Freiämter Landsgemeinde
Der Kirchenplatz in Wohlen wurde für die SVP extra abgesperrt

Drei Nationalräte kritisierten an der SVP-Landsgemeinde in Wohlen die herrschenden Zustände in der Schweiz. Von der Syrien-Politik über den Umgang mit Straftäter «Carlos» bis zur Armee-Abschaffungsinitiative fanden die Politiker meist schlechte Worte

Jörg Baumann
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Friedliche Stimmung und viele Worte an der SVP-Landsgemeinde. ba

Friedliche Stimmung und viele Worte an der SVP-Landsgemeinde. ba

Jörg Baumann

«Für eine freie Schweiz, die sich selbst behauptet und keine fremden Richter braucht», setzten sich an der SVP-Landsgemeinde in Wohlen gleich drei Nationalräte ein: Parteipräsident Toni Brunner, Lukas Reimann und Sylvia Flückiger.

Die für die Organisation verantwortlichen SVP-Ortsparteien Wohlen-Anglikon und Muri profitierten vom schönen Wetter. 180 Personen vernahmen auf dem Kirchenplatz die Botschaften der Politiker und quittierten sie bei Bratwurst und Bier mit Beifall.

Während des Anlasses wurde der Durchgangsverkehr vom Kirchenplatz verbannt. Da sei «ganze Arbeit» geleistet worden, meinte Toni Brunner launig.

Mit der Festlaune war dann aber für ihn Schluss: Es sei ein «falsches Zeichen der Humanität», 500 Flüchtlinge aus Syrien ins Land zu holen, sagte der Toggenburger Nationalrat. Vielmehr solle man den vom Krieg vertriebenen Menschen in der Heimat helfen.

Brunner zog auch gegen fremde Richter aus der Europäischen Union und gegen das Bundesgericht ins Feld, das nun auch Ausländern, die nur im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung seien, den Familiennachzug erlauben wolle. «Die Ausschaffungsinitiative wird nicht durchgezogen», meinte er. «Wir brauchen den Mut, zur Schweiz zu stehen. Das Volk wird bei lebendigem Leib von seinen Rechten enteignet, die Demokratie wird nur noch von Fall zu Fall ernst genommen.»

«Die Schweizer Kultur ist bedroht», rief Lukas Reimann. Die Personenfreizügigkeit beschere der Schweiz jedes Jahr 80 000 Einwanderer und damit Probleme auf dem Arbeitsmarkt, im Strassenverkehr, in den Zügen und in den Schulen. «Die Schweizer müssen bei der Besetzung der Arbeitsstellen den Vorrang geniessen», verlangte Reimann. «Wir müssen die Einwanderung wieder selber steuern können.»

Missstände wie beim «Fall Carlos» gebe es, wenn Entscheide in einer Behörde gefällt würden, die nicht nahe am Volk politisiere.

«In Bern werden zu viele Experimente durchgeführt», meinte Sylvia Flückiger. Dabei werde der Mittelstand so stark belastet, «bis es ihn fast nicht mehr gibt.»

Vehement kämpfte die Aargauer Nationalrätin gegen den Schullehrplan 21, für eine Familienpolitik nach den Vorstellungen der SVP und gegen die Initiative für die Abschaffung der Wehrpflicht. Die Armee-Abschaffungsinitiative sei «ein Angriff auf die Sicherheit der Schweiz. Da müssen wir Widerstand leisten und uns einmischen», forderte Flückiger.

Die Wohler Grossrätin und Einwohnerratspräsidentin Marlis Spörri entbot beim Anlass, den der SVP-Gemeinderatskandidat und Ortsparteipräsident Roland Vogt moderierte, das Grusswort. Die Reusstal-Musikanten sorgten für die Unterhaltung.

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