In der Küche des Wohler Wohn- und Pflegeheimes Bifang klappert Geschirr, Abwaschmaschinen rauschen. Es ist voller als sonst. Ein Koch balanciert ein Tablett über die Köpfe von sechs Schülerinnen und Schülern aus der zweiten Oberstufe hinweg. Die Jugendlichen helfen, die Appenzeller Kässchnitten für das Abendessen vorzubereiten. «Für alte Menschen kann man nicht gleich kochen wie für junge», erklärt Küchenchef Ignaz Lang. Deswegen werden die Schüler angewiesen, die Rinden der Brotstücke abzuschneiden. Sie machen sich mit konzentrierten Gesichtern an die Arbeit, schneiden Brot und bestreichen die Schnitten. Die Oberstüfler haben alle etwas gemeinsam: Sie interessieren sich für den Beruf Koch oder Köchin.

Im Rahmen der vierten Berufsinfotage, organisiert von Berufe Wohlen+, hatten die Schüler gestern und vorgestern die Möglichkeit, einen Blick in den Alltag verschiedener Berufe zu werfen. «Ich finde das eine ganz gute Sache», sagt Lang.» Man merkt, dass ihm sein Beruf Freude bereitet und er diese gerne an die Schüler weitergibt.

Der Chefkoch zeigt den Jugendlichen die Küche und den Speisesaal, erklärt das Menü und gibt Auskünfte zur Ausbildung. Die Schüler wirken noch etwas eingeschüchtert, hören aber aufmerksam zu. Sie haben eine klare Vorstellung, welche Fragen sie, nach den eineinhalb Stunden im Pflegeheim beantwortet haben möchten. «Was anstrengender und was leichter an diesem Beruf ist, welche Arbeitszeiten man hat und wie viel man verdient», will Flavio aus Wohlen wissen. Noah aus Niederwil sagt dazu: «Man sieht immer nur das Essen, ich möchte hinter die Kulissen sehen.»

Auch Frauen können schreinern

«Was willst du werden?», fragt Seniorchef Hans Schmid aus der Schmid Schreinerei in Villmergen die Schülerin Svenja aus Niederwil. Ihre Antwort ist ein Verlegenes: «Weiss noch nicht.» Schmid nickt und antwortet: «Deshalb machen wir ja diese Tage.» In der Werkstatt können Svenja und sieben andere Schüler für eineinhalb Stunden den Beruf Schreiner erkunden. Schmid erklärt die Vor- und Nachteile. Einer der Nachteile sei zum Beispiel, die Lärmbelastung und die schwere Arbeit. Man müsse einen guten Körperbau haben, das sei aber kein Hinderungsgrund für Frauen, betont er. Für Svenja ist es das auf keinen Fall: «Ich finde es cool hier, mit Holz zu arbeiten ist spannend», sagt die Schülerin. Bis jetzt gefällt ihr aber der Beruf Bäcker-Konditor am besten.

Vom Holzklotz zum Stiftehalter

Schmid stellt den Jugendlichen einige Fragen zum Beruf, die meisten werden vom Schüler Lauren aus Villmergen beantwortet. Es gefalle ihm gut und er könne sich auch vorstellen, Schreiner zu werden, erzählt er. In den Schulferien will er eine Schnupperlehre in dem Beruf absolvieren. Auch sein Kollege Angelo aus Villmergen zieht den Beruf des Schreiners in Betracht.

Nun dürfen die Oberstüfler selber Hand anlegen und ihren eigenen Stiftehalter aus Holz machen. Alle Schritte vom Einzeichnen und Bohren bis zum Schleifen erledigen sie selbstständig. Hans Schmid und Lehrling Peter Busslinger helfen jedoch beim Bohren und geben Ratschläge.

Den Eltern fehlt die Zeit

Genau wie Svenja antworten viele Schüler auf Fragen zu ihren Berufszielen mit: «Keine Ahnung.» Das möchte Ruth Salzmann, Vorsitzende und Initiantin von Berufe Wohlen+, ändern. Sie war schockiert, wie viele Jugendliche ein zehntes Schuljahr absolvieren, und beschloss deshalb, dass es in Wohlen ein besseres Angebot benötige, um bei der Berufswahl zu unterstützen. Über die Beweggründe, die zur Organisation der Berufsinfotage führten, sagt Salzmann: «Vielen Eltern fehlt einfach die Zeit oder sie haben sprachliche Probleme.» Deshalb sollen die Berufsinfotage die werdenden Erwachsenen unterstützen. «Den Schülern soll der erste Schritt in die Berufswelt ermöglicht und der Druck von den Eltern genommen werden», erzählt Salzmann. «Aus diesen Tagen sind auch schon effektive Lehrverträge entstanden.»