Kreuz-Knatsch
Der Kreuzzug der Wohler SVP ist zu Ende

Das Kreuz in der Wohler Abdankungshalle ist am Montag montiert worden. Das ist das Ende einer Geschichte, die viel (unnötigen) Staub aufgewirbelt hat.

Toni Widmer
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Wohler Kreuz wird montiert

Wohler Kreuz wird montiert

Toni Widmer
Die religionsneutrale Stele.

Die religionsneutrale Stele.

Toni Widmer

Kurz nach 14 Uhr am Montagnachmittag: Hansjörg Brunner und Marco Wicki von der Firma Hobler Metallbau in Muri fahren auf den Friedhof in Wohlen, laden ein längliches Paket aus und tragen es in die Abdankungshalle. Es ist – fein säuberlich verpackt – der Kompromiss, der den Kreuzzug der Wohler SVP beenden soll: eine Stele aus Holz und Stahl, die von den zwei Handwerkern links vom Altar in einer knappen halben Stunde montiert worden ist. Bei christlichen Trauerfeiern lässt sich diese Stele zu einem Kreuz aufklappen. Nach dem Anlass dauert es nur wenige Sekunden und der Raum ist wieder so religionsneutral, wie er geplant worden ist.

Die Lösung, die nichts kostet

Die Abdankungshalle gehört der Einwohnergemeinde Wohlen und wird auch von ihr betreut. Das Kreuz allerdings haben andere bezahlt. Die rund 5000 Franken, die es kostet, werden zu einem Teil aus dem Bacher-Meyer-Fonds beglichen. Aus diesem Legat flossen schon erhebliche Beiträge in die 2013 erfolgte Sanierung des Raums. Einen zweiten Teil bezahlen die Wohler Gemeinden der beiden Landeskirchen.

Die Montage der Stele, die bei Bedarf zum Kreuz wird, ist das Finale in einem (unchristlichen) Zerwürfnis zwischen der Wohler SVP und dem Wohler Gemeinderat. Schon kurz nach der Einweihung des umfassend sanierten Gebäudes im Herbst 2013, monierte die SVP das fehlende Kreuz in dem Raum, der schon immer religionsneutral war und, das nach Meinung des Gemeinderates auch nach der Sanierung bleiben sollte.

Volksinitiative gestartet

Die Partei versuchte, vorerst mit einer Motion im Einwohnerrat, ihr Begehren nach einem Kreuz «mindestens so gross wie ein Wegkreuz und unverrückbar in den Boden oder an die Wand gemauert» durchzubringen. Sie war chancenlos. Die SVP gab jedoch nicht auf und lancierte ein Volksbegehren. Die nötige Zahl Unterschriften hat sie im Gemeindehaus deponiert.

Noch vor dem Start der Unterschriftensammlung hatte der Gemeinderat jedoch Kompromissbereitschaft signalisiert und eine Arbeitsgruppe mit der Suche nach einer religionsneutralen Lösung im Religionsstreit beauftragt. Die SVP sammelte allerdings auch dann noch fleissig weiter Unterschriften, als Kurt Kolb – der als Architekt schon die Sanierung geleitet hatte – die Lösung mit der Stele präsentierte.

Ihnen fehle das Vertrauen, hatten die Kreuzzügler erklärt. Seit Montag steht fest, dass der Gemeinderat Wohlen Wort hält. Mit vier Schrauben im Boden der Abdankungshalle fixiert.

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