«Die Wogen werden sich wieder glätten», kommentierte die AZ im Juni 2016. Die Hoffnungen waren berechtigt. Nach jahrelangen und intensiven Diskussionen um den – inzwischen liquidierten – Verein Jugendfürsorge Bremgarten (JFV) sowie um die Übernahme seiner Dienstleistungen durch den Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD) war die Institution wieder auf Kurs.

Es waren neue Satzungen bewilligt worden, welche die Integration des JFV-Beratungsangebotes regelten und die Abgeordnetenversammlung hatte sich auch auf eine «Ein-Standort-Strategie» geeinigt. Von der Konzentration aller vom KESD erbrachten Dienstleistungen in einem neuen Bürogebäude an der Breitistrasse in Wohlen versprach man sich die Vereinfachung der Betriebsabläufe, die Vermeidung von Doppelspurigkeiten sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Sicherheit für das Personal und – nicht zuletzt – auch eine Reduktion des administrativen Aufwandes.

Es war alles andere als einfach gewesen, mit dem Schiff «Soziale Dienstleistungen im Bezirk Bremgarten» wieder ruhigere Gewässer zu erreichen. Vielenorts lagen die Nerven blank, die Emotionen waren auch an den Abgeordnetenversammlungen spürbar und letztlich kehrten fünf Gemeinden der Institution gar den Rücken. Der ganze Aufwand und die Anstrengungen der verschiedenen Projektbeteiligten schienen sich gelohnt zu haben. Zwar musste in der KESD-Rechnung 2017 eine Budgetüberschreitung von vier Prozent ausgewiesen werden. Das war vor allem auf den Umzug sowie auf zusätzliche Personalkosten im Zusammenhang mit der Integration der JFV-Dienstleistungen zurückzuführen. Aber es gab auch Erfreuliches: Der neu organisierte KES-Dienst hatte die Betriebskosten im Griff und den finanziellen Aufwand pro Mandat gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent senken können. Und das, ohne dass Leistungen gegenüber seinen Klienten darunter gelitten hatten. So zumindest wurde das im Jahresbericht kommuniziert, und bisher hat niemand dagegengehalten.

Ignaz Heim, seit rund vier Jahren KESD-Geschäftsführer, hatte somit die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt. Er war einst vor allem deshalb angestellt worden, weil man im Freiamt einen Mann mit Manager-Qualitäten suchte, der die angeschlagene Organisation wieder auf Vordermann bringen konnte.

Heim war es auch, der zusammen mit engagierten Vorstandsmitgliedern von JFV und KESD unermüdlich daran gearbeitet hatte, das Sozial-Dienstleistungsunternehmen operativ und organisatorisch wieder auf eine gesunde Basis zu stellen und so das Vertrauen der zeitweise stark verunsicherten Verbandsgemeinden wieder herzustellen. Das schien gelungen. Verschiedene Gemeinden, die sich damit befasst hatten, es Arni, Islisberg, Oberlunkhofen, Oberwil-Lieli und Rudolfstetten gleichzutun, die 2016 dem Verband den Rücken gekehrt hatten, blieben bei der Stange und machten so die Organisation überlebens- und zukunftsfähig.

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Ignaz Heim ist ein selbstbewusster Macher. Ein Mann mit Prinzipien zudem und vor allem einer, der den KESD nicht als Wohlfühloase für Mitarbeitende, sondern als effizienten und professionell arbeitenden Dienstleistungsbetrieb sieht. In seinen Augen soll der KESD zwar in erster Linie seinen Klienten zu ihren wohlverdienten Rechten verhelfen, anderseits aber auch so aufgestellt sein, dass die Gemeinden zufrieden sind. Die Kosten dürfen nicht ins Uferlose wachsen und wenn sie wachsen, müssen sie sehr gut begründet sein.

Ein Spagat, der Heim offenbar letztlich nicht gelungen ist. Zwar hüllen er und der KESD-Vorstand sich in Schweigen und verweisen auf ein Stillhalteabkommen. Dennoch ist durchgesickert, dass nicht alle Mitarbeitenden beim KESD mit seinem konsequenten und zum Teil vielleicht manchmal auch etwas zu rigoros empfundenen Führungsstil leben konnten. Einige Unzufriedene haben ihren Unmut gegenüber dem Vorstand kundgetan und sollen dabei auch die Absetzung des Geschäftsführers gefordert haben.

Was macht ein Vorstand in einer solchen Situation? Da ist Ignaz Heim, der seinen Job als Geschäftsführer in struben Zeiten bestens gemeistert und damit die vom Vorstand bei der Anstellung in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt hat. Und da sind Mitarbeitende, denen es nicht mehr wohl ist, weil sie sich vom Chef nicht angemessen behandelt oder sogar in ihren Aufgaben zu eng geführt fühlen. Der Vorstand hat offenbar das für ihn kleinere Übel gewählt. Er hat Ignaz Heim freigestellt, um damit zu verhindern, dass der KESD personell ins Schlingern gerät. Dazu muss man wissen: Der Markt für fähige Berufsbeiständinnen und Berufsbeistände ist zurzeit völlig ausgetrocknet.

Ignaz Heim muss nun sein Büro räumen. In die Büros an der Breitistrasse kehrt damit (vielleicht) die erwünschte Wohlfühlatmosphäre zurück. Ob die Verbandsgemeinden ob des Vorgehens des Vorstandes und des von ihm erbrachten Bauernopfers von der gleichen Behaglichkeit erfüllt sind, bleibt abzuwarten.