Beinwil

Der Inbegriff des Pöstlers geht freiwillig und frühzeitig in Pension

Sepp Rey auf seiner allerletzten Tour für die Post. Er ging früher als geplant in den Ruhestand und widmet sich jetzt vermehrt seinem Hobby.

Sepp Rey auf seiner allerletzten Tour für die Post. Er ging früher als geplant in den Ruhestand und widmet sich jetzt vermehrt seinem Hobby.

Nach über 45 Jahren bei der Post ging Josef Rey frühzeitig in den Ruhestand. Er habe immer einen schönen Job gehabt, sagt er. Und verhehlt nicht, dass die Identifikation mit seinem Arbeitgeber doch etwas gelitten hat.

Sepp Rey ist so etwas wie der Inbegriff des Pöstlers. Kein Wunder: Über 45 Jahren arbeitete er für den «gelben Riesen», immer zuverlässig, immer freundlich und zuvorkommend. Jetzt liess er sich, für viele überraschend, mit 61 Jahren frühzeitig pensionieren. «Die gelben Blutkörperchen sind zu sehr geschwunden», begründet der Beinwiler seinen Schritt.

Traumjob in Beinwil

Während 21 Jahren hat er für die Post in Wohlen gearbeitet und war für sämtliche Touren und Dienste im Einsatz. Die Traumstelle für den «Beueler» kam 1991: Als für Beinwil ein Posthalter-Ehepaar gesucht wurde, waren Sepp und Ruth Rey zur Stelle.

Hier konnten sie den vollen Service für eine überaus zufriedene Kundschaft bieten. 2004 wurde die Poststelle allerdings zur Filiale reduziert und später in den Volg-Laden integriert. Sepp Rey wechselte in den Zustelldienst und besorgte von Muri aus verschiedene Touren. Wechseltouren, das bedeutet weniger Kundenbindung, mehr Belastung. «Nicht alles ist schlechter als früher», sagt Rey.

Aber die Wechseltouren behagten ihm weniger. So entschloss er sich, früher als eigentlich geplant in den Ruhestand zu gehen. «Ich habe immer einen schönen Job gehabt, aber die Identifikation mit dem Unternehmen begann in letzter Zeit zu bröckeln. Damit war es Zeit, aufzuhören.»

Offen für alles Mögliche

Es bleiben viele Dinge in Erinnerung, die auch bei den Kundinnen und Kunden noch in den Köpfen hängen, aber dem Spardruck geopfert wurden: Einzahlungen unter der Tür, unkompliziertes Zurückbehalten der Post während einer Ferienabwesenheit, das schwere Paket bei einer Seniorin bis in die Wohnung hinauf tragen, grenzenloses Vertrauen, ein kurzer Schwatz.

Die Post, das sind heute unterschiedliche Betriebe und keine Dienstleistung mehr sozusagen aus einer Hand. Für Sepp Rey ist die Post seit Ende Mai Vergangenheit: «Ich übernehme jetzt mehr Haushaltarbeit, weil meine Frau noch arbeitet. Dafür hatte ich bis jetzt etwas zu kurze Arme», lacht der frühpensionierte Pöstler.

Er wird sich vermehrt seinem Hobby, dem Velofahren, widmen, auf Bergtouren gehen und offen sein für alles Mögliche. Denn rostig ist der Zeit seines Lebens gelb Eingefärbte noch lange nicht.

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