Rund 2000 Ehen hat er geschieden, gegen 700 Streitfälle beurteilt und vieles mehr geleistet: Heute geht Benno Weber, geschäftsführender Präsident am Bezirksgericht Muri, in den Ruhestand. Zusammen mit seiner Frau Hedi wird er schon bald mit ihrem hochseetauglichen Segelschiff «Allegra Mar» in die Ostsee stechen. «Ich freue mich sehr auf die neue Freiheit», sagte Weber an seinem Abschiedsapéro im Gerichtssaal Muri. Aber gleichzeitig werde er das wunderbare Team vermissen. «Ich bin sehr dankbar für die tolle Zusammenarbeit, dieses Team macht mir den Abgang nicht einfach».

Als Gerichtspräsident habe man für Führung und Administration kaum Zeit, sondern sei in erster Linie mit den Fällen beschäftigt. «Eine gute Kanzlei mit erfahrenen Leuten ist da unerlässlich. In Muri ist diesbezüglich ein unglaublicher Erfahrungsschatz vorhanden». Weber lobte die angenehme Zusammenarbeit mit den Anwälten: «Ich sah in ihnen nie Gegenspieler, sie sind ein Teil der ganzen Justiz, der wichtig ist.» Ebenso freute er sich am guten Verhältnis mit Richtern, Staatsanwälten, Fachleuten von verschiedenen Institutionen und nicht zuletzt am Vertrauen der Bevölkerung, die ihn immer wieder gewählt hat. «Ich habe mir Mühe gegeben, die Arbeit gut zu machen».

Viel Vertrauen

«Benno Weber hat uns selbstständig arbeiten lassen und uns immer viel Vertrauen entgegengebracht», machte Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner deutlich. So haben ihn 29 Gerichtsschreiber erlebt, aber auch 51 Rechtspraktikanten und verschiedene Lernende. Besonders treu sind die Angestellten der Gerichtskanzlei. In den letzten 29 Jahren kamen nur gerade zehn neue Leute dazu. Weber habe sich auch immer für «sein» Gericht engagiert, etwa, als es darum ging, anstatt Bezirksgerichte sogenannte Gerichtsregionen zu schaffen. «Diese Regionalisierung konnte zum Glück verhindert werden, auch dank seinem grossen Einsatz.» Er habe sich als Zügelmeister – vom Amtshaus in den Südflügel der Klosteranlage – genauso bewährt wie als Planer für moderne Arbeitsplätze. Für Weber schliesst sich im Südflügel sozusagen der Kreis. «Hier hat er die Bezirksschule besucht, hier geht er in Pension», erklärte Baumgartner. Dazwischen liegen viele Jahre erfolgreiche Berufstätigkeit als Jurist und Bezirksgerichtspräsident.

Unermüdlicher Einsatz

Immer gut vorbereitet, aufgeschlossen, taktvoll, offen für alle – Franziska Plüss, Präsidentin des Aargauer Obergerichts, freute sich, im Namen der Justizleitung des Kantons Aargau dem scheidenden Bezirksrichter den grossen Dank auszusprechen. «Man hat nie das Gefühl gehabt, Benno Weber schaue den Fall nur als Fall an, er hat immer auch die Menschen dahinter gesehen», betonte sie. Er habe aktiv zugehört, nie den Oberlehrer gespielt, nie moralisiert und nie das Rampenlicht gesucht. «Er war ein ausgezeichneter Jurist mit dem Blick für das Wesentliche». Schliesslich habe er sehr speditiv gearbeitet.

Als Beispiel nahm sie die Statistik 2018: Am Bezirksgericht Muri waren 77 Prozent aller Fälle innert dreier Monate erledigt. «Das ist vorbildlich.» Weber habe sich aber auch am Handelsgericht und generell für die aargauische Justiz stark eingesetzt, Öffentlichkeitsarbeit gemacht, die Einführung der Familiengerichte begleitet und gefördert und wesentlich dazu beigetragen, dass die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) heute gut funktioniere und als Institution unserer Gerichte geschätzt werde. «Sein Einsatz war unermüdlich», stellte Plüss fest und überreichte ihm ein Abschiedsgeschenk des Kantons.