Vielseitig, das ist vermutlich das passendste Wort, um «Mäni de Amme», bürgerlich Meinrad Baur, kurz zu beschreiben. Neben seiner Familie spielen sein Beruf, die Politik und natürlich die Fasnacht wichtige Rollen im Leben des Zunftmeisters der Heuröpfler, der gleichzeitig der Gemeindeammann von Sarmenstorf ist. Ausserdem wären da noch die Hobbys Skifahren, Kochen und Segeln zu nennen. «Ich versuche immer, mir das Wochenende für meine Frau und unsere beiden Töchter freizuhalten», erzählt er und fügt lachend hinzu: «Für Fernsehen bleibt dann allerdings kaum Zeit.»

Fasnacht seit der Kindheit

Wahrscheinlich habe er das Fasnachts-Gen, vermutet Baur. Schliesslich wurde er am Fasnachtssamstag 1965 geboren. An der damaligen Fasnacht lud die Heuröpfel-Zunft erstmals zum inzwischen legendären Zunftball, der damals noch im schon lange abgebrochenen «Adlersaal» stattgefunden hat.

Doch damit nicht genug. «Die Begeisterung für die Fasnacht habe ich von meiner Mutter geerbt. Sie stammte aus der Faschingshochburg Rheinhausen/Rust.» Vor fünf Jahren war die Heuröpfel-Zunft in dieser Region zu Gast, am Narrentreffen in Lahr, an dem auch Mänis Verwandtschaft am Grossen Umzug dabei war. So konnte er auch wieder einmal an der Fasnacht mit ihnen anstossen. So «vorbelastet» machte ihm die bunte Narrenzeit als Bub natürlich viel Freude. Im Dorf habe es unter den Kindern Neckereien gegeben, die Scheune beim Schnyderli Toni sei ihr Versteck gewesen, erinnert sich der amtierende Zunftmeister schmunzelnd.

In diesem Jahr feiert die Heuröpfler-Zunft ihr 55-Jahr-Jubiläum. Vor gut einem Jahr habe der Zunft-Präsident Heinz Joho bei ihm angefragt, ob er Zunftmeister sein möge. «Das ist ja ein Ehrenamt, ich bin froh, darf ich es mal ausüben.» Das Jubiläum mache es noch etwas spezieller. Allerdings sei es gar nicht geplant gewesen, dass er sowohl als Gemeindeammann als auch als Zunftmeister fungiere. Aber dann musste der vorherige Ammann Bruno Winkler (CVP) aus gesundheitlichen zurückgetreten und Meinrad Baur wurde im letzten Sommer in das Amt gewählt, zuvor war er bereits fünf Jahre Vizeammann. Der gelernte Elektroniker trat 1992 in die FDP ein, seit 2005 ist er im Gemeinderat. Nun versuche er, seine Ämter und den Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Plakette im 3D-Verfahren

Sein Beruf und seine Leidenschaft für Technik beeinflussen auch die Fasnacht. 1990 gründete Baur seine Firma NOW-Consulting AG, die Apps für Drucker entwickelt. Grosses Interesse habe er für 3D-Drucker. Und so entstand die Idee, die Fasnachtsplakette im 3D-Druckverfahren herzustellen. «Wir haben etwa drei Monate gebraucht, um die Idee umzusetzen.» Bei der Umsetzung der Idee konnte er auf Unterstützung zählen. Die Fertigung zum Beispiel übernahm Marcus Risi, dessen Firma 3D-Prototyp GmbH ist auch für die neuen Helme der Schweizer Garde im Vatikan zuständig - eine spannende Verbindung. «Einige der Plaketten wurden sogar zusammen mit einem Helm gedruckt», informiert der Zunftmeister, zückt sein Smartphone und sucht ein Video. Der kurze Film zeigt, wie aus einem Kunststoff-Kubus die Plaketten im 3D-Verfahren hergestellt werden. «Und in so einem Würfel für einen Helm war noch Platz für unsere Plaketten.»

Die vier bunten Konfetti auf dem Emblem haben einen bestimmten Hintergrund. «Damit sollen unsere vier Fasnachtsgruppierungen hier im Dorf symbolisiert werden.» Mäni Baur kennt sie alle gut. Mit 18 Jahren spielte er in der Gugge OPUS mit, die Variété-Gesellschaft ist ihm gut bekannt. Viele seiner Kollegen wurden in den 1990-er Jahren Mitglieder der Heuröpfel-Zunft. «Sie animierten mich, auch dort einzutreten. Das war 1998, im Jahr 2000 wurde ich bereits Revisor.» Der Verein freue sich, dass viele Heuröpfler-Gugger ebenfalls ihren Weg in die Zunft finden. «Zum Glück haben wir momentan keine Nachwuchssorgen.»

Fasnachtshochburg im Freiamt

Sarmenstorf sei seiner Meinung nach im Freiamt eine Fasnachtshochburg, allein schon wegen der vier Gesellschaften. «Die Guggen sind sehr aktiv und ziehen Leute aus anderen Regionen an», stellt Baur fest. Die Gemeinde stehe hinter diesen Traditionen und pflege sie auch: «Den Druck des Fasnachtskalenders unterstützen wir gern.»

Im Vergleich zu früheren Jahren seien die Guggen gewachsen und das Feiern mehr geworden. «Die Heuröpfelparty ist inzwischen legendär.» Und weil die Fasnacht in Sarmenstorf sehr ausgiebig gefeiert wird, finden in diesem Jahr die Jubiläumsveranstaltungen der Zunft schon ein wenig eher statt. «Die Eröffnung der 55-h-Bar am 15. Februar soll ein Dorfabend werden, wir hoffen auf zahlreiche Besucher, die mit uns feiern.» Der Umzug ist ein weiterer Höhepunkt, dem der Zunftmeister mit Spannung entgegensieht. Überhaupt sei die Fasnacht eine schöne Zeit, die Bekanntschaften mit anderen Gesellschaften zu pflegen. Als Genussmensch freue er sich ausserdem auf den Zunftball am 1. März. «Dafür haben wir neulich bereits Weine degustiert. Am Ball stellen wir dann die zwei Zunftmeisterweine vor, einen weissen und einen roten», erklärt er mit einem Lachen.

Bis dahin dauert es noch ein wenig, doch die Agenda sei gut gefüllt. «Morgen bauen wir noch etwas an unserem Umzugswagen und danach geht es mit der Familie in die Ferien nach Engelberg.» Auf dem Weg dorthin will Mäni de Amme in Stans ausserdem weitere 3D-Fasnachtsplaketten abholen.