Merenschwand

Der Biber hat bis auf weiteres Bau- und Stauverbot

Durfte entfernt werden: Biberdamm im Unterrütikanal in Merenschwand.

Durfte entfernt werden: Biberdamm im Unterrütikanal in Merenschwand.

Dämme in Merenschwander Bächlein dürfen beseitigt werden – die Gemeinde muss jedoch einen Prozess für nachhaltigere Nutzung einleiten.

Die Biberdämme im Merenschwander Unterrütikanal dürfen beseitigt werden. Ebenso jene im Mühlemattgraben, dem kleineren Zufluss in das Bächlein. Das hat die Sektion Jagd und Fischerei des Departements Bau, Verkehr und Umwelt mit Verfügung vom 18. September entschieden.

Das Thema ist in den letzten Wochen kontrovers diskutiert worden, nachdem Merenschwander Bauern die Entfernung der Dämme verlangt hatten. Die kleinen Kanäle dienen der Entwässerung des umliegenden Kulturlandes und wegen des durch den Biber verursachten höheren Wasserstands drohten rund 70 Hektaren zu vernässen

Dadurch waren die Ernte und die im Herbst nötige Neuansaat in Gefahr (die AZ hat über die Diskussionen berichtet).

Wasserbüffel halten und Reis anpflanzen

Pro Natura war vom Gesuch der Bauern, das im August öffentlich aufgelegen ist, vorerst wenig begeistert. Das Hauptproblem in Merenschwand liege nicht beim Biber, sondern in der nicht mehr angemessenen Bewirtschaftung eines Gebiets, das eigentlich ein Feuchtgebiet sei, hielt die Naturschutzorganisation in einer Medienmitteilung fest.

Der Biber gehöre zum Wasserkanton Aargau und erfülle für den Erhalt der Wasser-Lebensräume eine zentrale Rolle. Die Merenschwander Bauern müssten halt ihre Produktion umstellen und Reis anpflanzen oder Wasserbüffel halten, forderte Pro Natura.

Zwischenzeitlich gab es eine Einigung. Die Kontrahenten haben sich getroffen und einen Kompromiss vereinbart.

Die Umweltverbände erklärten sich damit einverstanden, dass die Biberdämme für die Dauer eines Jahres entfernt werden dürfen, damit die aktuelle landwirtschaftliche Nutzung gewährleistet ist.

Im Gegenzug verpflichtete sich die Gemeinde Merenschwand, in diesem Jahr eine nachhaltige Lösung für «ein Miteinander von Landwirtschaft und Biber» in diesem Gebiet zu finden. In der Folge verzichtete Pro Natura auf eine Einsprache gegen das laufende Gesuch zur Entfernung der Biberdämme.

Dämme sind bereits Ende August entfernt worden

Die beteiligten Parteien unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung, aufgrund derer die Sektion Jagd und Fischerei bereits am 29. August die «ausserordentliche Entfernung der Biberdämme» aus dem Unterrütikanal und dem Mühlemattgraben veranlasst hat.

Das kam einer Notmassnahme gleich, um den Bauern Ernte und Herbstsaat zu ermöglichen. Für ihren definitiven Entscheid zum laufenden Gesuch nahm die Sektion Jagd und Fischerei eine Abwägung der verschiedenen Interessen vor.

Der Biber, so wird im Entscheid festgehalten, sei Bestandteil der einheimischen Fauna und eine international und national geschützte Art. Seine Dämme und Bauten seien lebenswichtige Elemente in seinem Revier und deshalb ebenfalls geschützt.

Andererseits dominiere im Einzugsgebiet des Unterrütikanals die landwirtschaftliche Nutzung. Das Gewässer habe vorwiegend die Funktion eines Vorfluters für die zahlreichen Drainagen. Er werde gemäss dem «Reglement über die Sicherung und den Unterhalt der subventionierten gemeinschaftlichen Bodenverbesserungswerke im Gemeindegebiet» unterhalten, um die Drainagefunktion zu gewährleisten.

Biberdämme im Kanalsystem führten nun aber zu einer Vernässung der landwirtschaftlichen Kulturen. Die maschinelle Bewirtschaftung des Kulturlandes werde dadurch erschwert und die Bodenstruktur könne Schaden nehmen.

Alternative Varianten zur Entfernung geprüft

Im Laufe des Verfahrens sind von der Sektion Jagd und Fischerei auch Alternativen zur Entfernung der Biberdämme geprüft worden.

So die Einlegung eines Rohres durch den Biberdamm oder das Spannen eines Elektrodrahtes über die Dammkrone, beides zum Zweck, den Einstau zu regulieren. Die Erfolgschancen dieser Massnahmen wurden jedoch als gering beurteilt.

Deshalb ist der Gemeinde Merenschwand jetzt die Bewilligung erteilt worden, während eines Jahres die Biberdämme aus dem Unterrütikanal und dem Mühlemattgraben zu entfernen. Das Gebiet, wo solches möglich ist, wurde genau definiert und die Entfernungen müssen jeweils exakt dokumentiert werden.

Zudem muss die Zerstörung der Dämme während der Setz- und Säugezeit des Bibers vom 1. April bis 31. Juli ausgesetzt werden.

Keine aufschiebende Wirkung für Beschwerde

Im Gegenzug hat die Gemeinde innerhalb eines Jahres ab Rechtskraft der Verfügung «einen Prozess durchzuführen, der die Lösung für ein nachhaltigeres Miteinander von Landwirtschaft, Biber und Feuchtgebieten zum Ziel hat.»

Das wird von der Sektion Jagd und Fischerei als Ersatzleistung für die Entfernung der Dämme gewertet. Gegen die Verfügung kann beim Regierungsrat noch Beschwerde erhoben werden. In der Verfügung ist einer solchen jedoch die aufschiebende Wirkung entzogen worden.

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Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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