Wohlen

«Der Gemeinderat ist nach wie vor bürgerlich»

Dieter Gerber wohnt heute in Villmergen und beobachtet die Wohler Politik aus der Distanz.

Dieter Gerber wohnt heute in Villmergen und beobachtet die Wohler Politik aus der Distanz.

Der 11. Februar ist für die Wohler Sozialdemokraten ein besonderes Datum. Heute nimmt Arsène Perroud (SP) an seiner ersten Gemeinderatssitzung teil – und genau heute vor 28 Jahren wurde Dieter Gerber, der letzte Vertreter der SP im Wohler Gemeinderat, für sein Amt vereidigt.

Obwohl die SP nun wieder in der Wohler Exekutive vertreten ist und Perroud von CVP, GLP und Grünen breit unterstützt wurde, hält Gerber fest: «Der Wohler Gemeinderat ist nach wie vor bürgerlich.»

Wie heute Perroud wurde damals auch Gerber bei einer Ersatzwahl in den Gemeinderat gewählt. «Ich kam für den SP-Vertreter Alfred Fischer in den Rat, der zurückgetreten war», erinnert sich Gerber. Der damals 43-Jährige setzte sich gegen den Freisinnigen Werner Rothlin durch – ähnlich wie Arsène Perroud, der am 27. Januar dieses Jahres den FDP-Kandidaten Koni Gfeller, den Sieger des ersten Wahlgangs, klar überflügelte.

SP stellte zwei Gemeinderäte

Gerber war 1985 aber nicht der einzige SP-Vertreter im Gemeinderat, wie Perroud heute. Der heute 70-Jährige sass nach seiner Wahl zusammen mit Hans Flory im Gemeinderat. «Damals war die SP politisch sehr stark, als ich 1978 in den Einwohnerrat gewählt wurde, zählte unsere Fraktion acht Mitglieder.»

Danach schrumpfte die SP-Vertretung im Einwohnerrat allerdings, bei den Wahlen 1993 und 1997 holten die Sozialdemokraten nur noch drei Sitze. Ab 1997 war die SP nicht mehr im Wohler Gemeinderat vertreten – obwohl Gerber seinen Sitz problemlos verteidigte. «Die Partei nominierte für die Wahlen 1997 zwei andere Mitglieder, ich kandidierte wild und wurde klar wiedergewählt», erinnert sich Gerber. Nach 20 Jahren im Gemeinderat wurde Dieter Gerber 2005 nicht mehr wiedergewählt.

Keine Tipps für Arsène Perroud

Heute lebt er zusammen mit seiner Frau in Villmergen und beobachtet die Wohler Politik nur noch aus der Distanz. «Ich habe mich gefreut über die Wahl von Arsène Perroud, aber politische Tipps muss ich ihm keine geben», schmunzelt er. Gerber ist überzeugt: «Arsi hat alles richtig gemacht, gerade, weil er auch bei heiklen Themen Farbe bekannt hat.» Es habe ihm nicht geschadet, dass er offen für höhere Steuern und Tempo 30 eingestanden sei. «Das Volk weiss nun, woran es ist – und kann trotzdem noch darüber abstimmen.»

Zur aktuellen Situation in Wohlen sagt Gerber: «Die Gemeinde tritt an Ort, es wird oft über Kleinigkeiten debattiert.» Insbesondere missfällt ihm Fundamentalopposition: «Viele sagen heute einfach Nein, präsentieren aber keine besseren Vorschläge.»

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