Villmergen
Der Güggibueb hat seine feurigen 68er-Kleider wieder abgelegt

Zuerst tanzten sie noch einmal ihre eigens für diesen wilden Jahrgang einstudierte Choreografie. Doch weder Bassgewummer noch strahlendstes Guggengeschmetter vermochte die aufkeimende Traurigkeit in den 68ern von Villmergen (plus zwei Wohlern!) gänzlich zu unterdrücken.

Christian Breitschmid
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Der Güüggibueb war «Füür und Flamme» für die Fasnacht 2018.

Der Güüggibueb war «Füür und Flamme» für die Fasnacht 2018.

Andrea Weibel

Die Abhöslete des Güggibueb liess sich nicht länger aufschieben. Vor nicht ganz einer Woche hatten sie ihn, gemäss ihrem Fasnachtsmotto «Füür und Flamme» für den Schmutzigen Donnerstag und die fröhlichen Tage danach zurechtgemacht (AZ vom 9. Februar). In sämtlichen Rottönen leuchtete die fasnächtlich gewandete Brunnenfigur von Jules Jäggi mitten aus Villmergens Zentrum heraus. Um ihn herum tobte die Fasnacht und niemand am Fusse des Rietenbergs dachte an ein Morgen.

Doch dann spielte die Gugge den Fahnenmarsch und – fasnächtlich verquer – wurde kein Stoff aufgezogen, sondern genau das Gegenteil passierte. Stück für Stück verlor der Güggibueb seine feurigen Kleider und steht nun bis zur Fasnacht 2019, wenn ihn der Jahrgang 1969 wieder neu umgarnt, so da, wie sein Bildhauer ihn erschuf.

Noch einmal stiessen die 68er-Gügger in ihre selbst geschnitzten Kuhhörner. Ein 43-faches Dü-dü-düüü trötete traurig durch die kalte Winternacht, und als dann auch noch «Time To Say Goodbye» aus den Boxen dröhnte, da gab es für die Jahrgänger kein Halten mehr. In einem grossen Kreis wiegten sie sich zu den wehmütigen Klängen und die eine oder andere Träne funkelte im Widerschein des Feuerwerks, das hinter dem nunmehr blossen Gügger in Villmergens Himmel schoss.