Muss der Jodlerclub jetzt seinen Namen ändern? Wenn der traditionelle Jodlerobig künftig nicht mehr in Uezwil auf dem Hoger oben, sondern in Boswil im Tal unten stattfindet, stimmt doch der Name «Echo vom Lindenberg» nicht mehr. Oder vielleicht stimmt er dann erst recht, weil die 4 Sängerinnen und 18 Sänger den Lindenberg ansingen, der das Echo zurückwirft, statt dass sie von oben hinunter jodeln.

Nein, der Name und die 22 Mitglieder, die in ihren Trachten in Reihen stehen, singen und jutzen, bleiben dem Jodlerclub erhalten. Vieles andere ändert sich aber tatsächlich. Eben, zum Beispiel, dass der Club nicht mehr in der Turnhalle von Uezwil, sondern in jener von Boswil auftritt. Ein Theater gibt es auch keines mehr. Und statt Mitte November wird der Jodlerobig nun am Wochenende vom 7./8. Dezember stattfinden. Dabei ist gerade ein Jodlerobig doch etwas Beständiges, Traditionelles, auf das sich viele jedes Jahr freuen. Warum ändert sich jetzt so viel? Will sich der Verein verjüngen, jetzt, da er im vergangenen Januar seine 70. Generalversammlung durchgeführt hat?

«Keine Sorge»

Aktuarin Ruth Furrer lacht und schüttelt den Kopf bei diesen Fragen. «Keine Sorge, unserem Verein geht es gut», sagt sie. «Es stimmt, es ändert sich schon grad einiges. Aber das ist alles erklärbar.» Es sei vor allem Zufall, dass gerade zum 70. Geburtstag des Jodlerclubs so viele Veränderungen zusammenkämen. «In Uezwil haben wir schon seit Jahren zu wenig Platz. Die Turnhalle ist einfach zu klein.» Ohne die eine oder andere Jacke von den Stuhllehnen zu schubsen, kämen die Serviererinnen und Lösliverkäufer kaum durch die Tisch- und Stuhlreihen. «Einige Leute haben uns gesagt, nach Uezwil kämen sie nicht mehr, da sei es ihnen einfach zu voll.»

«Das ist schade.» Vor allem wäre es schade, wenn der Verein nichts dagegen täte. Anbauen geht nicht, also haben sie einen neuen Ort gesucht. «Aus Uezwil, wo der Verein beheimatet ist, haben wir kein einziges Mitglied mehr. Dafür viele aus Boswil, wo wir seit einigen Jahren auch proben.» Von den 22 Mitgliedern decken die Herren ein halbes Jahrhundert ab: Der Jüngste ist 25, der Älteste 75 Jahre alt. Bei den Frauen sieht es ähnlich aus: Die Jüngste ist 30, die Älteste 70.

Trotz der immensen Altersspanne verstehen sich die Sängerinnen und Sänger so gut, dass sie nicht nur Probewochenenden im Entlebuch veranstalten, sondern 2015 sogar nach Amerika reisten. «Und weil es so schön war, verreisen wir im Februar 2019 wieder zusammen, diesmal auf eine Sängerfest-Kreuzfahrt von Miami bis Mexiko und retour, mit Anschluss-Rundreiseprogramm in Florida», freut sich Furrer sichtlich. Hätte man das von einem Jodlerclub erwartet?

Viel mehr Platz in Boswil

Zurück zum Jodlerabend: In Boswil wurden nicht viel mehr Plätze einberechnet: «In Uezwil waren es jeweils etwa 250 Stühle, in Boswil haben wir jetzt 300 berechnet. Aber hier haben die Leute genügend Platz, Servicepersonal und Lösliverkäufer kommen gut zwischen den Tischen durch, und auch die Infrastruktur mit Küche, Kühlraum und unterirdischem Mehrzweckraum, wo wir uns einsingen können, bieten einfach viel mehr Platz als in Uezwil, wo wir draussen sogar ein Zelt für die Fritteuse aufstellen mussten.»

Und warum wurde das Datum geändert? «Weil die Boswiler Halle von vielen Vereinen beansprucht wird. Das Datum Mitte November wurde schon vor Jahren für einen Sportanlass reserviert. Dieses Jahr mussten wir nehmen, was noch übrig war.» Lächelnd fügt Furrer hinzu: «Für nächstes Jahr konnten wir aber schon unser Wunschdatum anmelden.»

Theater fällt nur einmal aus

Nun fehlt nur noch die Antwort darauf, warum dieses Jahr kein Schwank auf das Konzert der Jodler folgen wird. Ist der Verein mit 70 Jahren zu alt dafür? Wieder lacht die Vize-Dirigentin, die für den Verein eigens eine Dirigentenausbildung gemacht hat, obwohl sie erst seit acht Jahren dabei ist und vorher noch gar nicht jodeln konnte. «Nein, auch das ist Zufall», hält sie fest.

«Unsere Theaterleute würden gern wieder spielen, aber dieses Jahr hat es aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Wir sind aber überzeugt, dass sie nächstes Jahr wieder auf der Bühne stehen werden.» Um das Theater für einmal zu ersetzen, hat der Jodlerclub das Chörli Beinwil eingeladen, das A-cappella-Lieder singen wird. Und damit der Humor nicht fehlt, wird der Innerschweizer Ferdi Zumbühl mit witzigen Einlagen durch den Abend führen.

Um zu zeigen, dass es den Fans des Jodlerclubs nicht darauf ankommt, ob sie in Uezwil oder Boswil singen, hier ein Blick in die Reservationsstatistik: Am vergangenen Mittwoch, 19. November, hat der Vorverkauf begonnen. «Für den Freitagabend sind schon die Hälfte der Plätze reserviert, für Samstag etwa ein Drittel.»