Sarmenstorf

Der Dorfladen ist in Corona-Zeiten mobil geworden

Aus Solidarität haben sich in Sarmenstorf die Bäckerei Ruckli, der Denner und der Verein «Nichten & Neffen» zusammengeschlossen, um jenen Leuten Lebensmittel nach Hause zu liefern, die wegen des Corona-Virus im Moment nicht nach draussen gehen sollten.

Überall ist die Solidarität in diesen Tagen spürbar. Jeder weiss, dass es Leute gibt, die im Moment nicht nach draussen gehen sollten, die aber vielleicht niemanden haben, der ihnen ihre Lebensmittel bringt. "In unserer Bäckerei haben wir natürlich immer wieder Leute aus der Risikogruppe, bei denen es vermutlich besser wäre, sie würden nicht selber einkaufen gehen", sagt Lucia Ruckli, die zusammen mit ihrem Mann die Bäckerei Ruckli im Dorf führt. "Wir fanden, es gibt genügend Junge im Dorf, die für sie einkaufen gehen könnten. Also beschlossen wir, uns zum mobilen Dorfladen zusammen zu tun."

Heute Dienstag, 24. März, wird erstmals geliefert. "Wir hatten schon einige Anrufe, heute werden schon sechs Fahrten stattfinden", freut sich Ruckli.

"Wir sind für einander da"

Weil die Bäckerei ihr Brot morgens auch an den Denner etwas weiter unten im Dorf liefert, lag es nahe, dass sie diesen auch mit ins Boot holt. "Wenn die Leute Produkte möchten, die wir in der Bäckerei nicht führen, würden wir diese am Morgen, wenn wir das Brot liefern, gleich beim Denner mitnehmen und für die Auslieferung bereitmachen", erklärt Ruckli. "Aber es ist natürlich auch möglich, in einem der anderen Geschäfte im Dorf, beispielsweise der Drogerie oder dem Volg, zusätzlich Sachen einzukaufen. Auf diese Weise wird auch das lokale Gewerbe unterstützt", betont sie.

Um nicht noch mehr Angst zu schüren, haben die Initianten gross auf den Flyer geschrieben "Ihr Brot kommt!". Zusammen mit dem Bild eines gluschtigen Holzofenbrotes und einem freundliche Text sollen die Hemmungen bei den Leuten abgebaut werden. "In diesen Zeiten wollen wir zeigen, dass wir für einander da sind."

Gemeinde ist mit an Bord

Josefine Krumm, Gründerin des Vereins "Nichten & Neffen", ist unter vielem anderen Theaterschaffende, Lehrerin und Vorstandsmitglied Suizid-Netz Aargau. "Sie kennt sich mit den gesundheitlichen Aspekten aus und hat unsere Verträgerinnen und Verträger instruiert, wie sie sich verhalten sollen", sagt Lucia Ruckli.

Auf dem Flyer, der von der Gemeinde Sarmenstorf gedruckt und vom Verein "Nichten & Neffen" zusammen mit Rucklis in jeden Briefkasten des Dorfes gesteckt wurde, ist genau beschrieben, worauf zu achten ist. 

Bank schickt Bargeld per Post nach Hause

Die Bestellungen können montags und donnerstags bis 15 Uhr unter 056 667 12 59 oder info@beckruckli.ch angemeldet werden. Dienstags und freitags werden sie dann zwischen 14 und 18 Uhr von den "Nichten & Neffen" per Velo ausgeliefert.  

Auch die Bezahlung ist einfach geregelt: Die Auslieferer geben den Kassenzettel in einem Couvert an die Person ab, die bestellt hat. Diese legt das abgezählte Geld ins Couvert und die "Nichten & Neffen" bringen es der Bäckerei Ruckli. Das Angebot selbst ist gratis. "Die Leute müssen auch keine Angst haben, dass ihnen das Bargeld ausgehen könnte. Die Raiffeisenbank im Dorf schickt beispielsweise auf Wunsch Beträge bis zu 200 Franken in Bar per Post nach Hause", erklärt Lucia Ruckli.

Nun hofft sie, dass durch diese Aktion vielen Leuten geholfen werden kann. Und, dass die Zeiten des Corona-Virus möglichst bald vorbei sein werden. 

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