Bremgarten
Der Blick aufs Zeughaus ist wieder frei

Die Aussenrenovation am bekannten Zeitzeugen aus dem 17. Jahrhundert ist abgeschlossen.

Jörg Baumann
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René Philipp mit seinem Chef, dem Bildhauer Rafael Häfliger, Melanie Niederberger, Restauratorin Irene Hagenbuch und Martin Röllin (von links). Jörg Baumann

René Philipp mit seinem Chef, dem Bildhauer Rafael Häfliger, Melanie Niederberger, Restauratorin Irene Hagenbuch und Martin Röllin (von links). Jörg Baumann

Jörg Baumann

Seit dem Wochenende kann man die Schaufassade des Zeughauses in Bremgarten wieder in voller Pracht bewundern. Wochenlang versperrte ein Baugerüst die Sicht auf das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert. Vor dem Markt der Vielfalt wurde das Gerüst nach den fertiggestellten Restaurierungsarbeiten wieder abgeräumt.

An der Fassade mussten einige offensichtliche, aber auch andere, verdeckte Schäden ausgebessert werden. Dieses Ziel habe man erreicht, sagen die Restauratorin Irene Hagenbuch aus Oberlunkhofen und der Wohler Bildhauer Rafael Häfliger. Tüchtige Fachleute befreiten die Fenstereinfassungen von Farbrückständen, die nicht hierhergehörten, restaurierten das Wappen über dem Hauptportal und versahen die Fassade mit einem neuen, in einem gebrochenen weissen Farbton gehaltenen Anstrich.

Wechselvolle Geschichte

1641, also gegen Ende des Dreissigjährigen Krieges (1618–1648), errichtete der Bremgarter Baumeister Jakob Martin an der Stelle des alten das neue städtische Zeughaus. Die Stadt wollte sich gegen kriegerische Ereignisse wappnen, die von aussen, aber auch von den innereidgenössischen Spannungen zwischen den reformierten und katholischen Orten drohten. Im Zeughaus wurden bis Ende des 18. Jahrhunderts Waffen und Geschütze aufbewahrt. Nach dem Abbruch des Spitals fand im Zeughaus befristet auch die Spitalkapelle ihren Platz. Die Reformierten feierten zudem hier ihren Gottesdienst, bis die reformierte Kirche im Jahr 1900 bezogen werden konnte.

Im Zeughaus veranstalteten früher bildungsbeflissene Bürger auch Vorträge. Das Haus diente ausserdem als Gemeindeversammlungslokal. Die Spitalglocke von 1400 im Dachreiter auf der Westseite rief die Stimmbürger zur Versammlung. Das Zeughaus diente hiesigen Vereinen und wandernden Schauspieltruppen als Theatersaal und Handwerkern, Firmen und dem Bauamt als Abstellkammer. So wurde das Zeughaus zu einem Schandfleck in der Stadt. 1980 liess die Ortsbürgergemeinde das Haus umbauen. Seither befinden sich darin ein Tagungsraum, ein Übungslokal und die Stadtbibliothek. Auch als Traulokal ist das Zeughaus beliebt. Ein Anbau mit einem Lift zur Bibliothek und zum gegenüberliegenden Haus ist in Planung.