Kloster Muri

Der echte Murianer Klosterwein kommt aus dem Luzernischen

Verena und Kurt Huwiler produzieren heute Klosterwein.

Verena und Kurt Huwiler produzieren heute Klosterwein.

Am kommenden Wochenende können im Kloster Muri Klosterweine von sieben Produzenten degustiert werden – auch der echte Murianer Klosterwein. Dieser wird nicht in Muri gekeltert, er kommt aus Aesch im Kanton Luzern.

Für den heiligen Benedikt war der Fall klar: «Wein ist kein Getränk für Mönche», hielt er um 500 in seiner Mönchsregel fest. Doch schon Benedikt, dessen Regel ab der Gründung 1027 auch im Kloster Muri galt, musste erkennen, «dass Mönche heutzutage nicht davon zu überzeugen sind». Deshalb ergänzte er seine Regel pragmatisch mit dem Satz: «Wir wollen uns wenigstens darauf verständigen, dass wir massvoll und nicht bis zum Überdruss trinken.»

Klosterwein war ziemlich sauer

Dieses Mass war damals festgelegt, die Tagesration wurde als Hemina bezeichnet, was wahrscheinlich einem Viertelliter entsprach. Dies ist ebenfalls in der Benediktinerregel nachzulesen: «Dennoch glauben wir, unter Berücksichtigung schwächerer Brüder, dass eine Hemina Wein am Tag ausreicht.» Ganz aufgeben wollte Benedikt die Hoffnung auf abstinente Mönche aber nicht, wie dieser Satz zeigt: «Wem es von Gott gegeben ist, auf alkoholische Getränke zu verzichten, dem wird dies in besonderer Weise vergolten werden.»

Der Wein dürfte im Alltagsleben der Mönche dennoch ein selbstverständlicher Begleiter zum Essen gewesen sein – so auch im Kloster Muri. Doch woher kam der Klosterwein, der übrigens ziemlich sauer war und daher oft in verdünnter Form oder mit Honig und Gewürzen angereichert getrunken wurde? Naheliegend wäre die Annahme, die Mönche hätten einen eigenen Rebberg betrieben, schliesslich produzieren die Murianer Ortsbürger noch heute den roten «Klosterfelder». Für diese Vermutung gibt es allerdings keine historischen Belege.

Fest steht hingegen, dass das Kloster mehrere Rebberge in Thalwil am Zürichsee, in Unterlunkhofen und am Rhein besass. Belegt ist auch, dass viele Güter im Seetal im Besitz des Klosters standen, die an Bauern verpachtet waren. Die Zehnten und Zinsen mussten damals zum grössten Teil in Naturalien, also in Form von Getreide, Wein, Obst oder Schlachtvieh, entrichtet werden.

Annahmestelle und Lagerräume im Luzernischen

Dafür waren im heutigen Aesch LU eine Annahmestelle und Lagerräume nötig – das Kloster kaufte den grössten und schönsten Hof des Dorfes. Ein grosser Teil dieses Klosterhofs war mit Reben bepflanzt. Deshalb brauchte der Hof ein eigenes Gebäude, um die Trauben zu verarbeiten. 1604 wurde auf Geheiss des Murianer Abts Johann Jodok Singisen mit dem Bau einer Weintrotte begonnen, die heute noch erhalten ist. Über der Pforte ist das Abtswappen sichtbar, im Inneren produzieren Verena und Kurt Huwiler heute den Klosterwein.

Familie Huwiler gehört zu den sieben Produzenten, die am kommenden Wochenende mit ihren Klosterweinen in Muri zu Gast sind. Der Verein «Freunde der Klosterkirche Muri» und der lokale Getränkehändler Marco Staubli veranstalten gemeinsam eine Degustation, die von Fachvorträgen begleitet wird. Die Klosterweine kommen aus Muri-Gries im Südtirol, Aesch, Einsiedeln, Fahr, Klosterneuburg in Österreich und aus der Abbaye de Salaz in Ollon VD. Dazu stehen auch Klosterkäse und süsse Klosterspezialitäten der Murianer Käserei und Bäckerei zum Kosten bereit.

Klosterweine im Kloster: Freitag, 20. April , 17 bis 21 Uhr, und Samstag, 21. April, 14 bis 21 Uhr, Festsaal Kloster Muri.

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