Kulturzentrum
Der Bremgarter «Schandfleck» ist heute Kultobjekt

Das Kulturzentrum Bremgarten (Kuzeb) feiert sein 25-jähriges Bestehen und lädt zu Rundgang, Konzerten und Theater ein.

Timea Hunkeler
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Kuzeb

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Timea Hunkeler

«Wir sind nicht einfach das Drogenhaus an der Ecke», sagt Tobias Estermann bestimmt. Der 26-Jährige ist seit zehn Jahren im Kulturzentrum Bremgarten (Kuzeb) dabei und heute noch fast täglich dort anzutreffen.

Das markante Haus, das heute kaum aus Bremgarten wegzudenken ist, steht nun schon seit 25 Jahren fast unverändert an der Ecke Zugerstrasse/Zürcherstrasse. Doch das berüchtigte Gebäude hatte keinen einfachen Start.

Vor einem Vierteljahrhundert war es der Traum junger Leute, im Reuss-Städtchen ein vom Staat unabhängiges, nicht kommerzielles Gebäude zu haben, das Treffpunkt für Gleichgesinnte ist. Nachdem die Stadt die Gruppe nach zwei Monaten aus ihrem Tipi-Wohnlager am Flussufer vertrieben hatte, war das Bedürfnis nach eigenem Wohn- und Lebensraum gross, was sie schliesslich in die alte Kleiderfabrik in Bremgarten führte.

Um einen regulären Mietvertrag für die Räumlichkeiten mit den Besitzern aushandeln zu können, wurde ein Jahr später der Verein Kulturzentrum Bremgarten (Kuzeb) gegründet.

Mehr Akzeptanz in der Stadt

Sven Lips, Mann der ersten Stunde, ist stolz auf die Entwicklung des Vereins: «Das Kuzeb galt für viele als Schandfleck der Stadt. Wir mussten uns ständig gegen die Behörden durchsetzen. All das ist heute anders.»

Dem stimmt auch Estermann zu: «Was sich in den vergangenen Jahren sicher verändert hat, ist, dass uns mehr Akzeptanz entgegengebracht wird. Wir haben die Stadt nicht mehr gegen uns, sondern leben mit gegenseitiger Toleranz.» Dennoch höre er heute noch Gerüchte, die auf der Strasse über den Verein verbreitet werden.

«Mit einem Festival anlässlich unseres Jubiläums wollen wir nun den Menschen zeigen, was wir hier machen und wie viele Leute eigentlich beteiligt sind», sagt Estermann. Auch mit dem Tag der offenen Tür soll am 23. September Einblick ins Kuzeb gewährt werden.

Die Idee des dreitägigen Anlasses, der am Freitag, 22. September, mit den ersten Bands beginnt, ein Improtheater bietet und am Sonntag mit dem «Klassik-Zmorge» und Live-Musik endet, sei bereits im Frühling 2016 entstanden, sagt Lips. Er erklärt: «Ich bin eigentlich seit zwölf Jahren nicht mehr aktiv im Verein, aber es lag mir am Herzen, dass dieses Jubiläum gefeiert wird. Deshalb bin ich im OK-Team des Festivals.»

Dass das Festival neue Leute ins Kuzeb bringt, ist laut Oliver Weiss nur einer von vielen positiven Nebeneffekten. Der 19-Jährige, der vor vier Jahren wegen der Musik und der politischen Einstellung in die ehemalige Kleiderfabrik kam, schätzt vor allem die Vielfalt der Menschen und den Austausch mit den Ehemaligen. «Ich war damals in der Punk-Szene und eckte deswegen im Dorf, in dem ich lebte, öfters an. Hier kann man jedoch einfach so sein, wie man ist.»

Bands sind alte Bekannte

Im Kuzeb sei eine der Regeln, dass alle Menschen gleich behandelt werden. Deshalb werde auch versucht, bei der Organisation des Jubiläums-Festes neben möglichst vielen Ehemaligen auch aktuelle Nutzer einzubeziehen, erklärt Lips. «Es wird wie ein Klassentreffen sein. Ich freue mich sehr, all die engagierten Leute von früher wieder zu treffen.»

Der 48-Jährige ist genau wie Estermann und Weiss auf die zehn Bands und DJs gespannt. «Sie haben alle einen Bezug zum Kuzeb, denn es sind nur Bands, die in den vergangenen 25 Jahren hier gespielt haben. Die Band ‹die Cadizier› tritt sogar extra für unser Jubiläum wieder in alter Formation auf. Es hat auf jeden Fall für jeden Geschmack etwas dabei», freuen sie sich.

Eine Besonderheit sei, dass das Fest sowohl drinnen als auch draussen stattfinden wird. «Ab 22 Uhr sind wir jedoch im Kuzeb, da sonst der Lärmpegel draussen zu hoch wäre», weiss Estermann.

Neben der «Spielbar» des Vereins Kultopia stehe auch die Bühne wieder auf dem Schulhausplatz der Bezirksschule. Der Verein freue sich vor allem über gutes Feedback. «Wir haben in den letzten Jahren viel getan. Neben dem neuen Dach wurde auch die ‹Läsothek› modernisiert oder der Skatepark zur Mehrzweckhalle mit Kletterwand umfunktioniert», erklärt Weiss. F

ür die nächsten 25 Jahre wünsche er sich, dass das Kuzeb in seiner Form bestehen bleibt. «Ganz wie das Motto halt. We are going for Gold!» Lips ergänzt: «Ohne das Kuzeb würde Bremgarten einfach etwas fehlen.»

Festival zum 25-Jahr-Jubiläum ab Freitag, 22. September, ab 18 Uhr. Tag der offenen Tür am Samstag, 23. September, ab 14 Uhr. Weitere Infos auf: www.kuzeb.ch