Freiwillige Hilfe
Der Badmeister Martin Meier ist auf Brillenfang

Vergangenen August hat Martin Meier begonnen Seh- und Hörhilfen zu sammeln. Mittlerweile besitzt er 1500 Brillen und 40 Hörgeräte. Die braucht er aber nicht für sich selber: er will damit armen Menschen helfen.

Fabio Vonarburg
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Martin Meier mit einer Schachtel voller gebrauchter Brillen. Fabio Vonarburg

Martin Meier mit einer Schachtel voller gebrauchter Brillen. Fabio Vonarburg

Martin Meier sieht scharf, auch hört er einwandfrei. Probleme mit den Augen oder den Ohren sind ihm fremd. Nichtsdestotrotz: Der Wohler Eis- und Badmeister besitzt Seh- und Hörhilfen. Massenweise: 1500 Brillen und 40 Hörgeräte bewahrt er bei sich zu Hause auf. Sind so viele in den Sportanlagen liegen geblieben? Oder will Meier einfach für alle möglichen Sehschwächen vorbereitet sein? Weder noch. Der 45-Jährige sammelt sie. Für einen guten Zweck.

Beinahe zwei von drei Schweizern sind auf eine Brille oder Kontaktlinsen angewiesen. Wegen schwächer werdender Augen oder aus stilistischen Gründen tauschen die Brillenträger ihr Gestell mitsamt Gläser alle paar Jahre aus. Die alte Brille wandert meist in die Schublade (man kann ja nie wissen) oder ohne Umweg im Abfalleimer. Für Meier ein Unding. Seit August sammelt er alte Brillen und Hörgeräte. Sobald er 4000 beisammen hat, will er sie gemeinsam mit einer Hilfsorganisation in Zentral- und Südamerika verteilen. Dazu gründete er die Organisation «Glasses for Humanity», die er gemeinsam mit seinem Bruder und einem Kollgen führt. Martin Meier: «Eine gute Sicht und ein gutes Gehör sind wichtig für ein gutes Leben.»

Alles begann in der Badi in Wohlen. Ein Besucher hatte sich eine neue Brille gekauft und wusste nicht wohin mit der alten. Der Rat von Badmeister Meier: «Gib sie mir.» Seit diesem Tag sammelt der 45-Jährige alte Brillen und Hörgeräte. Die Korrektur, der Zustand, die Farbe, die Grösse – Meier ists egal. «Ich nehme sie alle.» Er ergänzt: «Ich bin nur der Sammler. Aussortieren kann es dann die Hilfsorganisation, die besser Bescheid weiss, was sie brauchen kann.» Mit welcher Organisation er einst zusammenarbeiten wird, weiss er noch nicht. Doch was er schon weiss, sind die Bedingungen. Seine Brillen bekommt nur, wer: A) ein oder mehrere Optiker im Team hat, B) auch zukünftig seine Brillen abnehmen will und C) ihm die Möglichkeit gibt, sich das Ganze vor Ort anzusehen. «Ich will sicher sein, dass die Hilfe auch ankommt.» Bereits morgen Montag macht er sich mit Kollegen ein erstes Mal auf den Weg nach Südamerika, genauer nach Costa Rica. 4 Wochen lang werden sie sich einmal ein Bild vor Ort machen.

Eine Frage hört er häufig: Das ist doch nicht profitabel – wieso tust du das? Meier begründet: «Stellen wir uns einen älteren Mann vor, der jahrelang nicht mehr gut gesehen hat. Er setzt sich zum ersten Mal eine Brille auf. Zuerst macht er grosse Augen und dann, dann kommt das Lächeln. Ein Moment, der einfach unbezahlbar ist.» Martin Meier will anderen helfen. Der Grund liegt in seiner Lebensgeschichte: Mit 20 Jahren kollidierte er bei einer Fahrt mit dem Motorrad mit einem Hirsch. Ein Unfall, den ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Eine Erfahrung, die ihn geprägt hat.

In 130 Geschäften liegt mittlerweile ein Flyer von «Glasses for Humanity» auf. Am meisten Brillen bekommt er von den Bewohnern von Altersheimen. Eigentlich wollte Meier das Ganze langsam angehen, doch alleine seine Badegäste sammelten rund 300 Brillen. Wenn es so weitergeht, erreicht er sein Teilziel (4000 Brillen) schon bald. Vielleicht schon vor dem Ende der nächsten Badesaison.

Alte Brillen und Hörgeräte können in Wohlen an folgenden Standorten abgegeben werden: Restaurant Feldschlösschen, Copy Center Roth, Restaurant Schützenhof, Eisbahn (bis 11. März); Badi (sobald wieder offen) und in Anglikon im Restaurant Hirschen. Kontakt zu Martin Meier per E-Mail: canadameier@yahoo.com.

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