Muri
Der Brand brachte dem «Engel» unverhofft mitten in der Nacht Gäste

Die Stützpunktfeuerwehr evakuierte Bewohnerinnen und Bewohner sicherheitshalber für etwa zwei Stunden nach einem Brand in einer Dachwohnung in Muri.

Eddy Schambron
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Wirt Osy Fischlin im «Engel» hatte eine kurze Nacht: Er beherbergte die Bewohner des Nachbarhauses, bis ein Brand gelöscht war.

Wirt Osy Fischlin im «Engel» hatte eine kurze Nacht: Er beherbergte die Bewohner des Nachbarhauses, bis ein Brand gelöscht war.

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Kaum im Bett und eingeschlafen, musste der Wirt des Hotel-Restaurants Engel in Muri am Sonntag kurz vor Mitternacht wieder raus: Osy Fischlin hatte den wegen eines Zimmerbrandes aus dem Nachbarhaus evakuierten Bewohnerinnen und Bewohner Unterschlupf zu bieten. «Der Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Muri, Felix Strebel, rief mich an und fragte, ob ich die Leute vorübergehend aufnehmen könnte.»

Auf schmalem Sims gerettet

Im benachbarten Mehrfamilienhaus an der Luzernerstrasse brannte am Sonntagabend, etwa um 23.30 Uhr, eine Wohnung. Als die Bewohnerin den Brand bemerkte, rettete sie sich aus einem Fenster auf einen schmalen Sims in luftiger Höhe und konnte so zur Wohnung des Nachbarn gelangen und die Feuerwehr alarmieren.

Gemäss einer Mitteilung der Kantonspolizei Aargau konnte die Feuerwehr den Brand löschen und die weitere Ausbreitung im Gebäude verhindern; es waren 60 Angehörige der Feuerwehr mit sieben Fahrzeugen auf dem Platz.

Vorsorglich mussten allerdings alle übrigen Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses evakuiert worden. Die 26-jährige Bewohnerin der betroffenen Wohnung wurde mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Spital gebracht. Die Dachwohnung ist nicht mehr bewohnbar. Nach ersten Schätzungen beläuft sich der gesamte Sachschaden auf mehrere Hunderttausend Franken.

Im Pyjama im Restaurant

«Natürlich hilft man in einem solchen Fall sofort», erklärt Fischlin. Er versorgte die Hausbewohner, die zum Teil nur einen Mantel über ihr Pyjama geworfen hatten, in seinem Restaurant mit Getränken. «Die Leute waren ruhig, auch wenn einige Angst hatte», erzählt der Wirt. Und er lobt die Feuerwehr: «Die evakuierten Leute wurden von der Feuerwehr im Restaurant sehr gut informiert.» Nachdem der Brand gelöscht und die Sicherheit wieder gewährleistet war, konnten die Bewohnerinnen und Bewohner nach etwa eineinhalb Stunden wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

Gleich wieder eingeschlafen

Wirt Osy Fischlin hatte keine Mühe, nach dieser Aktion wieder einzuschlafen. «Wirte habe ein ruhiges Gewissen, da kann man schlafen», lacht er. Und unterstreicht den Wert eines Restaurants auch in einer solchen Situation: «Ein Take-away kann keine Evakuierten aufnehmen und beherbergen.»

Hinweise zur Brandursache

«Aufgrund der Alarmierungsdaten haben wir ‹Brand gross› ausgelöst», führt Feuerwehrkommandant Felix Strebel aus. Deshalb seien so viele Leute auf dem Platz gewesen; es hätte auch die Besetzung eines «Brand mittel» genügt. Zur Brandursache gibt es Hinweise, wie Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, gestern festhielt. Allerdings will man vor einer offiziellen Bekanntgabe noch die Wohnungsmieterin befragen, die gestern noch im Spital bleiben musste.