Wohlen
Der Heimatschutz will die Villa Dreifuss vor dem Abbruch retten

Der Eigentümer der Strohindustrie-Villa stösst mit seinen Plänen auf Widerstand. Der Aargauer Heimatschutz hat eine Einwendung gegen das Abbruchgesuch eingereicht.

Jörg Baumann
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Der Heimatschutz wehrt sich gegen den Abbruch der Villa Dreifuss.

Der Heimatschutz wehrt sich gegen den Abbruch der Villa Dreifuss.

AZ

Ein Zeitzeuge der Wohler Strohindustrie, die Villa Dreifuss an der Farnbühlstrasse 1, könnte schon bald verschwinden. Der Hauseigentümer hat bei der Gemeinde ein Abbruch-gesuch gestellt. Die Gemeinde Wohlen möchte allerdings mehrere architektonisch wertvolle Häuser, darunter auch das gesamte Villenquartier im Farnbühl samt der Villa Dreifuss,
unter Ortsbildschutz stellen.

Heimatschutz gegen den Abbruch

Das Abbruchgesuch für die Villa Dreifuss ruft den Aargauer Heimatschutz auf den Plan: Die Organisation verlangt in einer Einwendung, dass die 1898 vom Wohler Strohfabrikanten Theodor Dreifuss (1871-1950) erstellte Villa unter kommunalen Schutz gestellt wird. Der Heimatschutz lässt aber eine Tür offen: Statt dem strengen Substanzschutz, bei dem wenig Spielraum für An- und Umbauten besteht, könnte die Villa lediglich in ihrem Volumen geschützt werden. In der laufenden Revision der Nutzungsplanung Siedlung müsste gemäss Heimatschutz eine Nutzungsordnung etabliert werden, die qualitätsvolle Anbauten, Umbauten oder Ergänzungsbauten ermöglicht.

Damit müsste die Villa Dreifuss wie auch die Gartenanlage in ihren schützenswerten Grundstrukturen respektiert und erhalten werden. Der Heimatschutz sei zudem bereit, im Rahmen seiner Kompetenzen der Bauberatung zu einer «guten und realistische Lösung» beizutragen, teilt die Bremgarter Architektin Beatrix Oswald Gilomen als Regionalvertreterin des Heimatschutzes mit.

Erhaltung nicht zumutbar?

Den geplanten Abbruch der Villa Dreifuss rechtfertigt der Eigentümer mit dem schlechten Zustand des Hauses. So richteten der Hagelsturm vor einem Jahr und die Kältewelle im Januar und Februar 2011 einen derart grossen Sachschaden an, dass es dem Eigentümer nicht zuzumuten sei, die Villa wieder instand zu stellen. Grundsätzlich machte der Eigentümer über seinen Anwalt geltend, dass der Schutz der Villa unrechtmässig sei. Die beim geplanten Ortsbildschutz angewandten Kriterien hielten einer kritischen Beurteilung ohnehin nicht stand.

Der Eigentümer zeigt sich gesprächsbereit, wenn die Gemeinde den Abbruch der Villa bewilligt. In diesem Fall würde er die benachbarte Villa Goldschmidt, in der er wohnt, für die Nachwelt erhalten. Zudem würde er bei einem Entgegenkommen das Umgelände nach den planerischen Vorstellungen der Gemeinde schonungsvoll überbauen lassen. «Ein solches Vorgehen würde für alle Beteiligten Mehrwerte schaffen und Reibungsverluste vermeiden», teilte der Anwalt dem Gemeinderat mit.

Die Bestimmungen für den Ortsbildschutz sind noch nicht rechtskräftig. Sie sollen bei der laufenden Revision der Bau- und Nutzungsordnung umgesetzt werden. Klar ist aber: Der Ortsbildschutz birgt viel Konfliktstoff. Es ist absehbar, dass sich weitere Hauseigentümer gegen die beabsichtigten Schutzbemühungen zur Wehr setzen werden.