Muri

Der Amtsschimmel wiehert: Dieses Fassadenbild muss weg - und keiner verstehts

Willi Staubli vor dem Haus mit dem Fassadenbild von Barbara Enzler im Hasli in Muri. Das Kunstwerk gilt als «störendes Element im Erscheinungsbild des Weilers»

Willi Staubli vor dem Haus mit dem Fassadenbild von Barbara Enzler im Hasli in Muri. Das Kunstwerk gilt als «störendes Element im Erscheinungsbild des Weilers»

Die junge Künstlerin Barbara Enzler bemalte vor zwei Jahren eine alte Hauswand – nun soll der Kopf weg. So will es die Gemeinde. Aber warum, wenn es doch allen gefällt?

Dicke Post: Der Brief aus dem Gemeindehaus Muri vom 2. Februar 2016 für Willi und Ruth Staubli im Weiler Hasli enthält keine gute Nachricht: Das Bild der jungen Street-Art-Künstlerin Barbara Enzler muss weg.

Der Grund: «Das Fassadenbild am Gebäude Nr. 243 ist nicht typisch für das Weilerbild und wirkt sich als störendes Element im Erscheinungsbild des Weilers Hasli aus», schreibt die Abteilung Bau und Planung. «Demzufolge ist das Bild bis spätestens Freitag, 11. März 2016, zu entfernen.»

Auslöser ist die Einstufung des Ortsteils im Inventar der Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als Weiler mit nationaler Bedeutung. Demzufolge müssen sich alle baulichen Massnahmen, die Nutzung sowie die Umgebungsgestaltung einwandfrei in das Weilerbild einfügen.

Etwas Spezielles

Das Bild an der Fassade des alten Hauses hat Barbara Enzler vor rund zwei Jahren gemalt. Die 20-jährige Künstlerin durfte die Fläche damals für ihre Kunst nutzen, weil das Haus ihrem Vater gehörte, der es eigentlich abreissen und einen Neubau erstellen wollte, wofür ein baubewilligtes Projekt bestand. Vor gut einem Jahr haben Willi und Ruth Staubli, die im Hasli einen Landwirtschaftsbetrieb mit Hofladen für Obst, Beeren und Gemüse führen, diese Liegenschaft gekauft.

Sie haben sich entschlossen, das Haus nicht abzureissen, sondern im Sommer als Unterkunft für ihre Erntehelfer zu nutzen. Keine Frage war für Staublis, das Bild von Barbara Enzler an der Fassade zu belassen. «Es ist etwas Spezielles, das es kein zweites Mal zu sehen gibt. Uns und auch den Leuten, die vorbeikommen, gefällt das Bild sehr», unterstreichen sie. «Es gibt immer wieder Automobilisten, die sogar anhalten, es fotografieren und bestaunen.»

Ein Kübel gelbe Farbe

«Natürlich ist das schnell gemacht», sagt Willi Staubli, «ein Kübel gelbe Farbe, ein Pinsel und etwas Zeit, und weg ist das Bild.» Aber er und seine Frau bedauern dieses Vorgehen. «Wir müssen ein Bild übermalen, obwohl sich niemand daran stört oder besser, obwohl es allen gefällt.»

Sie finden es auch für die junge Künstlerin schade. Sie hatte in den Sommerferien einige Tage an diesem Bild gearbeitet. Ihr Vater half ihr, indem er mit dem Traktor eine Art Hebebühne realisierte, damit sie in der Höhe sicher arbeiten konnte.

Barbara Enzler, die sich zur Floristin ausbildet, verwirklichte mit dem Fassadenbild des Kindes, das Seifenblasen in die Luft des Weilers Hasli pustet, ihr erstes grösseres Projekt. Zur Weihnachtszeit ergänzte sie es zudem noch zu einem stimmungsvollen Adventsfenster der besonderen Art.

Wie das Fassadenbild entstand und mehr von der Künstlerin ist auf der Website von Barbara Enzler zu sehen: www.be-kreativ.ch

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Autor

Eddy Schambron

Eddy Schambron

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