Wohlen
Der Entscheid über die sechs Mini-Einzonungen naht

Der Gemeinderat überweist die Revision der Nutzungsplanung an den Einwohnerrat. Bereits im kommenden Frühling soll der neue Plan rechtskräftig sein. Die jüngsten Einschränkungen des Kantons sind nicht überall gut angekommen.

Dean Fuss
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Der Gemeinderat hat das Gebäude an der Steingasse 47 in Wohlenfür die Vorlage aus der Unterschutzstellung gestrichen.Lis

Der Gemeinderat hat das Gebäude an der Steingasse 47 in Wohlenfür die Vorlage aus der Unterschutzstellung gestrichen.Lis

Heute in einem Monat, am 4. November, berät der Wohler Einwohnerrat an einer ausserordentlichen Sitzung über die Revision des Nutzungsplanes der Gemeinde.

Läuft alles nach Plan, soll der neue Bauzonenplan im Frühling des kommenden Jahres rechtskräftig sein und angewendet werden können. Dies lässt der Gemeinderat im «Bericht und Antrag – Nutzungsplanung Siedlung Revision Bauzonenplan» verlauten.

Der heutige Bauzonenplan der Gemeinde Wohlen stammt aus dem Jahr 1979. Seither ist der Plan mehrfach angepasst worden. Die öffentliche Auflage der Revision des Bauzonenplans fand nach einem langen Prozess inklusive eines öffentlichen Mitwirkungsverfahrens vom 10. Juni bis zum 10. Juli dieses Jahres statt.

Ursprünglich hatte die Gemeinde 14,5 Hektaren Land zur Einzonung vorgesehen. Diese Pläne hat der Grosse Rat allerdings durchkreuzt: Ende August strich das kantonale Gremium die Einzonungsfläche auf 3,1 Hektaren – also rund 20 Prozent der von Wohlen eingeplanten Fläche – zusammen.

Von den neun geplanten Einzonungsgebieten waren noch deren sechs übrig geblieben. Eine Absage hatte der Grosse Rat dem für Sportanlagen bestimmten Gebiet Niedermatten (7,5 Hektaren), dem für die Gewerbezone bestimmten Gebiet Anglikerstrasse Nord (3,2 Hektaren) und dem für die Wohnzone bestimmten Gebiet Lochmatt (0,7 Hektaren) erteilt.

Und das, obwohl sich der Aargauer Regierungsrat im Vorfeld der Beratungen im Grossen Rat hinter die Einzonungspläne gestellt hatte, wie der Wohler Gemeindeammann Walter Dubler im Juni gegenüber der az verlauten liess.

Anderer Weg war nicht möglich

Dass der Kanton eine geplante Einzonung dermassen beschneidet, bevor der Wohler Einwohnerrat überhaupt dazu befragt worden ist, ist nicht bei der ganzen Bevölkerung der Gemeinde gut angekommen.

Doch wäre der umgekehrte Weg nicht gangbar gewesen, wie Wohlens Gemeindeschreiber Christoph Weibel auf Anfrage der az erklärt. «Bevor der Einwohnerrat über die Revision der Nutzungsplanung entscheiden kann, muss der Kanton die Vorlage bereits abgesegnet haben.»

Grundsätzlich liege die Entscheidungskompetenz in der Nutzungsplanung bei den einzelnen Gemeinden. «Der Kanton steckt die Kompetenzen allerdings durch seine Rahmenbedingungen wie den Richtplan ab», so Weibel.

Steingasse 47 nicht unter Schutz

Während der einmonatigen öffentlichen Auflage der Vorlage im Sommer sind insgesamt elf Einwendungen bei der Gemeinde eingegangen. Zwei davon verlangten, dass ihre insgesamt drei Gebäude nicht unter Schutz gestellt werden.

Davon hat der Gemeinderat einer Einwendung stattgegeben: Das Wohnhaus an der Steingasse 47 wurde für die Vorlage aus der Unterschutzstellung gestrichen. Zur Sicherung der städtebaulichen Situation wurde dafür eine Ensembleschutzzone beschlossen.

«Durch diesen Entscheid ist das betroffene Gebäude nicht als solches geschützt», sagt Gemeindeschreiber Weibel. Wohl aber sei das quasi als visuelle Eingangspforte in das neue Quartier Rebberg wirkende Gesamtbild als Ganzes geschützt. «Das Gebäude darf also abgerissen werden.»

Sobald der Einwohnerrat über den neuen Nutzungsplan entschieden hat, läuft eine 30-tägige Referendumsfrist an. Ist der Entscheid rechtskräftig, läuft das Verfahren weiter: «Wer ein schutzwürdiges eigenes Interesse geltend machen kann, kann dann Beschwerde gegen die Nutzungsplanung führen», sagt Weibel. Diese laufen dann allerdings direkt über den Kanton.