Missbrauchsfall
Der geschnappte Kindsentführer Pablo S. wohnte in Wohlen

Ein 31-jähriger Mann aus dem Kanton Aargau hat ein 14-jähriges Mädchen gegen dessen Willen festgehalten, entführt und missbraucht. Nun sitzt der junge Mann in Untersuchungshaft. Er hat ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Lea Durrer und Oliver Baumann
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Pablo S. der Entführer

Pablo S. der Entführer

AZ

Die Kantonspolizei Aargau hat den Täter einer Kindsentführung gefasst. Das Opfer sei auch missbraucht worden, sagte Polizeisprecher Roland Pfister an einer Medienkonferenz vom Freitag.

Der Fall hatte es sich am vergangenen Wochenende zugetragen.

Mit Angebot zum Babysitten angelockt

In der Nacht auf Samstag reichte eine Mutter bei der Polizei eine Vermisstmeldung nach ihrer 14-jährigen Tochter ein.

Das Mädchen hatte im Internet über eine Babysitter-Vermittlungagentur einen jungen Mann kennen gelernt, der angeblich eine Betreuung für das Baby seiner Schwester suchte. Die beiden hatten zuvor offenbar schon wochenlang gechattet und waren am Samstagnachmittag in Unterentfelden verabredet.

Der nach Behördenangaben 31-jährige Mann wollte die 14-Jährige zur Wohnung seiner Schwester in Wohlen zu fahren.

Als sie gegen Mitternacht noch nicht zu Hause war, meldete die Mutter ihre Tochter bei der Polizei als vermisst. Die Kantonspolizei alarmierte sofort sämtliche Patrouillen.

Pablo S. ist vorbestraft

Wie frühe Ermittlungen der Polizei ergaben, handelt es sich bei Pablo S. um einen polizeilich bekannten und bereits vorbestraften Mann. Der in Wohlen wohnhafte Mann ist wegen Vermögensdelikten, nicht aber wegen Sexualstrafen vorbelastet.

In der Wohnung des Mannes fand die Polizei dann mehrere Gegenstände, die auf eine Entführung hinwiesen.

Das Interesse der Medien an dem Fall war gross (Fotos: Emanuel Freudiger)
5 Bilder
Zahlreiche Kamerateams waren anwesend
Kripo-Chef Urs Winzenried informierte die Medien
Anwesend war auch Staatsanwalt Ueli Bruder
Ein Polizeibild von Pablo S.

Das Interesse der Medien an dem Fall war gross (Fotos: Emanuel Freudiger)

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Auf die Spur des Täters kam die Polizei durch die Befragung des Vaters des jungen Mannes im Raum Zürich. Dieser gab an, einen familieneigenen Wohnwagen im Tessin zu besitzen.

Die eingeschaltete Tessiner Polizei fand im besagten Wohnwagen die gesuchten Personen allerdings nicht.

Fahndung nach dem Fahrzeug

Bei einer gezielten Fahrzeugsuche stiess die Tessiner Polizei dann aber auf den Entführer und das Mädchen. Die 14-Jährige war unverletzt, wurde aber nach Rückführung in den Kanton Aargau ins Spital zur Kontrolle gebracht.

Dem Opfer gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte Staatsanwalt Ueli Bruder. Die Jugendliche und ihre Angehörigen werden betreut.

Mädchen für sich gewinnen

Pablo S. befindet sich in Haft. Wie er am Montag in seinem umfassenden Geständnis angab, wollte er mit der Annonce an Mädchen im Teenageralter herankommen und diese für sich gewinnen, erläuterte Staatsanwalt Ueli Bruder.

Ermittlungen der Polizei ergaben, dass der Täter auch schon mit anderen Mädchen über die Babysitter-Agentur gechattet habe. Die Polizei sucht nun weitere Opfer.

Erster komplexer Fall in neuer Strafprozessordnung

Gemäss Kripo-Chef Urs Winzenried habe sich bei diesem Entführungsfall um einen der ersten komplexen Fälle im Rahmen der neuen Strafprozessordnung gehandelt.

Das vermisste Mädchen habe nur durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen der Polizei und der Staatsanwaltschaft so rasch befreit werden können, betonte Winzenried.

Der Fall habe einmal mehr die Gefahren des Internets aufgezeigt - und hätte auch tödlich enden können.