Im Aargau gibt es Karten, die das Gefahrenpotenzial bei allfälligen Hochwassern für alle Regionen aufzeigen. Es sind keineswegs blosse Papiertiger, wie sich am Beispiel von Eggenwil ablesen lässt. Das Gefährdungspotenzial dieser Gemeinde ist in der «Gefahrenkarte Hochwasser Unteres Reusstal» festgehalten, welche von der Abteilung Landschaft und Gewässer erstellt worden ist und nachgeführt wird, wenn sich die Vorgaben ändern.

Hochwasser haben Einschätzungen bestätigt

Das ist soeben passiert. Die Basis dafür war ein Bericht des Büros Niederer+Pozzi, Uznach, vom 16. Juli. Deren Spezialisten haben mit einer sogenannten Wirkungsanalyse überprüft, ob sich die in Eggenwil in den letzten Jahren in den Hochwasserschutz getätigten Investitionen auch wirklich gelohnt haben. «Ja», sagen die Experten. Dank den realisierten Massnahmen habe die Gefährdung im gesamten Dorfteil nördlich des Junebachs deutlich reduziert werden können.

Und deshalb hat der Kanton jetzt auch die Gefahrenkarte für das betreffende Gebiet von Rot auf Grün angepasst. In der alten Karte war das noch anders. Insbesondere für die nördlich des Junebachs gelegenen Grundstücke im Bereich der Alten Badenerstrasse, der Kustergasse, der Kochsmattstrasse, der Badenerstrasse sowie im Rebhügel und an der Unterdorfstrasse bestehe eine latente Hochwassergefahr, konnte man dieser 2010 erstellten Karte entnehmen. Diese Prognosen waren keineswegs aus der Luft gegriffen, wie sich schon Jahre zuvor gezeigt hatte. 1999 und 2007 gab es genau in diesen Gebieten enorme Hochwasserschäden.

Wie sich diese ausgewirkt haben, kann man in einem illustrierten Bericht auf der Website der Gemeinde nachlesen. Gemeindeschreiber Walter Bürgi hat die Ereignisse von damals dort ebenso detailliert festgehalten wie die Planung und Realisierung der Schutzmassnahmen, die die Folge dieser Grossereignisse damals waren.

Ein Referendum und eine Beschwerde in Aarau

Ganz so locker gings in Eggenwil auch unter dem Eindruck der gewaltigen Hochwasserschäden nicht vorwärts. Zu den geplanten Massnahmen gab es nicht nur ein Referendum, sondern auch eine Beschwerde beim Regierungsrat. Erst mehrere Jahre nach Planungsbeginn war das definitive Projekt «Hochwasserschutz und Renaturierung» rechtskräftig bewilligt und ausführungsreif. Eggenwil hat, das darf man im Rückblick feststellen, damit einen guten «Schnitt» gemacht. Weil Gewässerschutz eine übergeordnete Aufgabe ist, übernahm der Kanton den Löwenanteil der veranschlagten Kosten von 2,15 Millionen Franken, und auch der Bund beteiligte sich am Projekt. Von der Gemeinde selber waren am Schluss «lediglich» 610'000 Franken zu berappen.

Im April 2015 wurde mit der Umsetzung begonnen, Ende Juni 2019 konnte das Werk abgeschlossen werden. Freude herrscht in Eggenwil nicht nur über den deutlich verbesserten Hochwasserschutz. Mit verschiedenen Revitalisierungsmassnahmen, die Teil des Projekts waren, ist das Dorf auch ökologisch aufgewertet worden.