Bremgarten
«Der Angeklagte ist untergetaucht»: Verkehrssünder schwänzt Prozess

Ein 50-Jähriger fuhr ohne Ausweis Auto. Die Staatsanwaltschaft fordert 21 Monate Gefängnis unbedingt. Der Prozess musste jedoch vertagt werden – der Angeklagte war nicht aufgetaucht.

Walter Christen
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Dem Angeklagten war der Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen worden. Dennoch fuhr er wieder Auto. (Symbolbild)

Dem Angeklagten war der Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen worden. Dennoch fuhr er wieder Auto. (Symbolbild)

Nicole Nars-Zimmer

Das Katz-und-Maus-Spiel, das sich ein Freiämter mit der Polizei lieferte, weckt Erinnerungen an Räuber und Poli der Jugend von damals: David (Name geändert) fuhr an seinem Wohnort mit dem Auto aus der Tiefgarage auf die öffentliche Strasse. Da erblickte er eine Polizeipatrouille. Sofort wendete er seinen Wagen und kehrte in die Einstellhalle zurück. Aber die Polizisten hatten das Manöver des Autofahrers bemerkt und folgten ihm. Er konnte in der Garage angehalten und kontrolliert werden. Dabei stellte sich heraus, dass er das Auto unerlaubterweise gelenkt hatte.

David kehrte also an jenem Morgen im Juni 2017 um und erregte dadurch logischerweise die Aufmerksamkeit der Polizei, weil er trotz verweigertem, entzogenem und aberkanntem Führerausweis am Steuer seines Autos sass. Dies trug ihm eine Anklage der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten und einen Termin vor dem Bezirksgericht Bremgarten ein.

Angeklagter untergetaucht

Doch der Beschuldigte blieb der Gerichtsverhandlung fern, obschon ihm die Vorladung per Post an seine Wohnadresse zugestellt worden war. Zum besagten Gerichtstermin fanden sich lediglich der Staatsanwalt und der amtliche Verteidiger von David ein. Beide sagten, sie hätten keine Ahnung, wo sich der Angeklagte befinde.

Gerichtspräsident Peter Thurnherr erklärte, dass der Beschuldigte trotz zweimaliger ordnungsgemässer Vorladung nicht erschienen sei. Er stellte fest: «Der Angeklagte ist untergetaucht.» Obendrein ist der 50-Jährige zur Verhaftung ausgeschrieben, weil er seine Strafe nicht angetreten hat.

Im November 2014 wurde ihm der Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen. Dennoch wurde David beim Autofahren erwischt und von der Staatsanwaltschaft zur Verbüssung einer unbedingten, 21 Monate dauernden Freiheitsstrafe angeklagt. Das Bezirksgericht Bremgarten hatte ihn im Mai 2016 zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt, davon neun Monate bedingt. Gemäss Antrag der Staatsanwaltschaft soll nun dieser bedingt gewährte Strafvollzug widerrufen werden. Ferner müsse der Beschuldigte für die Verfahrenskosten von total 2500 Franken aufkommen. Sein Auto wurde sichergestellt und beschlagnahmt. Es soll verwertet und ein allfällig daraus erzielter Erlös an die Verfahrenskosten angerechnet werden.

Kein Abwesenheitsverfahren

Da der Angeklagte zur aktuellen Verhandlung in Bremgarten nicht erschienen war, stellte sich die Frage, ob das Verfahren in Abwesenheit durchzuführen sei. Nach kurzer Beratung entschied das Gericht, die Verhandlung sei zu vertagen, der Termin neu anzusetzen und die Publikation im Amtsblatt nachzuholen, da die Vorladung nicht öffentlich ausgeschrieben worden war.