Wohlen
Der Freiämter Kaya Inan schneidet Filmszenen – und zwar so gut, dass er den Schweizer Filmpreis erhielt

Für den Dokumentarfilm «Above and Below» erhält Kaya Inan (33) den Schweizer Filmpreis für den besten Schnitt.

Andrea Weibel
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Der Wohler Filmschneider Kaya Inan (links) und Regisseur Nicolas Steiner mit ihren Filmpreisen für «Above and Below».

Der Wohler Filmschneider Kaya Inan (links) und Regisseur Nicolas Steiner mit ihren Filmpreisen für «Above and Below».

AZ

Kaya Inan ist glücklich. Mit dem Dokumentarfilm «Above and Below» war der 33-Jährige zusammen mit seinem Team in zwei Kategorien für den Schweizer Filmpreis nominiert. «Wir waren zweimal nominiert und haben dreimal gewonnen», sagt er voller Freude.

Tatsächlich erhielt der Film, der schon an zahlreichen Festivals Preise abgeräumt hat, sowohl in der Sparte bester Dokumentarfilm als auch beste Montage den Schweizer Filmpreis, wurde darüber hinaus aber auch noch mit dem Spezialpreis für seinen Filmtonmeister Jacques Kieffer geehrt.

«Ein Film ist nie das Werk eines Einzelnen, sondern des Teams. Darum freut es mich umso mehr, dass wir gleich drei Auszeichnungen erhalten haben. Und darum ehren diese drei Preise uns alle. Es ist grandios», freut sich Inan von Herzen.

Alles begann mit «Charlie»

Der Grundstein für diesen Erfolg wurde vermutlich vor über zwölf Jahren gelegt. Damals besuchte Kaya Inan noch die Kanti in Wohlen. In der Zeitschrift eines Supermarktes suchten die Filmemacher der Schweizer Militärkomödie «Achtung, fertig, Charlie!» nach Laienschauspielern. Inan meldete sich spontan an und erhielt prompt die Rolle des schwulen Rekruten Weber.

Am Set entstand eine Freundschaft mit einem anderen Schauspieler, der den kiffenden Rekruten Schlönz darstellte. Die Freundschaft hielt bis heute und hat bereits zu verschiedenen grossartigen Projekten geführt: Denn «Schlönz» war kein anderer als Nicolas Steiner, Regisseur von «Above and Below».

«Damals hatte ich keinerlei schauspielerische Erfahrung. Mich hat das Filmemachen aber generell interessiert. Durch Ausprobieren und verschiedene Praktika merkte ich, dass mir das Filmeschneiden am besten gefällt», erinnert sich Kaya Inan an seinen Werdegang. Er erinnert sich: «Meine erste Schnittassistenz habe ich bei Mike Schaerer für ‹Herbstzeitlosen› gemacht.» Und ebenjener Schaerer wurde nun neben Inan für die beste Montage, also den besten Filmschnitt, nominiert. Dabei war Inan in dieser Sparte gleich zweimal nominiert, für «Above and Below» und für «Haimatland».

Sesamringbrotverkäufer

Doch was macht das Filmeschneiden eigentlich aus? «Es ist nicht leicht zu erklären. Man kann sagen: Wenn einen ein Film emotional packt und man sich komplett hineinfühlen kann, dann war der Schnitt gut», lacht Inan. «Schnitte sollte man nicht bemerken, das ist die Kunst.» Es sei nicht nur ein Handwerk, sondern man müsse sich auch vertieft mit dem Thema beschäftigen, um die Emotionen des Rohmaterials herauszufiltern und die Magie des Films fliessen lassen zu können. So war Kaya Inan auch bei den gesamten Dreharbeiten von «Above and Below» mit dabei, zwei Monate sogar als Koch. «Ich koche eben gern», sagt er schmunzelnd. Als kleiner Junge wollte er Sesamringbrotverkäufer werden, doch davon ist der talentierte Künstler glücklicherweise abgekommen.

Spezielle Schicksale im Film

«Das Schöne an meiner Arbeit ist, dass ich mich mit mir unbekannten Themen intensiv auseinandersetzen muss.» Bei «Above and Below» waren dies spezielle Erfahrungen. Im preisgekrönten Dokumentarfilm geht es um Überlebenskünstler in einer Welt voller Herausforderungen und Schönheit. Rick und Cindy leben in den Flutkanälen unter den funkelnden Strassen von Las Vegas, Dave in einem verlassenen Bunker im ausgetrockneten Niemandsland, und April geht in der steinigen Wüste Utahs auf ihre Marsmission.
Aber was genau macht Inans Schnitt denn nun im Film aus? «Das kann ich nicht mit Worten beschreiben, dazu muss man schon ins Kino gehen. Aber am Besten versucht man dann nicht, sich auf den Schnitt zu konzentrieren, sondern geniesst einfach den Film.»