Villmergen

Der Kirchenmusiker, der von «seiner» Orgel schwärmt

Stephan Kreuz und seine Orgel.

Stephan Kreuz und seine Orgel.

Stephan Kreutz ist Hauptorganist in der Pfarrei St. Peter und Paul und schwört auf Improvisation in der Kirchenmusik. Am Sonntag gibt er ein Konzert auf «seiner» Orgel.

Seit seinem Studienabschluss 2007 fährt er von Murg bei Säckingen ins vierzig Autominuten entfernte Villmergen, um die Orgel in der Pfarrkirche St. Peter und Paul zu spielen. «Villmergen hat eine starke katholische Tradition, und noch heute sind 4300 der gut 7000 Einwohner katholisch», erklärt Stephan Kreutz und fügt an: «Wir können uns glücklich schätzen – wir haben jeweils am Sonntag immer noch um die 150 Personen im Gottesdienst, und so macht es natürlich Freude, zu spielen.»

Ein spezielles Instrument

Vor allem aber ist Stephan Kreutz begeistert von der Villmerger Orgel, einer Metzler-Orgel aus den 1970er-Jahren. Sowohl klanglich als auch handwerklich sei die Ausführung sehr gelungen. Nach dem Vorbild der Orgeln aus der Barockzeit wurde sie gebaut, ein historisierender Stil, der ohne die technischen Möglichkeiten von Industrialisierung oder gar Elektronik auskommt.

Aber nicht nur das fasziniert ihn an der Villmerger Orgel: «Diese Orgel ist sehr gut auf den Raum abgestimmt, kann diesen gut füllen, ohne aber aufdringlich zu klingen.» Bässe und Höhen müssen da optimal auf den Raum abgestimmt sein, ein bisschen Nachhall ist zwar gut, aber zu viel darf es nicht sein. Eine Orgel immer wird für einen bestimmten Raum gebaut. «Jede Orgel in ihrem Raum ist einzigartig – selbst zwei Orgeln, die dieselben Elemente und Klangmöglichkeiten besitzen, klingen am Ende doch verschieden.»

Als Ministrant am Akkordeon

Kreutz spielte bereits Akkordeon, als er als Ministrant in der Kirche in Säckingen den schönen Klang der Orgel entdeckte. Mit 16 Jahren begann er, beim dortigen Organisten Unterricht zu nehmen. Zwei Jahre später entschied er sich, das Orgelspiel zu seinem Beruf zu machen. Das und noch viel mehr, denn an seinen Beruf als Kirchenmusiker gefällt ihm die enorme Vielseitigkeit: Natürlich spielt er in erster Linie Orgel, begleitet die singenden Gläubigen oder spielt reine Instrumentalstücke im Gottesdienst. Darüber hinaus leitet er aber auch den Cäcilienchor und die Schola Gregoriana, eine kleine Gruppe von Sängerinnen und Sängern, die sich gregorianischem Gesang widmet.

Die Ausbildung, die er in Freiburg im Breisgau absolviert hat, beinhaltete neben dem Orgelspiel dementsprechend auch Dirigieren und Gesang. Liturgie und Kirchenmusikgeschichte sind weitere Wissensgebiete, in denen sich ein Kirchenmusiker auskennen muss.

Aber auch die Organisation von Anlässen gehört zu seinem Aufgabenbereich, etwa den Villmerger Orgelherbst, der dieses Jahr zum achten Mal stattfindet und bei dem renommierte Gastmusiker auf der Orgel konzertieren.

Unterricht an der Hochschule

Einen Tag pro Woche unterrichtet Kreutz an der Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau Improvisation und Liturgisches Orgelspiel. Was muss man sich unter Improvisation im Zusammenhang mit Kirchenmusik vorstellen? «Es gibt fertig ausgeschriebene Orgelbücher, aber die verwende ich nicht», erklärt er dazu. «Ich benutze die Melodie, so wie sie im Gesangbuch steht, und daraus leite ich die Begleitung ab. Das Vorspiel improvisiere ich jedes Mal neu.» Darf er da einfach spielen, was ihm gerade in den Sinn kommt? «Es gibt natürlich Regeln», meint er. «Improvisieren basiert immer auf einem Konzept, einem Rahmen, einer Idee. Das kann ein harmonisches Gerüst sein, ein Rhythmus, eine bestimmte Klangfarbe, ein Motiv oder auch eine Stilrichtung wie zum Beispiel der Barock.» Die Freiheit entfaltet sich also in einem Rahmen, der auf sehr viel Vorwissen über Stile und Harmonik beruht.

Im Mai in der Klosterkirche

Weil viele ursprünglich liturgische Werke im heutigen Gottesdienst ihrer Länge wegen keinen Platz mehr haben, gibt Kreutz auch Konzerte. Diesen Sonntag um 17 Uhr wird er an der Villmerger Orgel Werke von Johann Sebastian Bach, Camille Saint-Saëns und Jehan Alain zum Besten geben. «Mir gefällt die Mischung zwischen den typischen Orgelkompositionen Bachs, dem kühl-experimentellen Stil Saint-Saëns› und den erfrischenden, fernöstlich und jazzig angehauchten Farben Alains.» Und man wird auch Gelegenheit haben, den Organisten über ein Lied improvisieren zu hören. Am 17. Mai wird er zudem gemeinsam mit der Bremgarter Organistin Andera Kobi ein Konzert in der Klosterkirche Muri geben.

Konzert: Sonntag, 1. März, 17 Uhr in der Pfarrkirche Villmergen. Werke von Johann Sebastian Bach, Camille Saint-Saëns, Jehan Alain und Improvisationen.

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