auf der Website www.lehrbienenstand-freiamt.ch

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