Niederwil
Der Kanton lässt die Reussböschung abrutschen

Die Bäume im Wasser und der Hangrutsch sehen wie ein Unfall aus. Doch beides ist vom Kanton wegen des Auenschutzprojekts provoziert worden. Der Reuss wird derzeit freie Bahn gelassen, sich in den Uferhang zu fressen.

Andrea Weibel
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Bootsfahrer Achtung - Findlinge vom Ufer bilden nun in der Mitte der Reuss eine Art kleine Inselchen
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Die Uferböschung samt Wald rutscht in die Reuss hinein - gewollt
Die Uferböschung samt Wald rutscht in die Reuss hinein - gewollt
Risse im Boden - die Böschung ist nicht mehr sicher
Risse im Boden - die Böschung ist nicht mehr sicher
Reussufer rutscht ab

Bootsfahrer Achtung - Findlinge vom Ufer bilden nun in der Mitte der Reuss eine Art kleine Inselchen

Andrea Weibel

«Betreten auf eigene Gefahr», warnt ein Schild auf einem früheren Pfad an der Reuss nahe des Klosters Gnadenthal. Die Warnung ist begründet: Nur wenige Schritte weiter fällt die Böschung mehrere Meter steil ab und endet in der Reuss. Bäume liegen umgestürzt im Wasser - neben Findlingen, die sich aus der steilen Böschung gelöst haben.
Doch was wie ein Unfall wirkt, ist vom Kanton gewollt: «Im November haben wir die grossen Findlinge, welche die Uferlinie gesichert haben, per Bagger in die Mitte des Flusses befördert. Nun kann die Reuss wieder ungehindert am Ufer nagen», erklärt Projektleiter Thomas Egloff vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU).

Für Eisvögel und Fische
Dass schon jetzt ein so grosser Teil des Uferwaldes abgerutscht ist, hat Egloff nicht erwartet. «Das kleinere Hochwasser in den letzten Wochen hat viel bewirkt.» Das sei sehr positiv, denn «die Arbeiten gehören zum Auenschutzprojekt, und Auen bedeuten nicht nur Überflutungsgebiete, sondern auch Dynamik». Denn bewaldete Ufer seien für viele Tiere wichtig, doch es brauche auch schroffe Uferhänge. «Dort kann beispielsweise der Eisvogel Bruthöhlen graben. Und bei jedem Rutsch gelangt etwas Kies in die Reuss, dies ist als Laichplatz für Fische von zentraler Bedeutung», so der Biologe. Daran fehle es unterhalb des Stauwehrs in Bremgarten. «Das Geschiebe, das die Kleine Emme aus dem Entlebuch in die Reuss trägt, bleibt wegen der Stauhaltung im Raum Aristau-Jonen-Rottenschwil liegen.»
«Gefahr ist sehr klein»
Der Reuss wird derzeit freie Bahn gelassen, sich in den Uferhang zu fressen. «Die Stelle hat sich sehr angeboten, denn die Reuss fliesst hier bereits canyonartig, macht eine leichte Kurve und der Hangwald bietet genügend Puffer zwischen dem Fluss und dem Kulturland.» Letzteres war besonders wichtig. «Die Gefahr, dass es zu einer unkontrollierten Erosion kommt, ist sehr klein», so Egloff.

«Im Uferhang stecken genügend verborgene Gletscherfindlinge, die nach dem Hinunterrutschen einen natürlichen Uferschutz bilden.» Damit aber keine negativen Überraschungen folgen, hat das BVU mit dem Verein Reusspark, dem der Uferwald gehört, eine Interventionslinie festgelegt. «Frisst sich die Reuss bis dort hinauf, werden wir den Erosionsprozess stoppen. Dabei rechnen wir mit einem Zeitraum von 10 bis 30 Jahren.» Der Verein Reusspark stellt den Wald zur Verfügung - eine Abgeltung seitens des Kantons wird aber folgen.
Für Fussgänger empfiehlt sich, den Uferweg an dieser Stelle zu meiden und stattdessen den Wanderweg am Waldrand zu benutzen. Bootsfahrer sollten darauf achten, sich möglichst rechts zu halten. «Beides wird noch mit Schildern ausgewiesen.»

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