Die Rothirsche sind wieder in den Aargau zurückgekehrt. Das bestätigt Erwin Jansen, Aargauer Kreisförster Freiamt-Lenzburg und selber Jäger. «Im Gebiet Kelleramt und im angrenzenden Kanton Zürich lebt derzeit ein Hirschrudel mit etwa fünf bis acht Tieren, Hirschkühe, ihre Kälber und die vorjährigen männlichen Hirsche.»

Dazu würden vereinzelte Hirschstiere kommen. Wie bei anderen Wildtieren auch, muss der Bestand wegen des eingeschränkten Lebensraums und des Fehlens von natürlichen Feinden in Zukunft nötigenfalls durch den Abschuss von einzelnen Tieren geregelt werden. Kürzlich haben die Jagdgesellschaften der Region – die Jagdreviere Arni-Islisberg, Jonen, Unterlunkhofen, Zufikon, Oberwil-Lieli und Berikon-Rudolfstetten – eine Jagdgemeinschaft gegründet und bei der kantonalen Jagdverwaltung einen Antrag auf die Bejagung der Hirsche gestellt.

In der Jagdgemeinschaft sind auch die Forstbetriebsleiter Kelleramt/Zufikon und Mutschellen sowie das Kreisforstamt vertreten; Leiter ist Urs Hoppler, Berikon. «Es findet selbstverständlich eine Absprache und Zusammenarbeit mit den Zürcher Jagdkollegen und deren Jagdbehörden statt», erklärt Jansen, «die Hirsche halten sich ja nicht an Kantonsgrenzen.»

Bereicherung und Risiko

Der Rothirsch, eines der grössten einheimischen Säugetiere, galt lange Zeit im Aargau als fast ausgestorben. Seit den 1960er-Jahren wurden nur vereinzelt Tiere nachgewiesen. Jetzt findet eine Wiederbesiedelung des Schweizer Mittellandes durch das Rotwild statt. Die Pro Natura wählte 2017 den Rothirsch sogar zum Tier des Jahres. «Mit der Wahl des Rothirschs setzt Pro Natura ein Zeichen für die Vernetzung unserer zersplitterten Landschaft», hält die Naturschutzorganisation fest.

Die Wanderrouten der Rothirsche – ihr Lebensraum ist im Sommer zuweilen Dutzende von Kilometern vom Wintereinstand entfernt – werden gemäss Pro Natura immer mehr unterbrochen, etwa durch Strassen, Schienen und Siedlungen.

Im Zusammenhang mit dem kantonalen Massnahmenplan Rotwild für die Jahre 2014/18 zog die kantonale Jagdverwaltung Pro Natura den Waldwirtschaftsverband und Jagd Aargau zur Zusammenarbeit bei. Der Massnahmenplan hält fest, dass die natürlich stattfindende Besiedlung durch den Rothirsch im Aargau zugelassen wird. «Die Wiederbesiedlung ist selbstverständlich eine erfreuliche Bereicherung der Artenvielfalt», findet auch Jansen, «andererseits werden dadurch auch Risiken wie Wildschäden oder Verkehrsunfälle verstärkt.»

Im Kantonalen Massnahmenplan Rotwild sind die Bedingungen und das Vorgehen für «einen möglichst konfliktarmen Umgang mit dem Rotwild» festgelegt. Weil Hirsche im Gegensatz zu Rehen einen viel grösseren Raumbedarf haben, erfolgt die Bejagung des Rotwilds die Jagdreviere übergreifend.

Für die Jäger ist der Hirsch eine Herausforderung. «Einerseits haben wir wenig bis keine Erfahrung, weil die wenigsten von uns schon auf der Hirsch-Jagd im besiedelten Gebiet waren», führt Jansen aus. «Andererseits reagieren Hirsche sehr sensibel auf eine Bejagung, und es handelt sich bei uns auch erst um wenige Tiere in einem grossen Gebiet.» Alle Beobachtungen über Hirsche werden gesammelt und der Sektion Jagd und Fischerei zur Kenntnis gebracht. Abschüsse aller Hirscharten sowie Fallwildmeldungen sind innerhalb 48 Stunden ebenfalls zu melden. Jetzt warten die Jäger im Kelleramt auf die Beantwortung des Jagd-Antrages durch die Sektion Jagd und Fischerei. Gesetzliche Jagdzeit für den Rothirsch ist im Aargau vom 1. August bis 31. Januar.