Ein «musikalischer Tanz durch die 30er- und 40er-Jahre» soll es werden: das Konzert der Gesangsgruppe Quersang. Tatsächlich verwandeln die 32 Sängerinnen und 10 Sänger die Fassaden des Casinos Wohlen kurzzeitig in eine rauchige Jazz-Bar. Bloss mit einer Sache hat das Ensemble zu kämpfen.

Flockiger Jazz

«Der Funke ist von Beginn an übergesprungen», bilanziert Chorleiter Thomas Haen glücklich. Wohlen ist zwar keineswegs als Jazz-Pflaster bekannt – die Sänger kommen mit ihrem Vocal Jazz aber bestens an. Vom ersten Takt an gewinnt der leichtfüssige Tanz an Schwung, die Truppe ist ganz im Element.

Das verdankt sie mitunter der instrumentalen Begleitung: Jürg Voney an den Drums, Laura Cesar am Kontrabass und Pirmin Lang am Piano. Letzterer fällt mit seinem virtuosen Spiel besonders auf und setzt gezielt musikalische Farbtupfer – quasi als Krönung des tadellosen Gesangs. Leider sind die drei Musiker aber keine Mitglieder bei Quersang, sondern «lediglich gemietet», wie Haen mit einem Hauch Bedauern sagt.

Schmerzgrenze ist erreicht

Während des Konzertes fällt indessen auf: Die Männer sind bei Quersang arg in der Unterzahl, sie machen nur einen Viertel des Chors aus. Das macht sich nicht nur optisch, sondern auch akustisch bemerkbar. Besonders frappant ist dies beim Lied «Just a Gigolo»: Die Damen sollten eigentlich im Hintergrund bleiben, überstimmten die Männer wegen ihrer Überzahl aber beinahe. Chorleiter Haen ist sich der Problematik bewusst: «Mit der jetzigen Zahl an Männern sind wir tatsächlich an der Schmerzgrenze.»

Sollte ihr Anteil noch tiefer fallen, erfordere dies äusserst stimmstarke Männer – sonst sei ein richtiges Konzert kaum mehr möglich. Abgesehen vom Männermangel geht es dem Verein mit seiner knapp 50-köpfigen Besetzung aber prächtig. Das Erfolgsrezept war früher, dass die Sänger sich nur für einzelne Projekte verpflichteten. Dieses unverbindliche Engagement hat viele von ihnen dann langfristig gebunden. «Heute zählen wir rund 40 fixe Sänger», so Haen. Je nach Projekt kommt dann noch eine Handvoll dazu.

Show ohne Showeffekte

Seit sieben Jahren leitet Haen die Gesangsgruppe. Mit Erfolg, wie sich am Wochenende zeigte. Insbesondere beim Lied «Ain’t Misbehavin’» wagen sich die Sänger weit auf die Äste hinaus, indem sie es a capella vortragen: Keine Instrumente als Stütze oder Taktgeber. Das Wagnis zahlt sich vollends aus. Mit ihrem Auftritt beweisen die Quersänger, dass sie ihre Stimmen nicht hinter Instrumenten verstecken müssen.

Dies steht sinnbildlich für den Abend: Quersang verzichtet auf die grossen Showeffekte, achtet hingegen auf die kleinen Details. So etwa die stimmige Retro-Kleidung oder die Vespas auf der Bühne. Und zeigte damit: Selbst 80 Jahre später lässt sich mit Musik aus der 30er-Jahren noch ein ganzer Casino-Saal füllen.