Bremgarten
Der grösste Trumpf der einheimischen Fischzucht ist das Quellwasser

Thomas Rüppel hat mit nachhaltig gezüchteten Forellen und Saiblingen Erfolg am regionalen Markt. Und das, obwohl das Gros der Fische für den Schweizer Markt aus dem Ausland importiert wird.

Lukas Schumacher
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«Wir wollen qualitativ weiter zulegen»: Inhaber Thomas Rüppel auf der Anlage vor dem neuen Betriebsgebäude aus Holz.

«Wir wollen qualitativ weiter zulegen»: Inhaber Thomas Rüppel auf der Anlage vor dem neuen Betriebsgebäude aus Holz.

Lukas Schumacher

In der Schweiz wird heute doppelt so viel Fisch gegessen wie vor 25 Jahren. Schlägt die stark gestiegene Nachfrage nach Fisch auch auf die kleine Fischzucht Bremgarten durch? «Nein, das trifft nicht zu», sagt Inhaber Thomas Rüppel, «denn bloss vier bis fünf Prozent der konsumierten Fische stammen aus einheimischer Produktion.» Der grosse Rest werde importiert (unter anderem vom grossen Schweizer Importeur in der Nachbargemeinde Zufikon), die Mengenausweitung betreffe hauptsächlich die Importfische.

Importierte Fische bietet die idyllisch mitten im Bremgarter Vogelsang-Wohnquartier liegende Fischzucht nur zur Ergänzung ihres Sortiments an. Kerngeschäft des Kleinbetriebs mit den drei Angestellten sind die Aufzucht und der Verkauf von einheimischen, frischen Regenbogenforellen, Saiblingen, Bach- und Lachsforellen. Zudem werden auch Besatzfische verkauft, die in natürliche Gewässer eingesetzt werden. Der jährliche Gesamtumsatz des Kleinbetriebs liegt bei rund 500'000 Franken. Abnehmer der Fischprodukte sind Direktkunden, Restaurants, Coop-Filialen, Käsereiläden und weitere Verkaufslokale.

Naturnahe Produktion

Gutes Geld verdient Rüppel mit der Aufzucht und dem Verkauf der Fische nicht. Seine Familie könnte er mit dem Betrieb der Anlage nicht durchbringen. Der Bremgarter hat andere Einnahmequellen, so als weltweiter Berater für Infrastrukturen auf Flughäfen, als Verwaltungsrat einer Immobilienfirma oder Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Zufikon-Bremgarten.

Er sei seit Kindsbeinen an besessen von der Fischerei, gibt Rüppel zu verstehen. «Diese Passion kann ich auf der Anlage ausleben und zugleich naturnah wie auch tiergerecht produzieren, was mir sehr wichtig ist.» Fütterungen und Kontrollgänge an einem Sonntag seien für ihn keine Pflichtübungen, sondern beschauliche, vergnügliche Momente.

Vor 12 Jahren bot sich Rüppel die Chance, die Anlage zu kaufen. Er griff beherzt zu, auch im Wissen, dass alle Fischbecken und der Mühlebach auf dem Fischzuchtgelände von Quellwasser mit Trinkwasserqualität gespeist werden. «Das Quellwasser ist wohl unser grösster Trumpf.»

Die Wassertemperatur betrage das ganze Jahr konstant 13 Grad. Zufrieden stimme ihn die Nachhaltigkeit seiner Produktion. In den Fischbecken der kleinen Zucht schwimmen weitaus weniger Fische, als es die Richtlinien von Bio Suisse gestatten würden, und den Tieren wird ausschliesslich biologisch erzeugtes Futter verabreicht.

Mit Heiss- und Kalträucherei

Rüppel hat seine Anlage für rund eine Million Franken modernisiert, um mengenmässig, vorab aber qualitativ einen Zacken zuzulegen. Die mickrige, alte Verkaufs- und Produktionsanlage im «Vogelsang» hat einem stattlichen zweistöckigen Betriebsgebäude aus Holz Platz gemacht.

Zudem sind die Fischbecken saniert worden. Das neue Betriebsgebäude weist im Erdgeschoss nebst einem kleinen Verkaufsladen und einem Kühlraum eine Heiss- und Kalträucherei auf, eine kleine Kommissionsecke sowie komfortable Räumlichkeiten samt Gerätschaften für eine hygienisch einwandfreie Fischzubereitung. Am 14./15. März kann man das neue Gebäude und die Anlage anlässlich «Tagen der offenen Tür» besichtigen, und zwar am Samstag von 13 bis 16 Uhr sowie am Sonntag von 11 bis 15 Uhr.